Nachrichten

Datenverlust durch virtuelles Dual-BIOS bei Gigabyte-Mainboards möglich

Mainboards | HT4U.net
Ist das BIOS eines Mainboards korrupt, so ist die Platine oftmals reif für die Tonne. Um diese Ausfallchance zu reduzieren, verfügen viele Mainboards von Gigabyte über die "Virtual Dual BIOS"-Funktion, die eine Kopie des BIOS auf der Festplatte anlegt. Dies geschieht allerdings nicht nur ungefragt sondern kann im schlimmsten Fall sogar zu Datenverlusten führen.

Mainboards mit der "Virtual Dual BIOS"-Funktion legen beim Start einen geschützten Bereich am Ende einer angeschlossenen Festplatte an. In diese 2113 Sektoren (ungefähr 1,1 Megabyte) große Host Protected Area (HPA) legt das BIOS anschließend eine Kopie ab. Sollte es bei einem Start zu einem Problem mit dem BIOS kommen, so versuchen diese Platinen die Kopie von der Festplatte wiederherzustellen um danach erfolgreich mit dem Boot-Vorgang fortfahren zu können.

Vor dem Anschluss an das EP45-UD3Nach dem Anschluss an das EP45-UD3
Bild: Datenverlust durch virtuelles Dual-BIOS bei Gigabyte-Mainboards möglich
Bild: Datenverlust durch virtuelles Dual-BIOS bei Gigabyte-Mainboards möglich

Problematisch hierbei ist das Anlegen des HPA und die Sicherung des BIOS. Auf beides hat der Nutzer keinen Einfluss, denn alles läuft automatisch im Hintergrund ohne jegliche Rückmeldung ab.

Schließt der Nutzer an betroffene Mainboards eine Festplatte an, welche Daten in den letzten Sektoren beinhaltet, so kann es vorkommen, dass das BIOS diese Daten ungefragt überschreibt. Problematisch sind ebenso Festplatten, die als dynamischer Datenträger, in einem RAID-Verbund oder mit einer GUID Partition Table (GPT) partitioniert wurden, denn dort liegen oftmals in den letzten Sektoren wichtige Partitionierungsinformationen.

Bild: Datenverlust durch virtuelles Dual-BIOS bei Gigabyte-Mainboards möglich

Macht man mit Hilfe eines Mainboards ohne diese Funktion die letzten Sektoren wieder zugänglich und liest diese anschließend mit einem Hex-Editor wie HxD aus, so finden sich in den letzten 2113 Sektoren diverse Einträge, die auf eine Kopie des BIOS hindeuten.

Bild: Datenverlust durch virtuelles Dual-BIOS bei Gigabyte-Mainboards möglich

Ist die Festplatte in den hinteren Bereichen leer, oder die Partitionierung wurde mit dem Windows-Setup oder dem Linux-Tool "fdisk" durchgeführt, so besteht keine Gefahr. Die beiden genannten Partitionierungs-Tools lassen am Ende jeder Festplatte einige Megabyte Platz, so dass es zu keinem Verlust durch die Kopie kommt.

Da außerdem nur eine mangelhafte Dokumentation der Funktion vorhanden ist, sind die genauen Konstellationen, unter welchen es zu einem Datenverlust kommt, noch nicht bekannt. Auf welche Laufwerke das BIOS ein Backup schreibt und wann dies genau geschieht ist also noch unklar.

Um herauszufinden ob eine Platine auch zu den Fraglichen gehört, genügt ein Blick in das Handbuch. Findet sich unter den Produkt-Spezifikationen in der Rubrik "Unique Features" der Punkt "Support for Virtual Dual BIOS", so gehört das Mainboard dazu.

Bis der Hersteller für dieses Problem eine Lösung veröffentlicht hat, sollten alle Anwender eine bereits in Nutzung befindliche Festplatte nur mit größter Sorgfalt und am besten mit einem zusätzlichen Backup an ein betroffenes Mainboard anschließen. Wünschenswert wäre es, dass der Hersteller hier zügig für alle Platinen ein BIOS-Update bereitstellt, welches die Problematik behebt.
[]







Stichworte zur Meldung: Mainboard Gigabyte Bios Datenverlust Backup Dualbios Festplatte