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Intels Angriff auf den Grafikkartenmarkt für Spieler soll wohl 2020 erfolgen

Grafik | HT4U.net
Seit Jahren dominiert NVIDIA den Markt für leistungsstarke Grafikkarten und lässt uns Konsumenten dies auch zunehmend spüren. Die Preise der frisch vorgestellten Turing-Generation bzw. GeForce RTX starten erst bei 539 Euro, und für eine GeForce RTX 2080 Ti Founders Edition muss man sogar 1.259 Euro auf den Tisch legen. Was fehlt, sind konkurrenzfähige Alternativen.

AMD: Gaming noch im Fokus?
Da wäre natürlich AMD, doch die letzten Generationen des einzigen Mitbewerbers patzten ausgerechnet in der wichtigsten Disziplin: dem Gaming. Die Vega-Architektur konnte nur bei wissenschaftlichen Anwendungen und dem Schürfen von Kryptowährungen punkten, was AMD eine ordentliche Nachfrage, zugleich aber auch frustrierte Gamer bescherte. Selbst wenn man zu einer in Spielen nominell unterlegenen Grafikkarte auf AMD-Basis greifen wollte, war deren Straßenpreis so hoch und die Verfügbarkeit so gering, dass man am Ende doch wieder ein Produkt von NVIDIA kaufen musste. Und AMD hat noch ein ganz anderes Problem: Der langjährige Grafikchef Raja Koduri wurde im November 2017 von Intel abgeworben und dort zum Senior Vice President der neu gegründeten "Core and Visual Computing Group" ernannt.

Intel: Historisch ein Versager ...
Was uns zum Marktführer in der Sparte PC-Grafik bringt, dessen integrierte Grafiklösungen zum Spielen nicht viel taugen. Zuletzt hatte Intel im Jahr 1998 eine diskrete Grafiklösung auf den Markt gebracht. Der Chip namens i740 stammte von der Firma Real3D, einer Tochter des US-amerikanischen Rüstungskonzerns Lockheed Martin. Der i740 nutzte die AGP-Schnittstelle und sollte sich mit NVIDIAs Riva 128 und dem Voodoo2 von 3DFX messen. Aufgrund sehr langsamer Texturzugriffe gelang dies mehr schlecht als recht, und ein Jahr später wurde NVIDIAs Riva TNT zum Sargnagel des i740, der nach nur 18 Monaten sang- und klanglos wieder verschwand. Trotzdem kaufte Intel Real3D und integrierte deren Grafiklösungen in seine Chipsätze und später in seine Prozessoren.

... aber mit großen Plänen
Doch Grafikprozessoren sind längst zu universellen Co-Prozessoren geworden, deren Rechenleistung die Superrechner früherer Jahre locker in den Schatten stellt. NVIDIA hat mit seinen Tesla-Modellen gezeigt, dass moderne Superrechner eine hohe GPU-Leistung benötigen und man damit viel Geld verdienen kann. Geld, das Intel gern in der eigenen Kasse sehen würde. Die 2017 gegründete "Core and Visual Computing Group" soll solche GPUs für komplexe Simulationen sowie den Einsatz im Bereich der künstlichen Intelligenz entwickeln und bis zum Jahr 2020 zur Marktreife bringen. Zuletzt hatte Intel mehrfach angedeutet, auch Produkte für den Endkundenmarkt zu planen. Diese sollen Bereiche wie Gaming und virtuelle Realität bedienen. Nach elf Jahren würden NVIDIA und AMD wieder Konkurrenz bekommen.

VIA und SiS hatten sich verhoben
Nach dem Niedergang von Matrox, dem nie der Sprung auf den 3D-Zug gelungen war, hatten sich S3 Graphics und XGI an Grafikkarten versucht. S3 Graphics, eine Tochter des taiwanischen CPU- und Chipsatzherstellers VIA, konnte zwischen 2003 und 2009 einige Achtungserfolge vorweisen und hatte mit MultiChrome sogar eine Alternative zu SLI und Crossfire entwickelt. Am Markt blieben die Chrome-Karten von S3 allerdings ein Exot. XGI, eine Tochter des taiwanischen Chipsatzherstellers SiS, hatte sich die Grafikveteranen von Trident Microsystems einverleibt. Im Jahr 2003 verkündete XGI, man wolle binnen fünf Jahren Marktführer werden. Doch die Volari-Serie war einfach nur schlecht, weshalb SiS die verantwortlichen Entwicklungsabteilungen schon 2006 an ATi verkaufte. Nur vier Monate später verkündete AMD die Übernahme von ATi.

Ein erster Blick
Ein Bild, welches aus einem Video von Intels Grafiksparte stammt, lässt kaum die Frage offen, um was es geht. Es zeigt das Rendering eines Objektes, das an eine Grafikkarte erinnert. Der Film bekräftigt, dass Intel im Jahr 2020 seine erste diskrete Grafiklösung auf den Markt bringen will. Man arbeite tagtäglich mit Millionen von Entwicklern zusammen und werde keinen Pixel zurücklassen. Zudem betont Intel seine Expertise im Bereich der PC-Grafik: Man habe als Erster DirectX 12 vollständig unterstützt und konnte als Erster 4K-Videos von Netflix abspielen. Ob das reicht, um NVIDIA herauszufordern, scheint allerdings fraglich. Schließlich hat NVIDIA gerade "den größten Durchbruch im PC-Gaming seit über einem Jahrzehnt", "einen Wendepunkt", "den Beginn eines neuen, goldenen Gaming-Zeitalters" und den "heiligen Gral der Computergrafik" vorgestellt. Mehr Wettbewerb wäre dennoch wünschenswert, und so müssen wir Intel wohl die Daumen drücken, dass der Ausflug in die GPU-Entwicklung erfolgreicher verläuft, als die Eroberung der Smartphones und Tablets.

Autor: mid
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