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Drum prüfe wer sich WLAN bindet - BGH mit Grundsatzurteil zu ungesicherten WLANs

Wirtschaft | HT4U.net
Es ist alles so einfach, vermittelt die Werbung, auch für den Laien. Internet ist simple und sofort einzurichten und sogar Boris ist schon drin. Bestellen, geliefert bekommen, und in Null-Komma-Nix ist es angeschlossen und funktioniert. Und wenn man die Stolpersteine der Sicherheit nicht beachtet, dann haftet man. Das hat der Bundesgerichtshof nun entschieden.

Voran gegangen war diesem Urteil ein WLAN-Betreiber, welcher sich nachweislich in Urlaub befand und seinen Router mit dem Standard-Passwort des Auslieferungszustandes betrieben hatte. Während seiner Abwesenheit kam es zu einem illegalen Tauschbörsen-Vorgang über sein drahtloses Funknetzwerk, nach welchem die Rechte-Inhaber eines Musiktitels sich bei ihm mit Schadenersatzforderungen meldeten. Danach durchlief der Beklagte alle Instanzen der deutschen Gerichtsbarkeit und bekam letzten Endes vom OLG gar recht. Der BGH hat das Berufungsurteil nun verworfen und den Beklagten für schuldig befunden – mehr oder minder die "im Verkehr gebotene Sorgfalt" außer Acht gelassen zu haben. Dieser Satz entspricht eher dem typischen Bereich des Betriebs eines Fahrrades oder Kraftfahrzeuges, zusammenfassend spiegelt er aber auch die Ansicht der obersten Richter hinsichtlich des Betriebes einen drahtlosen Netzwerks wieder.

Schuldig sehen die Richter den Beklagten darin, dass er die Werkseitigen Einstellungen seines Gerätes (WLAN-Router) nicht geändert habe. Hier hätte ein eigenes, sicheres Passwort erstellt werden müssen.


"Auch privaten Anschlussinhabern obliegt aber eine Pflicht zu prüfen, ob ihr WLAN-Anschluss durch angemessene Sicherungsmaßnahmen vor der Gefahr geschützt ist, von unberechtigten Dritten zur Begehung von Urheberrechtsverletzungen missbraucht zu werden."



Soviel zur beworbenen "Leichtigkeit des Seins" für Laien im Internet. Gewisse Maßstäbe werden damit auch an den absoluten Laien gelegt und erfordern damit, dass dieser sich gegebenenfalls mit einem "mittels Übersetzungstool" ins deutsche übersetzte Handbuch auseinandersetzt und dafür Sorge trägt, dass er ein "sicheres" Passwort verwendet. Es stellt sich natürlich die Frage, woher ein unversierter Anwender – gruppieren wir ihn einmal in eine Altersgruppe über 50 ein – überhaupt die Definition eines sicheren Passwortes wissen kann? Es stellt sich die Frage wieso solche Personen, welche bei ihren Schnurlos-Telefonen aus Discount-Märkten bislang noch immer das Herstellerpasswort "1111" oder "0000" oder "1234" verwenden, erahnen könnten, welche Gefahr sich für sie hinter einem solchen Passwort verbirgt.

Nun alles in allem ganz herzlos zeigten sich die Richter des BGH ja nicht. Zumindest gibt es keine Auflage für die Anwender, nachdem sie die Änderung in den vorgegebenen Einstellungen vorgenommen haben. Etwaig permanentes Suchen nach neuesten Verschlüsselungsmethoden, neuer Software für das heimische Gerät oder eine Überwachung entsprechend einschlägiger Beiträge, ob das Passwort denn noch sicher genug ist, sieht man als nicht zumutbar für Privatleute an. Wohl denn Mittelstand, prüfet ob ihr einen fähigen Netzwerkadministrator habt, denn Vollkaufleute oder kleine, mittelständische Unternehmen dürften von dieser Regelung dann erst einmal nicht betroffen sein.

Eine weitere Milde für den Beklagten in diesem Falle: Er wurde nicht zum Schadensersatz verurteilt, die Anwaltskosten und wohl auch die Gerichtskosten hat er dennoch zu tragen.

Öffentliche Aufklärung unsererseits hilft an solchen Stellen sicherlich wenig weiter. Entsprechende Personen lesen keine versierten Magazine, sie lesen meist noch nicht einmal die niveaulose Kost aus diesem Bereich und erfahren diesbezüglich keine entsprechende Aufklärung. Hier mag es dann allenfalls am jüngeren Umfeld dieser Personen liegen, für Aufklärung zu sorgen.
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Stichworte zur Meldung: Netzwerk Offenes Wlan Bgh Urteil