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Ryzen 5 2400G und Ryzen 3 2200G

AMDs Raven Ridge schlägt sich in Tests sehr gut

Prozessoren | HT4U.net
Die ersten Desktop-APUs der Baureihe "Raven Ridge" werden seit gestern verkauft, und inzwischen sind auch erste Testberichte verfügbar. Diese zeigen, dass Ryzen 5 2400G (Listenpreis: 169 US-Dollar) und Ryzen 3 2200G (Listenpreis: 99 US-Dollar) im Hinblick auf ihre Grafikleistung erstaunlich eng beisammen liegen.

Überraschung bei der Grafikleistung

Dies überrascht, denn die iGPU des Ryzen 5 2400G umfasst elf Compute-Einheiten (704 Shader), welche mit bis zu 1,25 GHz takten, während die acht Compute-Einheiten (512 Shader) des Ryzen 3 2200G mit maximal 1,10 GHz arbeiten. Auf dem Papier bedeutet dies 1.760 GFLOPS zu 1.126 GFLOPS und somit eine theoretische Mehrleistung von 56 Prozent, welche der Ryzen 5 2400G aber nie einlösen kann. Dafür kann es zwei Gründe geben: Entweder hat AMD seine Grafiktreiber noch nicht optimiert oder die Speicheranbindung bremst die stärkere iGPU aus.

Die Speicherfrage

Idealerweise werden die Raven-Ridge-APUs mit zwei DDR4-2933-Modulen kombiniert. Der Einsatz schnellerer Speicherriegel verspricht zwar mehr Leistung, doch dies fällt in den Bereich der Übertaktung, und derzeit scheint es dafür noch keinen allzu großen Spielraum zu geben. Die meisten Tester hatten oberhalb von DDR4-3400 mit Stabilitätsproblemen zu kämpfen. Auf der anderen Seite verzeichneten sie bei Verwendung von DDR4-2666 auch keine dramatischen Defizite. Doch egal wie man es dreht und wendet, an die Grafikleistung einer GeForce GT 1030 (Straßenpreis ab 68 Euro) kommt die Vega-iGPU nicht heran.

Rechenleistung, Einsatzgebiete und Straßenpreise

Hinsichtlich der Rechenleistung wirft der Ryzen 5 2400G neben einem um 100 bis 200 MHz höheren Takt auch Simultaneous Multithreading (SMT) in die Waagschale und kann sich deutlich vom Ryzen 3 2200G absetzen. Das hat allerdings seinen Preis: In Preisvergleichen finden wir den Ryzen 3 2200G derzeit ab 96 Euro, während man für einen vorrätigen Ryzen 5 2400G mindestens 165 Euro auf den Tisch legen muss. Für den Büroeinsatz und Multimedia-Arbeiten sind beide APUs geeignet, während man beim Spielen deutliche Abstriche machen muss.

Übersicht:

Die Raven-Bridge-APUs für Desktop-Systeme und ihre Vorgänger
  • Ryzen 5 2400G (CPU: 4 Kerne/8 Threads @ 3,6 bis 3,9 GHz, 2+4 MiB Cache; GPU: 11 Compute-Einheiten @ 1,25 GHz; 45 bis 65 Watt): 169 US-Dollar (neu)
  • Ryzen 5 1400 (CPU: 4 Kerne/8 Threads @ 3,2 bis 3,4 GHz, 2+8 MiB Cache; keine GPU; 65 Watt): 169 US-Dollar (alt)
  • Ryzen 3 2200G (CPU: 4 Kerne/4 Threads @ 3,5 bis 3,7 GHz, 2+4 MiB Cache; GPU: 8 Compute-Einheiten @ 1,10 GHz; 45 bis 65 Watt): 99 US-Dollar (neu)
  • Ryzen 3 1200 (CPU: 4 Kerne/4 Threads @ 3,1 bis 3,4 GHz, 2+8 MiB Cache; keine GPU; 65 Watt): 109 US-Dollar (alt)

Die Temperaturfrage

AMD hat den CPU-Deckel (Heatspreader) bei den Raven-Ridge-APUs nicht verlötet, sondern den Zwischenraum mit Wärmeleitpaste überbrückt. Dies ist kostengünstiger, behindert aber die Wärmeableitung. Angesichts einer TDP von 65 Watt, die sich zudem auf 45 Watt drosseln lässt, sollte dies kein großes Problem darstellen, doch einige Tester berichten von sehr hohen Temperaturen. Um diese zu verstehen, müssen wir allerdings etwas ausholen und auf die Angaben Tctl, Tcase und Tdie eingehen.

Das Kürzel Tctl steht für die Kerntemperatur ("Core Temperature"), welche AMD mit Sensoren im Inneren der CPU ermittelt. Die Tctl ist allerdings ein abstrakter Wert, welcher nicht so einfach in Grad Celsius übertragen werden kann. Sinn der Tctl ist die Überprüfung, ob der Prozessor seine maximale Betriebstemperatur überschritten hat oder nicht. Ist die Tctl zu hoch, taktet der Prozessor zu seinem eigenen Schutz herunter.

Der zweite Wert heißt Tcase und repräsentiert eigentlich die Oberflächentemperatur des CPU-Deckels (Heatspreader). Im Gegensatz zur Tctl haben wir es hierbei mit einem echten Temperaturwert in Grad Celsius zu tun, doch die Tcase kann nur mit Fühlern im Boden des CPU-Kühlers ausgelesen werden und wird daher auch nur bei der Entwicklung einer CPU ermittelt, um die Kühllösung angemessen dimensionieren zu können. CPU-Hersteller geben für ihre Produkte eine maximal zulässige Tcase an.

Mit Tdie gibt es noch einen dritten Wert, welcher beim Ryzen zum Einsatz kommt. Tdie entspricht dabei der Tctl abzüglich eines Korrekturwerts (Tctl_offset), welcher die Temperaturspitzen abpuffert und den X-Modellen einen zusätzlichen Spielraum von 20 Grad verschafft. Dieser Spielraum wird für den XFR-Modus ("Extended Frequency Range") benötigt, welcher höhere Taktraten erlaubt, zugleich aber auch höhere Anforderungen an die Kühlung stellt. Letzteres kommt bei Raven Ridge allerdings nicht zum Einsatz.

Die angetroffenen höheren Temperaturen sind hier dem Wraith-Cooler und der eingesetzten Wärmeleitpaste geschuldet. Unsere eigenen Tests sind praktisch abgeschlossen, und wir können unter Kühlung mit einem Noctua-Modell keine solchen Probleme verzeichnen. Unser eigener Test folgt in Kürze. Bis dahin findet man eine schöne Zusammenfassung beispielsweise hier bei Golem.

Autor: mid
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