Nachrichten

Druck durch US-Regierung

Google bricht mit Huawei (Update)

Mobile | HT4U.net
Im ersten Quartal 2019 hatte der chinesische Hersteller Huawei weltweit 59,1 Millionen Smartphones verkauft und damit sein Vorjahresergebnis um mehr als 50 Prozent gesteigert. Mit einem Marktanteil von 19,0 Prozent (Quelle: IDC) ist Huawei bis auf 4,1 Prozent an den Marktführer Samsung herangerückt und hat Apple (11,7%) weit hinter sich gelassen. Doch nun bricht Google seine Geschäftsbeziehungen zu Huawei ab, was auch für Smartphone-Besitzer konkrete Folgen hat.

Trumps Krieg gegen Huawei und China

Am 15. Mai 2019 hatte US-Präsident Donald J. Trump eine Exekutivverordnung erlassen, welche einen "nationalen Notstand" im Bereich der "Informations- und Kommunikationstechnologien oder -diensten" bewältigen soll. Obwohl nicht namentlich erwähnt, zielt Trump mit dieser Verordnung auf China und insbesondere auf Huawei. Die US-Regierung und US-Geheimdienste werfen Huawei vor, von der chinesischen Regierung kontrolliert zu werden. Das Unternehmen soll im Auftrags China spionieren und hierfür auch Hintertüren in seinen Produkte einbauen.

Obwohl bisher kein Beweis für diese Behauptungen vorgelegt wurde, schließt die US-Regierung Huawei vom Netzausbau in den Vereinigten Staaten aus und übt starken Druck auf andere Länder aus, ihrem Beispiel zu folgen. So hatte Richard Grenell, Botschafter der USA in Deutschland, bereits am 7. März 2019 einen Brief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) geschickt, in dem er unverhohlen droht, die Weitergabe sicherheitsrelevanter Informationen einzustellen, falls Huawei am Aufbau des deutschen 5G-Netzes beteiligt werde. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte diesen undiplomatischen US-Vorstoß energisch kritisiert.

Es geht nicht nur um den Netzausbau

Hinsichtlich der trumpschen Notstandsverordnung hatten Wirtschaftsexperten und Politiker bisher nur Huaweis Rolle als Telekommunikationsausrüster im Fokus. Fest steht: Wer die Kommunikationsnetze kontrolliert, hat informationstechnisch und auch militärisch einen großen Vorteil. Dies gilt natürlich auch für US-amerikanische Telekommunikationsausrüster, in deren Produkten man bereits staatlich implementierte Überwachungsvorrichtungen gefunden hat. Diese hatten IBM, Cisco und Co allerdings nicht selbst eingebaut, stattdessen hatten die US-Geheimdienste Lieferungen der Hersteller abgefangen und für ihre Zwecke nachgerüstet.

Doch Trumps Telekommunikationsnotstand reicht viel weiter: Er umfasst ganz allgemein "Informations- und Kommunikationstechnologie und -dienste" und stellt dabei die gesamte Produktionskette vom Entwurf über die Entwicklung bis zur Herstellung und Lieferung unter Generalverdacht, sofern ein Teil dieser Kette der "Gerichtsbarkeit oder Weisung ausländischer Gegner" unterstehe. In einer globalen Wirtschaft betrifft dies praktisch alle IT- und Kommunikationsgeräte sowie alle damit genutzten Dienste. Letztendlich kann Trump damit jedes Gerät und jeden Dienst zum Sicherheitsrisiko erklären und US-Unternehmen wie Apple, Google, Facebook und Microsoft die weitere Zusammenarbeit untersagen.

Huawei ist das erste Opfer

Ganz oben auf Trumps schwarzer Liste stehen die Produkte von Huawei und zwar alle, also auch die Smartphones sowie die Tochtermarke Honor. Und dies betrifft nicht nur Kunden aus den USA, die die neusten Huawei-Geräte nicht mehr kaufen können, sondern auch den Rest der Welt. Denn Google und seine Dachgesellschaft Alphabet, welche mit Android das weltweit führende Betriebssystem für Mobilgeräte kontrollieren und dessen Entwicklung steuern, haben ihren Sitz in den USA und unterstehen US-amerikanischen Recht.

Wenn Trumpzilla schreit, haben sie zu gehorchen, und das bedeutet die Geschäftsbeziehungen zu Huawei abzubrechen. Zunächst hatte die Nachrichtenagentur Reuters gemeldet, dass Google seine Zusammenarbeit mit Huawei aufgrund der Notstandsverordnung einstellen wird. Dieser Schritt gilt nicht nur für die Entwicklung neuer Geräte, sondern auch für neue Android-Versionen sowie Googles Dienste. Eine Bestätigung seitens Google findet sich auf Twitter:
    "For Huawei users' questions regarding our steps to comply w/ the recent US government actions: We assure you while we are complying with all US gov't requirements, services like Google Play & security from Google Play Protect will keep functioning on your existing Huawei device."

Einzig der App-Store "Google Play" und die Sicherheitsprüfung "Google Play Protect" soll Huawei-Käufern auch zukünftig zur Verfügung stehen. Zudem kann den Chinesen niemand verbieten, sich beim quelloffenen "Android Open Source Project" zu bedienen. Ob Google den Zugriff auf Dienste wie Gmail und Google Maps streichen wird, ist noch unklar. Für Huawei ist dies ein herber Rückschlag, denn wer kauft ein Smartphone, dessen Software-Fundament auf solch unsicherem Grund steht? Das Unternehmensziel, bis Ende 2019 zum Weltmarktführer bei Smartphones zu werden, dürfte damit abgehakt sein.

Erschwerend kommt hinzu, dass es praktisch keine Alternativen zu Android gibt. Huawei arbeitet zwar seit längerer Zeit an einem eigenen Mobilsystem, doch dieses dürfte noch lange nicht praxistauglich und zudem stark auf den chinesischen Markt zugeschnitten sein. Somit bleiben nur das quelloffene Android-Derivat LineageOS sowie der finnische Außenseiter SailfishOS als Alternativen.

Auch Infineon kappt Zusammenarbeit

Doch selbst mit neuer Software würde Huawei in stürmische Gewässer segeln, da der US-Bann auch schon erste Auswirkungen bei den Zulieferern zeigt. So berichtet das japanische Wirtschaftsportal Nikkei Asian Review, dass der deutsche Chiphersteller Infineon Technologies als Reaktion auf die US-Notstandsverordnung alle Lieferungen an Huawei eingestellt hat. Offenbar befürchtet Infineon Repressionen von Seiten der USA, denn obwohl sich der Firmensitz des Unternehmens in Deutschland befindet, produziert man seine Chips mit US-amerikanischer Technologie.

Nach US-amerikanischer Rechtsauffassung reicht dies aus, um Handelsbeschränkungen, welche von den USA verhängt wurden, unterworfen zu sein. Gegenüber Nikkei erklärten die anonymen Quellen, dass Infineons Lieferstopp vorläufig sei. Offenbar will das Unternehmen die Lage zunächst rechtlich prüfen lassen, wobei Rechtssicherheit alleine nicht ausreichen wird. Infineon muss klären, wie stark man von US-amerikanischer Technologie und US-amerikanischen Kunden abhängig ist, denn der Zorn eines Präsidenten Trump kann auch eine deutsche Firma treffen.

Update 22.05.2019: Zu unserer ursprünglichen Meldung vom 20. Mai 2019 gibt es weitere interessante Entwicklungen, denn unter anderem hatten über die letzten beiden Tage auch die Firmen Broadcom, Cypress, Lumentum, Micron, Microsoft, Intel, Qualcomm und Xilinx die Zusammenarbeit mit Huawei aufgekündigt. Nun scheint es schon fast nicht mehr schlimmer zu gehen, versetzt möglicherweise ARM der chinesischen Firma den Todesstoß.

Obwohl der Firmensitz des CPU-Entwicklers ARM in England liegt, hat das Unternehmen seine Mitarbeiter angewiesen, jegliche Kommunikation mit Huawei einzustellen. In einem internen Dokument, welches der altehrwürdigen BBC vorliegt, heißt es, dass der sofortige Stopp für "alle aktiven Verträge, Support-Ansprüche und ausstehenden Verpflichtungen" gelte, da Teile der eigenen CPU-Designs Technologie aus den USA nutzen.

Dies dürfte der bisher schwerste Schlag für Huawei sein, denn praktisch alle aktuellen Smartphone-Prozessoren basieren auf Designs von ARM – auch jene, die die Chinesen selbst entwickelt haben. Mit dem Verlust der ARM-Lizenz benötigt Huawei nicht nur ein neues Betriebssystem, sondern auch eine neue CPU-Architektur wie MIPS (seit Anfang 2019 unter Open-Source-Lizenz), RISC-V (BSD-Lizenz) oder OpenRISC (GNU General Public License). Während eine alternative Android-Version durchaus binnen weniger Monate zur Marktreife gebracht werden könnte, dauert die Entwicklung einer neuen CPU mehrere Jahre.

USA gewähren Huawei eine Gnadenfrist

Das US-Handelsministerium hat Huawei und seinen 68 Tochterfirmen eine 90-tägige Gnadenfrist gewährt. Bis zum 19. August 2019 darf das chinesische Unternehmen bereits existierende Netze und Systeme betreiben, warten und Software- sowie Sicherheits-Updates einspielen. Auch Smartphones, die bis zum 16. Mai 2019 verkauft wurden, dürfen in dieser Zeit noch mit Updates versorgt werden. Kurios mutet derweil an, dass Sicherheitsforscher mit Sitz in den USA Huawei nur noch bis zum Stichtag über Sicherheitslücken informieren dürfen. Und selbst einige für die Standardisierung des Funkstandards 5G zuständigen Gremien müssen ihren Zusammenarbeit mit Huawei zum 19. August 2019 einstellen, da sie ihren Sitz in den USA haben.

Autor: mid
[]







Stichworte zur Meldung: Stopp Supportende Huawei Google Us-regierung Druck