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Die Großen bieten nicht immer das richtige Paket, die Kleinen aber auch nicht

Den richtigen Handyvertrag finden: Darauf sollten Sie achten

Mobile | HT4U.net
Die Auswahl an Smartphone-Tarifen ist heute unübersichtlich groß – wer sich nicht ständig mit der Thematik befasst, auswertet und abwägt, dem dürfte die Auswahl des passenden Tarifangebotes nicht leichtfallen. Nach welchen Kriterien sollte der Vertragsabschluss erfolgen, damit die benötigten Leistungen zu den bestmöglichen Konditionen genutzt werden können? Welcher ist der richtige Anbieter?

Telefonieverhalten entscheidet über sinnvolle Tarifleistungen

Zunächst einmal stellt sich die Frage nach dem persönlichen Nutzungsverhalten. Einige Anwender verwenden ein Smartphone kaum noch zum Telefonieren, Messenger haben diese Aufgabe in den letzten Jahren insbesondere bei den jüngeren Semestern übernommen. In diesem Zusammenhang sollte entschieden werden, welches Gesprächsvolumen im Vertrag enthalten sein sollte. Üblich sind heute, selbst bei günstigen Tarifen, sogenannte Freiminuten, die ohne zusätzliche Kosten in jedem Abrechnungsmonat verwendet werden können – zumeist auch in sämtliche Netze. Wer vorrangig die Datenoptionen nutzt und kaum telefoniert, dürfte also bei einem Vertrag mit Freiminuten durchaus glücklich werden.

Wer häufig und auch länger mit dem Smartphone telefoniert und womöglich kein Festnetztelefon mehr besitzt, sollte sich für eine sogenannte Allnet-Flat entscheiden. Dabei handelt es sich um eine Pauschale für unbegrenzte Telefonate in deutsche Mobilfunknetze sowie ins Festnetz. Viele Anbieter, auch weniger bekannte Marken, haben solche Tarife im Angebot.

Das richtige Netz: Vor dem Vertragsabschluss Verfügbarkeit prüfen

Der eben genannte "Anbieter" ist ein wesentliches Stichwort. Es finden sich inzwischen diverse Mobilfunkanbieter im Markt wieder, manche gar, von welchen man noch nie gehört hat. Dabei muss man aber festhalten, dass wir in Deutschland eben nur die drei Netze der großen Unternehmen Telefónica (E-Plus), Vodafone (D2) und Telekom (D1) kennen. Alle Anbieter im Markt setzen zwingend auf einen dieser drei Netzbetreiber in ihrem Angebot. Die internen Konditionen, welche die Firmen dann wiederum mit diesen Betreibern getroffen haben, werden öffentlich nicht kommuniziert.

Wer heute einen entsprechenden Vertrag abschließt, sollte auch darauf achten, dass der aktuelle Mobilfunkstandard LTE unterstützt wird. Das schnelle Datennetz der vierten Generation ermöglicht zügige Downloads und einen Empfang auch in den meisten ländlichen Gegenden. Abgesehen von der höheren Bandbreite ist auch die Latenz des Netzes geringer, was im Alltag zu einer deutlich schnelleren Reaktion und einem beschleunigten Seitenaufbau führt. Der Vorgänger UMTS, auch als 3G bezeichnet, verliert hingegen aufgrund von Umrüstungen auf LTE an Reichweite – und war hier ohnehin bisher im Nachteil. Die auch als 4G bezeichnete LTE-Technik setzt auf eine größere Frequenzbandbreite und ermöglicht deshalb einen stabileren Empfang, was sich insbesondere außerhalb von Ballungszentren zeigt.

Außerdem kann über das LTE-Netz telefoniert werden. Auch wenn sämtliche Netzbetreiber am Ausbau von 4G arbeiten, ist die Netzabdeckung noch nicht überall gleich stabil auf demselben Stand. Vor der Entscheidung für einen bestimmten Netzbetreiber sollte deshalb geprüft werden, ob die LTE-Verfügbarkeit am eigenen Wohnort gegeben ist.

Damit sind wir wieder beim Anbieter, denn ist die Netzabdeckung geklärt und das Wunschnetz gefunden, so stellt sich die Frage nach dem richtigen Anbieter. Spricht man mit den Hotlines der großen Anbieter Telekom, Telefónica oder Vodafone, hört man nicht selten die Argumente für deren höhere Preise, etwa dass man den kleineren Anbietern ja eben auch nicht die maximale Bandbreite des LTE-Netzes zur Verfügung stellt oder diese bei Auslastung grundsätzlich hinter den eigenen Netzen zurückstehen müssen. Da dürfte etwas dran sein. Wir können aus eigenen Überprüfungen zumindest feststellen, dass die Performance in einem E-Netz von o2 durchaus besser an verschiedenen Stellen erscheint als jene eines WinSim-Tarifs, der ebenfalls im E-Netz agiert. Müssten wir die Frage beantworten, ob dies auch die Preiszuschläge rechtfertigt, kämen wir sofort ins Straucheln!

Das richtige Datenvolumen-Paket und die Datenautomatik

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das nutzbare Highspeed-Volumen. Damit ist jenes Datenvolumen gemeint, welches in der vertraglich zugesicherten Geschwindigkeit übertragen werden kann, bevor es zu einer Drosselung kommt. Nach einer Drosselung wird die Geschwindigkeit für die Datenverbindungen derart herabgesetzt, dass ein Surfen im Internet beispielsweise nicht mehr sinnvoll möglich ist. Während die günstigen Tarife der großen Anbieter meist nur geringes Datenvolumen ab 200 MByte pro Monat bieten, sind die Angebote der meisten kleinen Anbieter klar höher.

Selbst die Nutzung seitens Schulanfängern, welche auch WhatsApp verwenden, stößt hier sofort an ihre Grenzen. Das Versenden und Empfangen von Bildern und Videos, auch in Schulgruppen, führen dazu, dass das geringe Datenvolumen aufgebraucht wird, bevor die Monatsmitte erreicht wird.

Preislich besser zeigen sich dann klar die Alternativen der günstigen Anbieter, findet man dort doch fast überwiegend 1 GB Datenvolumen mit Tendenz 2017 zu 2 oder gar 3 GB. 1-GB-Tarife sind für Einsteiger auch vollkommen ausreichend. Wer allerdings regelmäßig außerhalb eines WLANs im Internet surft oder Apps verwendet, die ein hohes Datenvolumen für sich beanspruchen, sollte auf mindestens 2 GB oder mehr setzen. Insbesondere das Streaming von Musik und Videos sorgt für einen hohen Datendurchsatz, Messenger fallen hingegen kaum ins Gewicht.

Einige Tarife enthalten auch eine sogenannte Datenautomatik, bei der nach dem Verbrauch des Highspeed-Volumens automatisch neues Volumen nachgebucht wird – natürlich kostenpflichtig. Diese Datenautomatik ist ein heftiger Dorn im Auge von Verbraucherzentralen, da der Kunde hier schnell den Überblick über seine tatsächlichen Kosten verliert. Sich über diesen Umstand zu informieren, erscheint also sehr wichtig!

Vertragslaufzeit und subventionierte Geräte

Weiterhin sind die meisten Tarife zusammen mit einem Smartphone erhältlich, welches dann subventioniert abgegeben wird. Wer ein hochwertiges Gerät möchte, aber die Kosten für die einmalige Anschaffung scheut, sollte sich vielleicht für ein solches Angebot entscheiden.

Insgesamt günstiger ist es aber zumeist, wenn Handyvertrag und Smartphone getrennt angeschafft werden. Ein 100-Euro-Smartphone auf Amazon mit einem 10-Euro-Vertrag kommt sicherlich günstiger als eine Option über die Angebote der Anbieter. Wer hier clever recherchiert und eventuell auch mit einem gebrauchten, überarbeiteten Smartphone leben kann, könnte durchaus ein Schnäppchen machen*.

Unterschiede gibt es aber auch bei der Vertragslaufzeit. Eine Mindestlaufzeit von 24 Monaten gilt aktuell bei den meisten Anbietern noch als Standard, immer häufiger finden sich aber auch Angebote, die sich monatlich kündigen lassen, dafür wenige Euro teurer sind. Prinzipiell ist gegen eine Vertragslaufzeit allerdings nichts auszusetzen, üblicherweise erlauben die Anbieter auch innerhalb der Laufzeit eine Anpassung der Tarifleistungen – zumindest, wenn diese Anpassung eine Erweiterung der Inklusivleistungen bedeutet.

Die Großen sind immer zu teuer? Vielleicht auch nicht!

Wer in Vertragsverhältnissen steht, der kennt die üblichen Anrufe vier bis fünf Monate vor Ablauf, denn eines ist eben gesetzt: 24 Monate im Mobilfunkmarkt sind eine lange Zeit. In aller Regel buchen die Hotlines der großen Anbieter einen dann gleich in einen besseren Tarif, aber eben bei gleichem Preis. Bei den kleinen Anbietern erfolgt eine Vertragsverlängerung dann ohnehin zum gleichen Preis, mit eben besseren Konditionen. Hier liegen zwischen Klein (beispielsweise WinSim) und Groß (eben o2) aber eben eklatante Preisunterschiede vor.

Der entsprechende Tarif bei beiden Anbietern unterscheidet sich im dreifachen Preis*. Hartes Verhandeln und eine ausgesprochene Kündigung können hier unter Umständen Wunder bewirken! Der Autor dieser Zeilen ist nun wieder mit einem Zwei-Jahres-Vertrag bei o2 "geknebelt", allerdings mit einer All-Net-Flat und einem Datenvolumen-Tarif von 3 GByte für lediglich 10 Euro, statt 28 Euro zuvor, und damit inklusive des Services der großen Anbieter.

Service wird kleingeschrieben im Preiskampf

Während Telekom, Telefónica und Vodafone ihren Kunden häufig noch deutlichen Service bieten, darf man bei den kleineren Anbietern damit nicht rechnen. Das Abschließen eines neuen Vertrages über das Telefon ist natürlich auch dort möglich. Vertragserweiterungen ebenfalls, aber Kündigungen beispielsweise als Schmerzpunkt Nummer 1 für alle Anbieter sind bei den Kleinen nur über schriftliche Wege möglich. Bei Telefónica (o2) ist dies gar auch telefonisch möglich – man muss allerdings schon suchen. Die Anbieter wissen um den Umstand, dass die Kunden sich zwischenzeitlich von der Thematik Papier getrennt haben. Aber auch bei den großen Anbietern ist Vorsicht geboten, denn gerne sind die Mitarbeiter in der Hotline nicht gut geschult und sprechen von einer Kündigungsfrist von einem Monat, während auf dem Papier dann von drei Monataten die Rede ist – Absicht oder Schulungsfehler?
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