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 Gerüchte um Übernahme von Yahoo durch Microsoft

Wirtschaft | 20.11.2007, 01:30
Nachdem Microsoft auf einer Investorenkonferenz in Seattle angekündigt hat, im Suchmaschinenmarkt 30 Prozent Marktanteil erreichen zu wollen, brodelt die Gerüchteküche, wie dieses Ziel zu erreichen sein könnte. Bisher erreicht der Software-Spezialist selbst lediglich einen weltweiten Marktanteil von rund 10 Prozent. Die Argumentation findiger Köpfe blickt nun auf die Statistik und sieht einen Marktanteil von Yahoo, der bei rund 20 Prozent angesiedelt ist und schon wäre die Geschichte fertig erzählt. Aber was ist wirklich dran?

Rein rechnerisch wiegt Yahoo derzeit mit rund 36 Milliarden US-Dollar an der Börse und ist damit verglichen mit den 317 Milliarden US-Dollar Börsenwert von Microsoft durchaus ein kleiner Fisch. Hinzu kommt, dass Microsoft einen jährlichen Gewinn von rund 16 Milliarden US-Dollar einfährt und auch sonst auf rund 30 Milliarden US-Dollar an eigenen Mitteln zurückgreifen kann. Finanziell dürfte eine Übernahme also kein wirkliches Thema sein.

Betrachtet man weiterhin, dass Yahoo in den letzten Jahren zunehmend Schwierigkeiten hatte, sich gegen den Konkurrenten Google zu behaupten und regelmäßig geringere Gewinne verzeichnete, während bei anderen die Einnahmen rege Explodieren, wäre durchaus ein Faktor gefunden, der eine neue Geschäftsstrategie begründen könnte.

Zusätzlich hat Yahoo gerade in Europa gegen Google einen schweren Stand und kämpft dort nicht nur im Werbemarkt um seine Existenz, während in Nordamerika der Anteil von Yahoo deutlich größer ist. Microsoft könnte sich mit Yahoo also lediglich im Heimatmarkt wesentlich verbessern. Vorteilhaft wären für Yahoo dann in Europa mögliche Verflechtungen mit Microsoft etwa als Standard-Suchmaschine im Internet Explorer sowie die einfache Verknüpfung zum Beispiel des Bilderdienstes Flickr direkt mit dem Betriebssystem.

Gegen eine Übernahme spricht hingegen, dass Microsoft mit Hotmail, MSN und weiteren Diensten bereits über zahlreiche Angebote verfügt, die mit Yahoo konkurrieren. Hier wäre höchstens denkbar, dass beide Inhalte zusammengeführt werden. Eine große Frage bliebe zum Schluss außerdem noch offen: welche kartellrechtlichen Schlüsse aus dieser Vereinigung zu ziehen wären. Mit 30 Prozent ist Microsoft zwar nicht Marktführer, aber käme als zweitgrößter Anbieter durchaus in gefährliche Regionen.

Alternativ zu einem Kauf wäre eine wesentliche Beteiligung an Yahoo eine denkbare Alternative. Microsoft würde dann einen Anteil am Unternehmen mit Stimmrechten erhalten und könnte über diesen Weg die Entwicklung Yahoos wesentlich mitbestimmen, ohne nach außen hin als "großer Konkurrent" auftreten zu müssen. Ein vergleichbares Konzept nutzen zum Beispiel die ÖL-Gesellschaften seit vielen Jahren, in dem sie mehrere Tankstellenketten mit verschiedenen Namen betreiben, deren Gewinne im Endeffekt aber alle in den gleichen Topf wandern.
[rl]

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