Autor Thema: Wärmeleitpaste auf Pentium 4 CPUs  (Gelesen 20980 mal)

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Offline Peter

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Wärmeleitpaste auf Pentium 4 CPUs
« am: 12. Februar 2004, 22:09:52 »
Erst einmal die "Klecksmethode" und zwar anhand von Silicon-Pasten. Es wird vermutlich sehr schnell klar, warum diese Variante, gerade mit Silicon Paste für sich spricht. Die meisten P4 Kühler haben einen recht hohen Anpressdruck (Ausnahmen bestätigen die Regel: EKL bezogene Kühler incl. Lüfter).



Der Anpressdruck des (hier Intel Referenz) Kühlers verteilt die überschüssige Masse sofort auf den Bereichen sehr gleichmässig. Es kann praktisch nichts schiefgehen. Eigentlich wurde schon zuviel Paste verwendet.

Ein wenig anders verhält sich dies bei Silberpasten. Diese sind deutlich zäher in der Konsistenz und verfügen zudem über Silberpartikel. Man sollte, wie zuvor erwähnt, diese möglichst gleichemässig und möchglichst dünn über der Fläche des Heatspreaders verteilen. Gerade wenn man das tut, erkennt man sehr schnell, wie die Partikel beim Verteilen, neue Rillen in dem Auftrag hinterlassen.



Natürlich wird das niemand so lassen wollen, wie auf vorstehendem Bild gezeigt, und erneut etwas Auftrag machen. Wird der Kühler dann aufgesetzt und fixiert, könnte das später evtl. so aussehen:



Wir erkennen, nach dem erneuten Abnehmen des Kühlers, dass sich trotz des hohen Anpressdrucks, auf der Kühlerfläche Fehlstellen gebildet haben. Diese Stellen sind in der Praxis dann mit Luft gefüllt, was ein hervorragender Isolierstoff, statt Leitstoff ist. Hotspots sind vorprogrammiert.

Also noch einmal von vorne? Was fehlt zum perfekten Sitz? Eigentlich nicht so viel. Man sollte den Auftrag (wie schon erwähnt) möglichst dünn vornehmen. Das Bild mit den Rillen in der Fläche, nach dem Verstreichen des Auftrages, ist dabei gar nicht einmal so abwägig. Danach sollte man den Kühlkörper aufsetzen und mit etwas Druck nach unten, in einer kurzen Drehbewegung nach links und rechts bewegen. Dabei verteilt sich die Paste deutlich besser auf Heatspreader und Kühlkörperfläche.



Wie das Bild zeigt, ist nach diesem Vorgang und nach der folgenden Montage des Kühlers, der Anpressdruck ausreichend, um eine plane Auflage zwischen beiden Flächen zu erhalten, in welcher sich keine Lufträume mehr finden. Es sei noch gesagt, dass je dünner die Pastenschicht aufgetragen wurde, um so besser die Kühlleistung sich zeigen sollte, denn eigentlich gibt es praktisch keine bessere Ableitung als Metall auf Metall. Es gilt eben nur die Lufträume zu beseitigen, die jede Oberfläche mit sich bringt.

Dazu, und zu nicht mehr, sind Wärmeleitpasten / -pads gedacht.

Vorstehende Bilder und Informationen beziehen sich hier ausschließlich auf P4 Prozessoren! Bei AMD CPUs ist die Fläche deutlich kleiner und bei dünnem Verstreichen ist der Anpressdruck, je nach Kühler, meist schon ausreichend um eine optimale Kontaktfläche herzustellen.

Nachtrag

Ganz vergessen, die Klecksmethode bei Silberpaste:



Die Verteilung ist deutlich schlechter. Partikel und Unebenheiten sind ersichtlich, hier leider auch nahe des Kernbereiches. Die Kühlung dürfte nicht optimal sein.
« Letzte Änderung: 18. Dezember 2011, 08:13:29 von Rico »
Gruß

Peter

Offline CitGod

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Diskussion zu: Wärmeleitpaste auf Pentium 4 CPUs
« Antwort #1 am: 12. Februar 2004, 22:14:21 »
Wärmeleitpasten sorgen immer wieder für Verwirrung, welche soll man nehmen ? Wie dick auftragen etc etc ... diesen Fragen nimmt sich der Meister himself ( Peter ;) ) in einem neuen Artikel an.

Um Meinungen, eigene Erfahrungsberichte und Anregungen wird wie immer gebeten ;)
« Letzte Änderung: 18. Februar 2004, 21:55:39 von scf2008 »

Offline Peter

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Re:Diskussion zu : Wärmeleitpaste auf Pentium 4 CPUs
« Antwort #2 am: 12. Februar 2004, 23:28:55 »
..und jetzt komm mal wieder runter Boris ;)

Entsprungen ist dieser Beitrag einer Antwort aus dem normalen Forenbereich und in diesem Falle waren wir der Ansicht, dass es sich evtl. auch für unseren User-helfen-User Teil eignet.
Gruß

Peter

Offline Roman

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Re:Diskussion zu : Wärmeleitpaste auf Pentium 4 CPUs
« Antwort #3 am: 13. Februar 2004, 08:58:40 »
hmmm...ich würde nie die paste auf den prozessor selbst auftragen...besonders nicht bei einem Athlon XP...der hat ja per definitionem keine unebenheiten, die aufgefüllt werden müßten...beim p4 und athlon64 dürften diese auch minimal sein.

deshalb und weil das auftragen so viel einfacher ist, kommt bei mir die paste auf den kühlkörper...da kann man sie sehr gut mit einer kreditkarte o.ä. verstreichen und füllt garantiert jede unebenheit auf...weiterhin kann man sie so dünner und vor allem gleichmäßiger auftragen.

nunja...ist wahrscheinlich auch eine art glaubensfrage

gruß, roman

Offline Stefan_Payne

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Re:Diskussion zu : Wärmeleitpaste auf Pentium 4 CPUs
« Antwort #4 am: 13. Februar 2004, 13:40:50 »
nunja...ist wahrscheinlich auch eine art glaubensfrage

gruß, roman

Ja, das ist es IMO wirklich.

Wobei einige sich auch fragen wozu man die erst verteilen sollte, der Kühlerdruck langt meist aus (bei Silikonpaste)...

Nunja, jeder hat halt andere Erfahrungen gesammelt, andere ansichten usw...

Allerdings denke ich, daß dieser Artikel sich eher an die richtet, die nicht so recht wissen, was WLP ist und wozu man es braucht, denke ich...
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Butter

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Re:Diskussion zu : Wärmeleitpaste auf Pentium 4 CPUs
« Antwort #5 am: 13. Februar 2004, 18:52:29 »
Wärmeleitpasten sorgen immer wieder für Verwirrung, welche soll man nehmen ? Wie dick auftragen etc etc ... diesen Fragen nimmt sich der Meister himself ( Peter ;) )

Der Meister!

Am einfachsten ist doch den Anleitungen der Hersteller zu folgen, hier am Beispiel von Arctic Silver




Offline Peter

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Re:Diskussion zu : Wärmeleitpaste auf Pentium 4 CPUs
« Antwort #6 am: 13. Februar 2004, 20:48:02 »
achja....das sollte man im Prinzip so annehmen. Aber die Wege des Herrn sind oft unergründlich:



Man beachte die gut erkennbaren Partikel, die unregelmässige, schlechte Verteilung der Paste, die gerade nahe beim Core zu schlechterer Wärmeableitung führt.

Da dieses Prinzip bei Silberpasten in der Praxis leider schon zum Geteil dessen führte, was man eigentlich erhoffte, habe ich mir die Mühe gemacht, diese kleine Anleitung mit ein paar Hinweisen zu geben. Aber das sollte ja auch keine Pflichtlektüre sein. Sorry, wenn das flasch ankam.  :o(
« Letzte Änderung: 13. Februar 2004, 20:50:29 von Peter »
Gruß

Peter

Offline Nova

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Re: Wärmeleitpaste auf Pentium 4 CPUs
« Antwort #7 am: 02. Dezember 2011, 20:58:11 »
Auch wenn der Thread schon... "etwas" älter ist, gibt es die Bilder vielleicht noch irgendwo? Würde mir das ganze gerne mal ansehen. ;)

Offline Rico

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Re: Wärmeleitpaste auf Pentium 4 CPUs
« Antwort #8 am: 18. Dezember 2011, 08:14:22 »
Auch wenn der Thread schon... "etwas" älter ist, gibt es die Bilder vielleicht noch irgendwo? Würde mir das ganze gerne mal ansehen. ;)

Ja, gibt es noch, hab sie wieder richtig eingestellt :)
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Offline Nova

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Re: Wärmeleitpaste auf Pentium 4 CPUs
« Antwort #9 am: 18. Dezember 2011, 16:41:55 »
Vielen Dank Rico!

Nur eine Frage noch: Wurde an der CPU rumgebohrt oder warum hat sie auf den Bildern ein Loch?

Offline Peter

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Re: Wärmeleitpaste auf Pentium 4 CPUs
« Antwort #10 am: 18. Dezember 2011, 16:43:21 »
Nein, die damaligen Heatspreader der Intel-CPUs hatten ein solches Loch. Ich hab eigentlich nie gefragt warum - aber ich unterstelle, dass man hier ggf. Kondesatbildung durch Temperaturschwankungen und / oder schlechte Lagerung vorbeugen wollte.
Gruß

Peter