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Karge Informationen, hohe Preise

NVIDIA stellt die GeForce-RTX-20-Grafikkartenreihe vor

Grafik | HT4U.net
GTX ist Schnee von gestern. Mit RTX will NVIDIA den "heiligen Gral" erfunden haben, welcher "das goldene Zeitalter des Gamings" einläutet. Raytracing heißt das neue Zauberwort, und dieses soll insbesondere NVIDIAs Finanzen vergolden. Im Vergleich zur Vorgängergeneration "Pascal" startet "Turing" nämlich mit einem happigen Aufschlag.

NVIDIA testet die Preis-Schmerzgrenze aus

NVIDIAs CEO und Gründer Huang freut sich über Preise, die "bei gerade einmal 499 US-Dollar beginnen". Dafür gibt es eine Partnerkarte auf Basis des neuen Einstiegsmodells GeForce RTX 2070, die "Founders Edition" kostet 599 US-Dollar bzw. 639 Euro. Als NVIDIA deren Vorgänger GeForce GTX 1070 am 10. Juni 2016 auf den Markt brachte, waren die Partnerkarten ab 379 US-Dollar zu haben, und die "Founders Edition" wurde für 449 US-Dollar verkauft. Der Aufschlag für die RTX-Klasse liegt damit bei 120 bzw. 150 US-Dollar. Selbst die seit dem 2. November 2017 erhältliche GeForce GTX 1070 Ti hatte nur 449 US-Dollar auf ihrem Preisschild.

Für eine GeForce RTX 2080 "Founders Edition" veranschlagt NVIDIA stolze 799 US-Dollar bzw. 849 Euro. Partnerkarten sollen ab 699 US-Dollar über den Ladentisch gehen. Beide Varianten sind damit um 100 US-Dollar teurer als die GeForce GTX 1080 bei ihrer Markteinführung am 27. Mai 2016. Bei der Pascal-Generation musste man bis zum 10. März 2017 auf die GeForce 1080 Ti warten, diesmal gibt es dieses Flaggschiff sofort. Allerdings nicht für 699 US-Dollar, sondern erst ab 999 US-Dollar – ein Aufpreis von sage und schreibe 300 US-Dollar! Wer sich für die "Founders Edition" entscheidet, muss sogar 1.199 US-Dollar bzw. 1.259 Euro auf den Tisch legen.

Allerdings erwarten die Kunden natürlich, dass eine RTX 1070 nun letztlich auf das Leistungsniveau einer GeForce GTX 1080* rückt. Nur blieb NVIDIA bei seiner Vorstellung genau diesen Punkt schuldig. Zur reinen Spiele-Performance stellte man keine Vergleiche an.

Was man für sein Geld bekommt
NVIDIA stattet die GeForce RTX 2080 Ti mit 4.352 CUDA-Recheneinheiten aus, die mit 1.350 bis 1.545 MHz takten. Der "Founders Edition" gesteht man eine Übertaktung auf 1.635 MHz zu. Im Vergleich zur GeForce GTX 1080 Ti (3.584 CUDA-Kerne; 1.480 bis 1.582 MHz) ist die Zahl der Rechenwerke um 21 Prozent gestiegen, doch der Basistakt wurde um knapp 9 Prozent reduziert. Die maximale Boost-Stufe der GTX 1080 Ti liegt zwischen den beiden Varianten der GeForce RTX 2080 Ti. Der RTX 2080 Ti stehen 11 GiB GDDR6-Speicher zur Seite. Bei der GTX 1080 Ti gab es ebenfalls 11 GiB, allerdings als GDDR5X. Die Anbindung des Grafikspeichers ist in beiden Fällen 352 Bit breit, doch der maximale Datendurchsatz steigt um 27 Prozent von 484 auf 616 GB/s. Beim Stromverbrauch liegen beide Generationen mit 250 Watt gleichauf, lediglich die "Founders Edition" darf sich 10 Watt mehr genehmigen.

Bei der GeForce RTX 2080 sind 2.944 CUDA-Kerne aktiv, immerhin 15 Prozent mehr als bei der GeForce GTX 1080 (2.560 Kerne). Die Chips takten mit 1.515 MHz und dürfen bis auf 1.710 MHz (Founders Edition: 1.800 MHz) beschleunigen. Im Vergleich zur GTX 1080 (1.607 bis 1.733 MHz) wurde der Basistakt um knapp sechs Prozent abgesenkt, der Boost-Takt liegt abermals zwischen den beiden Nachfolgervarianten. Der Speicherausbau verharrt auf 8 GiB, und auch die Anbindung zeigt sich mit 256 Bit unverändert. Dank des Wechsels von GDDR5X zu GDDR6 steigt der Speicherdurchsatz dennoch um 27 Prozent von 352 auf 448 GB/s, wobei wir uns bei der Pascal-Karte auf die Überarbeitung vom 28. Februar 2017 beziehen. Die erste Generation der GeForce GTX 1080 hatte nur 320 GB/s zu bieten. Ebenfalls gestiegen ist aber der Stromverbrauch, und zwar um 19 bis 25 Prozent (GTX 1080: 180 Watt; RTX 2080: 215 Watt; RTX 2080 FE: 225 Watt).

Das Einstiegsmodell GeForce RTX 2070 bietet 2.304 CUDA-Einheiten, die mit 1.410 bis 1.620 MHz (Founders Edition: 1.710 MHz) laufen. Verglichen mit der GeForce GTX 1070 (1.920 CUDA-Kerne) ist die Zahl der Recheneinheiten um 20 Prozent gestiegen, bleibt aber unterhalb der GeForce GTX 1070 Ti (2.432 CUDA-Kerne). Der Basistakt des Chips liegt um gut sechs Prozent unter dem der GeForce GTX 1070 (1.506 MHz). Ziehen wir die GeForce GTX 1070 Ti (1.607 MHz) heran, sind es sogar über zwölf Prozent weniger. Auch der Boost-Takt bleibt um 63 MHz unter dem der Pascal-Modelle. Ihren großen Trumpf spielt die GeForce RTX 2070 beim Speicher aus: Es gibt weiterhin 8 GiB mit einer 256 Bit breiten Anbindung, doch der Wechsel von GDDR5 zu GDDR6 lässt den Durchsatz um 75 Prozent von 256 auf 448 GB/s anschwellen. Bleibt noch der Stromverbrauch, der um 25 Watt auf 175 Watt (Founders Edition: 185 Watt) gestiegen ist.

Geheimwaffe Raytracing
Nachdem wir die Pascal-Generation für unsere VR-Brillen und 4K-Bildschirme kaufen mussten, zwingt uns nun Raytracing zur Neuanschaffung. NVIDIAs Presseabteilung kriegt sich gar nicht mehr ein: Die Turing-GPUs sind "der größte Durchbruch im PC-Gaming seit über einem Jahrzehnt", "ein Wendepunkt", "der Beginn eines neuen, goldenen Gaming-Zeitalters" und der "heilige Gral der Computergrafik", dank dem "Spiele niemals mehr dasselbe sein werden". Uns wurde erst heute bewusst, mit welch Demut und Bescheidenheit Apple seine Neuheiten ankündigt! Doch was ist Raytracing eigentlich? Ein Algorithmus, der den Verlauf von Lichtstrahlen (rays) verfolgt (traced). Bei der Berechnung von 3D-Szenen gibt Raytracing Auskunft über die Sichtbarkeit von Objekten sowie den Fall von Licht und Schatten. Bei ausreichender Genauigkeit können die Ergebnisse fotorealistisch sein, doch die Berechnungen sind sehr aufwendig.

Traditionell kommt Raytracing dort zum Einsatz, wo es auf eine maximale Qualität der Darstellung ankommt. Computerspiele arbeiten indes mit vereinfachten 3D-Modellen (Rasterization), da hier die Geschwindigkeit an erster Stelle steht. Und genau diese Unterscheidung will NVIDIA nun aufbrechen und verspricht mit Turing Raytracing in Echtzeit. Die vergleichsweise kleinen Sprünge bei der Zahl den CUDA-Einheiten und dem Speicherdurchsatz würden hier nicht ausreichen, daher hat NVIDIA neue Recheneinheiten eingeführt, die "Raytracing Cores" (RT) und die "Tensor Cores". Im Zusammenspiel sollen diese beim Raytracing um den Faktor 6 schneller rechnen, als die Pascal-Chips. Dabei nutzt NVIDIA sein hauseigenes "RTX Framework" sowie die Software-Schnittstelle DXR von Microsoft. Doch selbst mit der sechsfachen Leistung wäre die RTX-Serie niemals in der Lage, qualitativ hochwertiges Raytracing in Echtzeit zu bewerkstelligen. Und daher nutzt NVIDIA einen Trick.

Statt komplett von Rasterization auf Raytracing umzustellen, mischt NVIDIA beides zu "Hybrid Graphics" – ein sehr unglücklich gewählter Begriff, denn dieser wird bereits für Computersysteme verwendet, die lastabhängig zwischen einer integrierten Grafikeinheit im Prozessor oder Chipsatz und einem diskreten Grafikprozessor wechseln können. Beim Rendering reduziert "Hybrid Graphics" den Einsatz des Raytracings auf einzelne Aspekte, welche die Bildqualität merklich aufwerten, ohne dass die Rechenlast aus dem Ruder läuft. Auf diese Weise lassen sich beispielsweise realistische Schatten abbilden oder naturgetreue Lichtreflexionen erzeugen. Um die Leistungsfähigkeit bei "Hybrid Graphics" darzustellen, hat NVIDIA eine neue Maßeinheit erfunden: die RTX-OPS. Eine GeForce RTX 2080 Ti bringt es auf 10 GigaRays/s sowie 78.000 RTX-OPS, die GeForce RTX 2080 ist mit 8 GigaRays/s und 60.000 RTX-OPS spezifiziert, und die GeForce RTX 2070 leistet 6 GigaRays/s sowie 45.000 RTX-OPS.

Aber es gibt auch ein Problem: Man kann aktuellen Spielen kein Raytracing überstülpen wie einen neuen Filter zur Kantenglättung. Stattdessen müssen die Entwickler ihre Titel speziell anpassen. Als Betriebssystem wird zwingend Windows 10 mit DirectX Raytracing (DXR) für DirectX 12 benötigt. Passende Spiele sind derzeit noch nicht erhältlich, doch bis Weihnachten sollen 20 Titel mit RTX-Unterstützung auf den Markt kommen, darunter "Battlefield V" und "Shadow of the Tomb Raider". Doch obwohl das Futter für die Turing-Karten noch fehlt, ist die "Founders Edition" der GeForce RTX 2070 bereits ausverkauft. Im Handel sollen die neuen Grafikkarten ab dem 20. September 2018 zu finden sein, wobei NVIDIA für die RTX 2070 noch kein konkretes Datum genannt hat. Unabhängige Leistungsmessungen gibt es noch nicht, daher kaufen Vorbesteller mal wieder die Katze im Sack.

Autor: mid
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