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Änderungen geplant

AMDs Grafikchef Koduri nimmt sich eine Auszeit

Grafik | HT4U.net
Das Vega-Grafikkartenprojekt war höchst anstrengend, was nun AMDs Chef der Radeon Technologies Group (RTG) dazu bewegt, sich eine Auszeit von drei Monaten zu nehmen und seiner Familie zu widmen. Dazu will Raja Koduri sich nach seiner Auszeit möglicherweise in der Firma neu ausrichten. Bis zu seiner Rückkehr übernimmt AMDs Geschäftsführerin Lisa Su die Leitung der RTG.

Wie von amerikanischen Internetseiten zu erfahren ist, hat Raja Koduri, Chef-Architekt der Vega-Grafikkarten-Architektur und Chef der Radeon Technologies Group, seine Mitarbeiter per E-Mail unterrichtet, dass er sich für drei Monate zurückziehen wird und erst im Dezember dieses Jahres seine Arbeit aufnehmen wird. Die Entwicklungsarbeit an Vega sei sehr anstrengend gewesen, und er möchte seine Zeit nun erst einmal der Familie widmen. Gleichzeitig kündigte er aber auch an, dass er Änderungen an seinem Fokus überdenkt und sich möglicherweise in der Firma neu ausrichten wird. Wie genau dies aussehen kann, ist bislang nicht bekannt. Es ist anzunehmen, dass Koduri schlicht etwas kürzer treten möchte.

Der lange Entwicklungsweg und das Marketing im Nacken

Seit vielen Monaten schon ließ AMD immer wieder die kommende Vega-Architektur durchs Marketing blitzen, schlicht um auf das kommende Produkt aufmerksam zu machen. AMD war es im Grafiksegment nicht mehr möglich, an die High-End-Produkte von NVIDIA anzuschließen. Die Radeon-RX-Grafikkarten der Reihen 400 und – neu aufgelegt – 500 konnten sich gerade einmal im Mainstream-Segment behaupten. Die Vorstellung von Radeon RX Vega 64 und 56 vor wenigen Wochen brachten dann aber nicht das erhoffte Lob und den Einschlag, welchen AMD sich erhofft hatte.

Während die Rückkehr im CPU-Markt über die Ryzen-Prozessoren höchst erfolgreich verlief, sah die Radeon-Vorstellung wieder einmal überhastet aus, und AMD konnte weder bei der Performance noch dem Energiebedarf wirklich glänzen. Darüber hinaus gesellten sich nicht fertige Treiber, schlechte Verfügbarkeit und eine komplett andere Preisgestaltung im Markt hinzu, als AMD dies über seine vorab kommunizierten Listenpreise angab. Das sorgte für Kritik, welcher Koduri mit etwas trotzigem Statement entgegentrat.

Hin und wieder zurück

Von der Firma S3 kommend, arbeitete Raja Koduri bereits in den Jahren 2001 bis 2009 bei AMD/ATI als Chief Technology Officer, um dann zum Unternehmen Apple als Leiter der Graphics Architecture zu wechseln. 2013 kehrte Koduri wieder zu AMD zurück und leitete von da an die Radeon Technologies Group. Unter seiner Leitung entstanden die Radeon-RX-200-Reihe sowie später folgend die Radeon R9 Fury X. Die Architekturänderungen und Entwicklungen für Radeon RX Vega entstammen seiner Feder, genau wie beispielsweise einst die Radeon 9700 (R300-Chip).

Déjà-vu

Leider verlief die Vorstellung der Radeon RX Vega 64 sehr ähnlich zu jener der Radeon RX Fury X. Das neue AMD-Flaggschiff war gerade einmal in der Lage, sich mit NVIDIAs Topmodellen im Performance-Bereich zu messen, aber die High-End-Modelle – damals GeForce GTX 980 Ti oder Titan X – waren nicht zu erreichen. Etwas schlechter sah der aktuelle Vergleich zur derzeitigen GeForce-Serie aus. Eine GeForce GTX 1080 konnte man unter Mühen bei der Leistungsaufnahme knapp überbieten, von einer GeForce GTX 1080 Ti zeigte man sich aber weit entfernt. Nach der langen, harten Entwicklungszeit und dem vermutlichen Druck seitens des Marketings und der Chefetage dürfte die nun eingefahrene Kritik wohl mit ein Grund für Raja Koduris Entscheidung sein.
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