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 Amazon eröffnet sich mit Kindle neue Geschäftsfelder

Kommunikation | 20.11.2007, 08:55
Über einen speziellen Pocket-PC verkauft der Online-Händler Amazon in Zukunft auch digitale Bücher und Zeitschriften in Nordamerika. Dabei setzt das Unternehmen auf ein spezielles Gerät namens "Kindle", das mit Hilfe von Mobilfunktechnologie den Kontakt zum Onlineshop herstellen soll und innerhalb einer Minute die neuesten Bücher zum Lesen bereit hält. Grundsätzlich gleicht es dabei an handelsübliche Pocket-PCs aus der Vorzeit mit speziellen Graustufen-Display und einer Bedienung, die entfernt an den Gameboy als Urvater mobilen Entertainments erinnert.

Mit Ausmaßen von 19,05 cm x 13,4 cm x 1,77 cm ist der Kindle in der Fläche größer als ein Handy, aber dennoch relativ flach und mit rund 300 Gramm auch recht leicht gebaut — vor allem, wenn man ihn mit einem Buch vergleicht. Das 6-Zoll-Display verfügt über eine hohe 600x800-Pixel-Auflösung und verspricht damit hohen Lesenkomfort, zumal Amazon angibt, dass die spezielle Technologie ohne aktive Hintergrundbeleuchtung auch in hellem Licht beste Kontraste verspricht. Die Laufzeit des Akkus gibt Amazon mit bis zu 2 Tagen mit aktiviertem Funkmodul und über einer Woche ohne Netzverbindung an.

Die Kommunikation mit der Außenwelt nimmt Amazon über den EDVO-Funkstandard vor, der in seiner zweiten Generation "Revision A" eine Bandbreite von bis zu 3,1 Megabit erreicht und im gesamten Einsatzgebiet angeboten werden soll. Der Zugang zum Online-Angebot von Amazon selbst ist dabei kostenfrei und scheint sich lediglich über die Preise der EBooks und E-Papers zu finanzieren. Amazon hebt außerdem hervor, dass für den gesamten Einsatz kein PC notwendig ist.

In der Produktpalette bietet Amazon neben einfachen elektronischen Büchern und Magazinen auch Abonnements an, die automatisch mit Kindle synchronisieren. Darunter finden sich neben namhaften Zeitungsangeboten auch Blogs, Wörterbücher oder Enzyklopädien wie Wikipedia. Die Preise für EBooks liegen bei rund 10 US-Dollar, während das Endgerät selbst mit 399 US-Dollar zu Buche schlägt.

Obgleich Amazon eine Entwicklungszeit von rund drei Jahren angibt, muss man sich allerdings die Frage stellen, ob das Bedienkonzept zeitgemäß ist. Gerade hier hätte sich eventuell das "iPhone-Konzept" über ein Touch-Screen angeboten und die Bedienung auch für Menschen ohne Computerkenntnisse nochmals vereinfachen können. Wie intuitiv das Menü-System des Kindle tatsächlich gestaltet ist, lässt sich aus der Ferne derzeit nicht abschließend beurteilen.

Unklar ist derzeit, wann ein vergleichbares Gerät in Europa verfügbar sein wird. Obgleich Amazon schon in der Vergangenheit häufiger Konzepte in unterschiedlichen geografischen Märkten getestet hat, könnte die Funktechnologie und Marktaufteilung hier eine wesentliche Hürde darstellen. So dürfte sich derzeit nur schwerlich ein Weg finden lassen, der es möglich macht, den gesamten Kontinent gleichermaßen abzudecken, was damit durch die vielen kleineren Länder deutlich höhere Kosten erwarten lässt. Ebenso ist hierzulande als Standard für die Datenübertragung eher UMTS im Trend, der allerdings von Kindle nicht unterstützt wird.

Dennoch ist das Konzept als überaus innovativ einzuschätzen und dürfte in Zukunft Schule machen. Interessant ist die Verknüpfung der Welt der Online-Medien mit all ihren Vorteilen mit der analogen Bücherwelt, die es auch ohne Computer möglich macht, digitale Inhalte bequem an jedem beliebigen Ort zu lesen.
[rl]

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