ATX, BTX oder DTX ist noch immer eine Geschichte für sich, die bisher scheinbar klar den alteingesessenen Platzhirsch ATX die besseren Karten einräumt, doch dass dieser Standard mangelnde Bedingungen zur Kühlung und den Betrieb von Computersystemen bietet, ist weitreichend bekannt. Versuche dies zu ändern gibt es zahlreich, doch wirklich erfolgreich war bisher noch niemand. Man muss sich also weiterhin Fragen: Werden wir ewig mit ATX leben?
Ungünstige Anordnung der Komponenten und dadurch nur schlechte Kühlmöglichkeiten. Starres Layout und wenige Optionen für kleinere Formate. Das sind wohl die Hauptkritikpunkte an ATX. Doch schlechte Kühlung erfordert stärkere Lüfter und reduziert die Lebensdauer der Komponenten, gleichzeitig verhindert eine ungünstige oder unflexible Anordnung, dass Hersteller Platinen für kleinere Gehäuse anpassen können. Doch trotz der Nachteile sitzt ATX noch immer fest im Sattel und scheint sich dort auch nicht mehr vertreiben zu lassen.
Intel hat in diesem Bereich einen ersten Schritt mit dem
BTX-Standard unternommen und präsentierte vor einigen Jahren ein vollkommen überarbeitetes Konzept, das viele Schritte enthielt, um die Belüftung im Gehäuse besser zu gestalten. Das Unternehmen korrigierte das Layout auf seinen Platinen entsprechend und arbeitete mit voller Kraft an einer breiten Etablierung. Da Intel hier offensichtlich nicht allein neue Wege beschreiten kann, war zusätzlich die Unterstützung der Hersteller für Gehäuse und Kühler mit gefragt. Das Ergebnis ist bekannt — BTX ließ sich nicht durchsetzen. Gründe hierfür mögen vielfältig sein — neben höheren Kosten für die Platinen, waren BTX-Gehäuse auch aufgrund der geringen Stückzahlen stets teurer. Trotz der Vorteile waren die Nutzer nicht bereit den Umstieg zu finanzieren. Das Fazit auf dieser Messe ist nun, dass Intel seine eigenen BTX-Mainboards vollkommen eingestellt hat und die Fertigung in diesem Bereich nur noch den großen Systemherstellern wie Dell oder Fujitsu-Siemens überlässt. Auf dem Endkundengeschäft dürfte das Angebot in diesem Bereich damit vollständig aussterben.
AMD versucht nun seit geraumer Zeit selbst ein Konzept unter dem Namen
DTX OpenPlatform-Standard zu etablieren und dabei natürlich Fehler zu vermeiden, die man Intel angekreidet hat. Die Spezifikationen liegen offen für jeden und die Vorgaben für entsprechende Layouts sind weitestgehend frei, sodass die Hersteller ihre Vorstellungen nach belieben umsetzen können. Ebenso sind die Anforderungen an die Fertigung geringer und erfordern keine aufwändigeren Platinenlayouts. Doch AMD scheint nicht recht vom Fleck zu kommen, brachte DTX dieses Jahr auf der
AMD-Roadmap zwar wieder ins Gespräch, doch fehlt noch immer jegliche öffentlichkeitswirksame Arbeit. Vielmehr scheint man hier bisher hinter dem Vorhang zu arbeiten, doch lässt sich nicht beurteilen, wie aktiv diese Bestrebung tatsächlich umgesetzt werden. So überraschte doch, dass herstellernahe Kreise mit DTX teils nichts anzufangen wussten. Man darf also gespannt sein, welche Wege AMD hier noch beschreiten wird.
Blickt man allerdings etwas nach vorn, so stellt sich langsam die Frage, wie weit ein neuer Standard überhaupt noch notwendig ist. Dazu möge man an den Trend zu Notebooks denken, den Trend zu Mini-Computern,
Ultra-Mobile-PCs sowie Mobile Internet Devices. Nahezu alle diese Systeme, die nach den Wünschen der Hersteller in Zukunft den Markt beherrschen sollen und den Anwender auf Schritt und Tritt Zugang in die virtuelle Welt mit allen Informationen verschaffen, kommen nahezu vollständig ohne die großen Mainboards und ihre Standards aus. Gehäuse werden vom Hersteller genau auf das Gerät abgestimmt und bestehen zum großen Teil nur noch aus Display und Rückseite. Mainboard-Layouts sind so spezifisch für die Geräte ausgelegt, dass ein Standard über Hersteller hinweg offensichtlich kaum auf Bedarf stoßen dürfte. Die zweite Alternative zum PC in Form von Konsolen gewinnt immer mehr Anwendungsbereiche und scheint mit jeder Generation das zu erreichen, was man damals mit Home-Entertainment-Computern erträumt hatte.
Es eröffnet sich hierbei der Eindruck, dass ATX sich auf seinem letzten Weg befindet. Die Hersteller verwenden es nicht nur, weil die Umstellung auf Alternativen teurer ist, sondern auch, weil man wohl auf absehbare Zeit einen Hardware-Markt, wie wir ihn heute kennen, nicht mehr vorfinden wird.