Autor Thema: Sinn oder Unsinn von Netzteil-Kalkulatoren  (Gelesen 15010 mal)

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Offline garfield36

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Sinn oder Unsinn von Netzteil-Kalkulatoren
« am: 08. Juli 2011, 12:14:47 »
Wer kennt das nicht? Man will seinen Rechner aufrĂŒsten, eine stĂ€rkere Grafikkarte oder CPU einbauen, aber macht das Netzteil auch mit? Um alle Unklarheiten zu beseitigen gibt es Software die vorab  informiert, wie stark die Stromversorgung ausfallen sollte. Ich habe mal ein wenig gegoogelt, und bin auf folgende EintrĂ€ge gestoßen.

1) http://support.asus.com.tw/PowerSupplyCalculator/PSCalculator.aspx?SLanguage=de-de
2) http://www.be-quiet.net/be-quiet.net/index.php?StoryID=44&websiteLang=de
3) http://www.raptoxx.com/calculator.php   
4) http://www.extreme.outervision.com/psucalculatorlite.jsp
5) http://www.enermax.outervision.com/index.jsp ident mit Kalkulator unter 3
6) http://www.thermaltake.outervision.com/

Das fĂŒr die Ermittlung des Verbrauchs verwendete System besteht aus folgenden Komponenten:

GehÀuse: Lian Li PC-P50 schwarz
Netzteil: Seasonic X-Series Fanless X-460FL 460W ATX 2.3
Mainboard: Asus P8P67
CPU: Intel Core i5-2500K, boxed
Prozessor-KĂŒhler: Noctua NH-U12P SE2
RAM: G.Skill RipJaws-X Kit 8GB PC3-12800U CL9-9-9-24 (DDR3-1600) (F3-12800CL9D-8GBXL)
Grafik: MSI N460GTX Cyclone 1GD5/OC
Sound: Creative Sound Blaster X-Fi Titanium bulk
TV-Karte: FloppyDTV S2
Systemspeicher: Solidata K5 64GB SLC
Einbaurahmen: Sharkoon HDD Vibe-Fixer Pro
HD: Seagate SV35.5 1000GB (ST31000525SV), SATA II
Entkoppelungsrahmen: Sharkoon HDD Vibe-Fixer
Blu-ray-Combo: LG GGC-H20L retail
Multifunktionspanel: RaidSonic Icy Box IB-864-B
Einbaurahmen: Lian Li MF-515B
FrontlĂŒfter: Papst 4412F/2GLL, 120mm
HecklĂŒfter: Noiseblocker NB-Multiframe MF12-S1, 120mm
DeckellĂŒfter: Noiseblocker NB-BlackSilentPRO PK1, 140mm


1) Der Kalkulator von der Asus-Seite kennt noch nicht mal die GTX 560 Ti, und die ist
     immerhin schon einige Monate auf dem Markt. Auch die 6900er-Serie von AMD scheint
     nicht auf. Die Angabe eines Kartenlesers ist ebenfalls nicht möglich, andere Kalkulatoren
     sind da flexibler. LĂŒfter kann man nur nach der Anzahl eingeben, die GrĂ¶ĂŸe wird nicht
     unterschieden. Da ist es auch schon egal, dass die Angabe eines Blu-ray-Laufwerkes nicht
     möglich ist.

2) Bei be quiet kann man die Komponenten detailliert eingeben. Allerdings werden bei den
     LĂŒftern einfach bestimmte Konfigurationen vorgegeben. Die Unterteilung in LED, High
     Performance und RegulĂ€r mag ja ganz nett sein, nur kann man die LĂŒfter nicht einzeln nach
     GrĂ¶ĂŸe eingeben.  Das mag zwar nur geringe Differenzen beim Stromverbrauch ergeben,
     besonders sinnvoll finde ich die Einteilung in LĂŒfter-Kombinationen allerdings nicht.

3) Der Kalkulator von Raptox ist, mehr noch als der von Asus, leider hoffnungslos veraltet.
     Sandy-Bridge-CPUs, und natĂŒrlich auch die dazu passenden Mainboards, sucht man hier
     vergeblich. NVIDIA-Karten der GTX-500er-Reihe - Fehlanzeige. AMDs 6000er-Serie
     ist ebenfalls nicht angefĂŒhrt. Blu-ray-Laufwerke gibt es natĂŒrlich auch nicht.
     Interessanterweise gibt es eine Unterteilung in CPU- und GehĂ€uselĂŒfter.
     Statt nach der GrĂ¶ĂŸe zu unterscheiden wurden sie detailliert nach Hersteller und
     Modellnamen gelistet, was ich in diesem Fall nicht fĂŒr sinnvoll halte. Die Tabelle ist
     natĂŒrlich auch nicht mehr aktuell.

4) Fast brandaktuell ist die Software bei eXtreme outer vision. Abgegangen ist mir nur die
     relativ neue GTX 560 ohne dem KĂŒrzel Ti. Beim Prozessor kann man die Auslastung in
     Prozentwerten (50 bis 100%) der TDP angeben, die Voreinstellung betrĂ€gt 90%. FĂŒr die
     ĂŒbrigen Komponenten kann eine Auslastung von 60 bis 100% gewĂ€hlt werden.  ZusĂ€tzlich
     gibt es eine Einstellung ( bis zu 50%) die berĂŒcksichtigen soll, dass Komponenten einem
     Alterungsprozess, vor allem bei langanhaltendem Gebrauch, unterliegen.  In welcher
     Weise Alterung  tatsĂ€chlich den Stromverbrauch  erhöht vermag ich nicht zu beurteilen. 
     Anzahl und GrĂ¶ĂŸe der LĂŒfter können bei diesem Programm separat eingestellt werden.
     Fazit:

5 + 6) Bei Enermax und Thermaltake hatte ich ein Aha-Erlebnis. Hier wurde das Programm
           von eXtreme outer vision verwendet, es gilt also das Gleiche wie unter Punkt 4.

Im Endeffekt blieben mir also nur zwei Programme zur Ermittlung des Stromverbrauchs ĂŒbrig.

Bei be quiet habe ich die LĂŒfterkombination RegulĂ€r 4x 80 bis 120mm gewĂ€hlt. TatsĂ€chlich sind es drei 120- und ein 140mm-LĂŒfter. Nur ist das bei be quiet offenbar nicht vorgesehen.
Bei den USB-GerĂ€ten habe ich sechs StĂŒck angegeben. Übertaktung habe ich verneint, ebenso die Frage nach einem zukĂŒnftigen Ausbau des Rechners.
Es wurden mir Netzteile mit 480, 550 und 650 Watt empfohlen. Die Auslastung wurde mit 89, 78 und 66% (in der Reihenfolge der angefĂŒhrten Netzteile) angegeben.

Das Programm eXtreme outer vision erlaubt relativ flexible Einstellungen. Bei der CPU habe ich die Voreinstellung 90% der TDP ĂŒbernommen, ebenso die Systemauslastung mit 90%. Alterungsfaktor habe ich keinen gewĂ€hlt um eine bessere Vergleichbarkeit mit der Software von be quiet zu gewĂ€hrleisten. USB-GerĂ€te habe ich wieder sechs StĂŒck eingetragen. Die LĂŒfter konnte ich mit drei StĂŒck 120mm und einem mit 140mm exakt anfĂŒhren. Übertaktung habe ich wie bei be quiet keine angegeben.
Es wurde mir zu einem Netzteil mit mindestens 347 geraten, empfohlen wurde mir jedoch eines mit 397 Watt.

Habe ein TV-Programm am PC gestartet (Ton abgeschaltet), Core2MaxPerf auf drei Kernen laufen lassen und dann 3DMark11 Basic gestartet.
Mein EnergiemessgerĂ€t, ein Voltcraft Energie Monitor 3000 hat mir als Maximalverbrauch 263 Watt angezeigt. Die Scheinleistung betrug maximal 272 VA. Daraus konnte ich zwei SchlĂŒsse ziehen, entweder sind die Netzteil-Kalkulatoren zu nichts zu gebrauchen, oder mein EnergiemessgerĂ€t gehört auf den MĂŒll.
Um dies zu verifizieren, habe ich mal meine Schreibtischleuchte daran angeschlossen. Darin arbeitet nominell eine 35W-Lampe. In der Tat wird als Verbrauch 35W angezeigt. Schwankungen im Bereich von eingen Zehntel Watt sind wohl zu vernachlĂ€ssigen, sie treten in der Regel ohnedies nur fĂŒr kurze Zeit nach dem Einschalten auf.

Mein Fazit daraus lautet, dass Netzteilkalkulatoren ziemlich nutzlos sind. Am ehesten könnte man noch eXtreme outer vision als Anhaltspunkt benutzen. Aber selbst hier werden bei der minimalen Empfehlung noch 84 Watt Wirkleistung mehr angegeben. Wenn man die Scheinleistung berĂŒcksichtigt verringert sich die Differenz allerdings etwas.



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« Letzte Änderung: 11. Juli 2011, 11:03:53 von garfield36 »

Offline Peter

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Diskussion: Sinn oder Unsinn von Netzteil-Kalkulatoren
« Antwort #1 am: 08. Juli 2011, 13:23:26 »
Hier könnt ihr ĂŒber den Artikel "Sinn oder Unsinn von Netzteil-Kalkulatoren" diskutieren.



Super Zusammenfassung! Auf Ă€hnliche Dinge kam ich schon zum Start solcher Kalkulatoren, wobei ich sagen muss, dass ich die Firmen da ja ein wenig verstehe, denn immerhin wollen / mĂŒssen Sie einen gewissen Sicherheitsfaktor mit reinpacken und außerdem will man ja seine eigenen Produkte (wenn es denn ein NT-Hersteller ist) an den Mann bringen.

Das eXtreme outer vision hört sich aber doch schon recht umfangreich in seinen Optionsmöglichkeiten an und wenn ich mal so ĂŒber deine PC-Zusammenstellung drĂŒber schaue hĂ€tte ich jetzt aus dem Bauch heraus gesagt, dass du mit einem "guten" 350 Watt Netzteil aktueller Bauklassen klar kommen mĂŒsstest. Und da kann man sich dann wieder ĂŒber den Begriff "gut" streiten :)
« Letzte Änderung: 08. Juli 2011, 14:14:45 von Daniel »
Gruß

Peter

Offline BiTbUrGeR

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Re: Sinn oder Unsinn von Netzteil-Kalkulatoren
« Antwort #2 am: 10. Mai 2012, 07:41:10 »
Jo diese sind auch Unfug... ich komme fast ĂŒberall auf das Ergebnis von einer 800W PSU als empfohlen... mein System lĂ€uft aber mit ordentlichem OC auf einem bequiet 500W Netzteil und zieht nie mehr als 400 Watt bei absoluter Systemvollast mit sĂ€mtlichen Powerviren die man so kennt!