Still war es die letzte Zeit um S3-Graphics, einem Joint-Venture von VIA Technologies und der Grafikschmiede S3 (SONICBlue), geworden. Allerdings waren bereits im Sommer vergangenen Jahres Gerüchte
aufgekommen, dass der Grafikchip-Hersteller bis zum Jahresende 2007 mit neuen Produkten aufwarten werde könne. Mit leichter Verzögerung und über zwei Jahre nach der Vorstellung der Chrome-S20-Serie, hat die Grafikschmiede aus Fremont nun die Chrome 400 Serie – einigen vielleicht besser unter dem Codenamen Destination Films - offiziell vorgestellt.
Bezüglich der technischen Daten hält sich S3-Graphics allerdings sehr bedeckt. Selbst eine Angabe dazu, welche Produkte aus der Chrome-400-Familie vorgestellt wurden, ist weder der Pressemitteilung noch der
Webseite zu entnehmen. Allerdings gibt es eine durchaus interessante Feature-Liste einzusehen. So sind die Produkte der Chrome-400-Serie, die ersten Produkte im Grafikkartenmarkt die eine Unterstützung von DirectX 10.1 bieten. In Anbetracht des angestrebten Marktes ist dies allerdings eher als Marketing-Feature einzustufen.
Des Weiteren bieten die GPUs Hardware-Beschleunigung für das Abspielen der gängigen HD-Video-Standards H.264 und VC1 inklusive AES 128 Entschlüsselung. Ähnlich den AMD-Karten der Radeon-HD-Serie bietet S3 Graphics nun ebenfalls einen integrierten HD-Audio-Controller in der GPU, wodurch beispielsweise über HDMI auch Audio-Daten an das Ausgabegerät übertragen werden können. Neben Dual-Link-DVI, HDMI mit HDCP bietet der Chip auch Unterstützung für den DisplayPort.
Die GPUs verfügen lediglich über ein 64 bit breites Speicherinterface, ein klares Zeichen dafür, dass sich die Produkte an den Low-Cost und Notebook-Bereich richten. Mit den genannten Features wäre S3 Graphics in diesem Bereich allerdings durchaus gewappnet, mit den beiden großen Firmen zu konkurrieren, da der Hersteller zudem mit einer "ausgezeichneten" Leistungsaufnahme wirbt. Letzteres müsste sich allerdings erst in unabhängigen Test bestätigen. Die Verfügbarkeit der GPUs wird von S3 Graphics mit Ende Februar angegeben. Das große Fragezeichen steht allerdings einmal mehr hinter der Verfügbarkeit der Grafikkarten selbst. Es muss sich zeigen, ob es S3 Graphics diesmal gelingen wird ausreichend Board-Partner und Händler an Bord zu holen.
Bei den vorgestellten Produkten der Chrome-400-Serie scheint es sich um die, bei Fujitsu in 65 nm gefertigten, Chips Chrome 430 und Chrome 440 zu handeln. Zwar wird das von S3-Graphics derzeit nirgends bestätigt, allerdings spricht die DirectX-10.1-Unterstützung, welche bereits in vergangenen
Spekulationen den beiden Chips angedichtet wurde, dafür. Für ein Erscheinen des für den Mainstream-Bereich angedachten Chrome-460-Chip fehlen derzeit jegliche Anzeichen. Der Chrome 460 hätte hierbei lediglich Unterstützung für DirectX 10.0 bieten sollen. Da S3-Graphics bei der Chrome-400-Serie allerdings explizit die DircetX-10.1-Fähigkeiten betont, wäre es gut denkbar, dass die Entwicklung des Chrome-460-Chip bereits abgebrochen wurde.
Bereits in Vergangenheit hatte sich gezeigt, dass S3-Graphics in dem schnelllebigen Mainstream-Segment derzeit nicht mithalten kann. Die Produkte erreichten den Markt – wenn überhaupt – deutlich zu spät und konnten dann in Puncto Leistung nicht mehr mit den aktuellen Angeboten von AMD und NVIDIA mithalten. Im Low-Cost-Bereich dürfte es der Hersteller hier merklich einfacher haben, da hier eher die langlebigere Feature-Liste und weniger die Grafikleistung von Bedeutung ist. Ob es S3 Graphics diesmal gelingt im Grafikmarkt endlich wieder richtig Fuß bleibt aber dennoch erst einmal abzuwarten.