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GPU-Markt: Schaffen AMDs Polaris und NVIDIAs Pascal die Trendwende?

Grafik | HT4U.net
Der Markt für Grafikkarten ist im Jahr 2015 weiter geschrumpft und rutschte unter 30 Millionen Einheiten. AMD und seine Partner hat dieser Trend deutlich stärker getroffen als NVIDIA, doch im Juni könnte sich dies ändern: Pünktlich zur Computex in Taiwan wird AMDs neue GPU-Generation Polaris erwartet. Allerdings steht auch NVIDIAs Pascal in den Startlöchern.

Mit Polaris wird AMD die vierte Ausbaustufe der GCN-Architektur (Graphics Core Next) zünden. Die neuen GPUs werden im 14-nm-FinFET-Prozess produziert, was eine Halbierung der Strukturgröße bedeutet. Grund für diesen gewaltigen Schritt sind die Probleme des Auftragsfertigers "Taiwan Semiconductor Manufacturing Company" (TSMC), komplexe Grafikchips mit 20 nm zu fertigen. Dies bewegte AMD im Frühjahr 2015 dazu, 20 nm komplett zu überspringen und alles auf 14 nm zu setzen. Fertigungspartner für Polaris ist Globalfoundries, das Unternehmen hatte im Frühjahr 2014 eine Lizenz für Samsungs 14-nm-FinFET-Prozess erworben.

Abgesehen von einer deutlichen Steigerung der Energieeffizienz und einer höheren Grafikleistung verspricht Polaris schnelleren Speicher (HBM-Generation 2), moderne Schnittstellen wie HDMI 2.0a (bis zu 18 Gbit/s für 4.096 x 2.160 Pixel @ 60 Hz) und DisplayPort 1.3 (bis zu 32,4 Gbit/s für 5.120 x 2.880 Pixel @ 60 Hz), die Unterstützung von HDR-Bildschirmen (3.840 x 2.160 Bildpunkte mit 10 Bit Farbtiefe bei 60 Hz) sowie H.265-Endcoding und -Decoding in 4K-Qualität. Darüber hinaus sollen die neuen Grafikprozessoren für VR-Spiele optimiert sein.



NVIDIA hat mit Pascal ebenfalls ein neues Pferd im Stall, dessen offizielle Ankündigung vermutlich auf der GPU Technology Conference (GTC) 2016 im April stattfinden wird. Im Gegensatz zu AMD wird NVIDIA dem Auftragsfertiger TSMC die Treue halten und setzt auf dessen 16-nm-FinFET-Fertigung. Den Stapelspeicher und die einheitliche Speicheradressierung hat sich NVIDIA bei AMD abgeschaut, dazu kommt eine schnellere Anbindung zwischen Grafik- und Mikroprozessoren namens NVLink: Mit NVLink will NVIDIA die Bandbreite von 16 auf 80 GB/s anheben. NVIDIA packt die gesamte Grafikeinheit auf ein kompaktes Modul, welches nur ein Drittel der Größe aktueller PCIe-Grafikkarten aufweist.

Dank des Stapelspeichers (ebenfalls HBM-Generation 2) will NVIDIA die Speicherbandbreite im Vergleich zu Maxwell verdreifachen, die Rechenleistung mit einfacher Genauigkeit (FP32) und die Leistung pro Watt sollen sich verdoppeln. Eine weitere Neuerung von Pascal ist die Möglichkeit, Berechnungen mit halber Genauigkeit (FP16) durchzuführen. Dies ist für PC-Spiele, die FP32 benötigen, uninteressant, verspricht aber eine höhere Energieeffizienz für den Mobileinsatz.



Die Markteinführung für Pascal wird für das dritte Quartal 2016 erwartet, ähnlich sieht es bei Polaris aus. NVIDIA wird sich bei seinen neuen GPUs GeForce GTX 1080 und GTX 1070 zunächst auf anspruchsvolle Spieler konzentrieren, seitens AMD erwarten wir eine breite Offensive. Zudem könnte AMD die Computex im Juni nutzen, um seine ersten Produkte ein paar Wochen früher in den Handel zu bringen. Ob AMD und NVIDIA ihre Zeitpläne einhalten können, wird allerdings von ihren Fertigungspartnern und deren Chip-Ausbeute abhängen. Und hier hatten sich in der Vergangenheit sowohl TSMC als auch Globalfoundries schon einige Ausrutscher geleistet.

Doch zurück zum Jahr 2015: Der weltgrößte Grafikkartenhersteller Palit Microsystems mit Marken wie Palit und Galaxy konnte im vergangenen Jahr nur noch rund sieben Millionen Grafikkarten absetzen, ein Minus von zehn Prozent. ASUSTek Computer kam auf ca. 4,6 Millionen Einheiten und der chinesische Hersteller Colorful auf um die vier Millionen. Micro-Star International (MSI) konnte seine Verkaufszahlen um 15 Prozent auf 3,5 Millionen Grafikkarten steigern. Auch NVIDIAs enger Partner EVGA konnte zulegen, während Gigabyte einen kleinen Rückgang verkraften musste. Besonders dramatisch sollen die Einbrüche aber bei AMDs engen Partnern Sapphire und PowerColor gewesen sein. Sollte der Markt weiter schrumpfen, könnte dies für kleinere Hersteller das Aus bedeuten.

Autor: mid
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