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Sorgten nur Gerüchte und Mutmaßungen für das Ende?

NVIDIA beendet das GeForce Partner Program (GPP)

Grafik | HT4U.net
Am 18. April 2018 hatte ASUS angekündigt, seine Gaming-Grafikkarten mit AMD-GPU zukünftig nur noch unter dem Markennamen "AREZ" zu verkaufen. Der Verzicht auf den eigenen starken Markennamen sorgte bei vielen Kunden für Verwunderung, doch die Ursache war weder bei ASUS noch bei AMD zu finden, sondern in NVIDIAs "GeForce Partner Program". Und das ist jetzt tot und begraben.

NVIDIA hatte sein "GeForce Partner Program" (GPP) am 1. März 2018 angekündigt. Es versprach mehr Transparenz im Interesse der Käufer und einen schnelleren Zugriff auf die neuesten Innovationen für die GPP-Partner. In seiner Ankündigung betonte NVIDIA zudem, dass GPP-Partner auch weiterhin Grafiklösungen anderer Hersteller verkaufen und bewerben dürfen. Das klingt erst einmal harmlos, doch ein kleines, aber wichtiges Detail hatte NVIDIA unterschlagen: Die GPP-Partner mussten ihre Gaming-Marke exklusiv auf GeForce-Produkte ausrichten! Kyle Bennett von HardOCP machte diese Klausel publik und lieferte damit die Erklärung für die Geburt von "AREZ".

Viele Käufer waren der Ansicht, dass NVIDIA den Bogen diesmal überspannte, und es hagelte massiv Kritik. NVIDIA verwies bei Anfragen ausschließlich auf seinen Blog-Beitrag und ging nie auf Details ein. Nun reagiert der Hersteller verstimmt über die Kritik und begräbt sein "GeForce Partner Program" nach nur zwei Monaten. Die Schuld sieht man aber nicht bei sich selbst, sondern bei den Fake News:
    "A lot has been said recently about our GeForce Partner Program. The rumors, conjecture and mistruths go far beyond its intent. Rather than battling misinformation, we have decided to cancel the program."

Übersetzung: "In letzter Zeit wurde viel über unser GeForce-Partnerprogramm gesagt. Die Gerüchte, Mutmaßungen und Vermutungen gingen dabei weit über dessen Ziel hinaus. Doch statt diese Unwahrheiten zu bekämpfen, haben wir beschlossen, das Programm zu beenden."

NVIDIA bestreitet übrigens gar nicht, dass man die Gaming-Marken exlusiv an die GeForce-Produkte binden wollte. Stattdessen erklärt der GPU-Hersteller, man hätte die "kristallklaren" Vorgaben zum Branding einzig im Interesse der Kunden gemacht. Diese hält man offenbar für derart beschränkt, dass sie ihre Grafikkarten nur nach Marken kaufen, ohne einen Blick auf die technische Ausstattung oder das Logo des GPU-Herstellers zu werfen:
    "So, the GPU brand should be clearly transparent – no substitute GPUs hidden behind a pile of techno-jargon."

Übersetzung: "Damit die GPU-Marke klar erkennbar ist und keine Ersatz-GPU hinter einem Haufen Technik-Kauderwelsch versteckt wird."

Eine recht abfällige, aber auch aufschlussreiche Formulierung in Richtung der Mitbewerber, die NVIDIAs Verbitterung erkennen lässt. Denn solche Ersatz-GPUs wären die Grafiklösungen von AMD und Intel, welche – ganz unabhängig von deren technischen Eigenschaften – NVIDIAs Ansprüchen schon deswegen nicht genügen, weil sie kein Geld in die eigene Kasse spülen. Eventuell sollte NVIDIA seinen Slogan in "The way it's meant to be paid" abändern. Was bleibt, ist ein peinlicher Rückzieher ohne jegliche Einsicht.

Für die Partner, welche wie ASUS bereits erste Schritte eingeleitet haben, ist dies umso bitterer, denn aus dem Zwang geboren hat man viel Geld in Umstrukturierungen und neues Marketing gesetzt. Gigabyte und MSI dürften bereits auf den gleichen Pfaden gewandelt sein. Wie letzten Endes nun alles intern geregelt wird, muss die Zukunft zeigen.

Autor: mid
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