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Abspaltung der Speichersparte zwecks Verkaufsabsichten

Toshiba möglicherweise bald raus aus dem SSD-Konkurrenzkampf

Storage & Speicher | HT4U.net
Am gestrigen Donnerstag hatten Toshibas Aktionäre grünes Licht für die Abspaltung der Speichersparte in ein eigenständiges Unternehmen namens "Toshiba Memory" gegeben, und heute liegt bereits das erste Angebot zum Kauf dieser Firma auf dem Tisch. Der amerikanische Chiphersteller Broadcom hat sich mit dem Private-Equity-Unternehmen Silver Lake Partners zusammengetan und wedelt mit 17,9 Milliarden US-Dollar.

Insgesamt soll es zehn Interessenten geben, die es insbesondere auf Toshibas Flash-Speicher abgesehen haben. In diesem Bereich sind die Japaner weltweit die Nummer 2 hinter Samsung und vor dem Festplattenspezialisten Western Digital, zu dem seit 2015 der Flash-Pionier SanDisk gehört. Auch Western Digital und Südkoreas Nummer 2 SK Hynix sollen an einem Kauf interessiert sein. Dies dürfte auch eine Erklärung für das überraschend hohe Angebot von Broadcom und Silver Lake sein, denn die meisten Analysten hatten mit weniger gerechnet. Silver Lake ist kein Unbekannter im Technologiebereich: Im Jahr 2013 hatte der Finanzinvestor Firmengründer Michael Dell dabei unterstützt, den Computerhersteller von der Börse zu nehmen und wieder in ein Privatunternehmen umzuwandeln. Seither hält Silver Lake eine Beteiligung an Dell.

"Toshiba Memory" wird neben dem Flash-Geschäft auch Toshibas DRAM- und SSD-Aktivitäten, nicht aber die Bildsensoren umfassen. Im Jahr 2015 erwirtschaftete die Speichersparte der Japaner einen Umsatz in Höhe von 845,6 Milliarden Yen (ca. 7,06 Milliarden Euro), und der operative Gewinn belief sich auf 110,0 Milliarden Yen (ca. 918,5 Millionen Euro). Die 2.000 Stammaktien, welche "Toshiba Memory" im Rahmen der Abspaltung herausgeben wird, gehen zunächst an den Mutterkonzern, dessen Stammkapital damit unverändert bleibt. Erklärtes Ziel der Abspaltung war von Anfang an der Verkauf der Speichersparte, denn Toshiba befindet sich in akuten Geldnöten. Nach einem gerade so überstandenen Bilanzskandal im Jahr 2014 hat die US-Atomsparte "Westinghouse Electric Company" die Japaner an den Rand der Pleite gezerrt.

Toshiba hatte Westinghouse im Februar 2006 für 5,4 Milliarden US-Dollar von "British Nuclear Fuels" (BNFL) gekauft und dabei auf den Bau neuer Atomkraftwerke spekuliert, doch die beiden 2008 gestarteten Bauprojekte Vogtle 3 und 4 im US-Bundesstaat Georgia und V.C. Summer 2 und 3 im US-Bundesstaat South Carolina werden einfach nicht fertig. In beiden Fällen sollen zwei neue Druckwasserreaktoren des Typs Westinghouse AP1000 mit einer Leistung von je 1,117 MWe in Betrieb genommen werden. Zunächst hatte die US-Atomaufsicht "Nuclear Regulatory Commission" (NRC) mehrfach Nachbesserungen im Hinblick auf die Reaktorsicherheit verlangt, dann folgten Probleme und Verzögerungen beim Bau. 2016 kaufte Westinghouse kurzerhand die ausführenden Baufirmen und hat dabei Milliarden in den Sand gesetzt. Am Mittwoch musste Westinghouse Gläubigerschutz beantragen.

Was letzten Endes aus Toshibas Speichersparte werden wir, bleibt abhängig vom Käufer. Damit gehen auch die OCZ-Produkte auf dem Markt in die Schwebe. Toshiba hatte OCZ als ehemailges Brand für High-End-Speicherprodukte übernommen. Aktuell vermarktet Toshiba unter dieser Marke seine Endkundenprodukte für den PC-Markt. Es darf davon ausgegangen werden, dass OCZ Teil dieser Abspaltung ist, und damit ist es derzeit auch ungewiss, wie es weiterhin um OCZ-Produkte stehen wird.

Autor: mid & pg
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