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Internes Schreiben geleakt

Konkurrenzdruck durch AMD war für Intel nie größer

Prozessoren | HT4U.net
Am 7.7. wird AMD das 7-nm-Zeitalter für seine Prozessoren einläuten und den stark verbesserten Ryzen 3000 mit bis zu zwölf Kernen in den Handel bringen. Parallel dazu werden die ersten Grafikkarten auf Basis der 7-nm-GPU Navi 10 starten. Für September ist zudem die Desktop-CPU Ryzen 9 3950X mit 16 Kernen angekündigt. Intel bleibt da offenbar nicht mehr übrig, als dem kleineren Mitbewerber Respekt zu Zollen.

Diese Aufgabe übernahm Walden Kirsch, der Chefredakteur des Intel-internen Nachrichtenportals "Circuit News". Kirschs Beitrag war natürlich intern, fand aber schließlich seinen Weg zu reddit. Dabei unterstreicht er, dass AMDs Hochleistungsprozessoren nicht nur für Intels PC-Sparte, sondern auch für das lukrative Server-Geschäft eine direkte Herausforderung darstellen:
    "AMD offers high performance CPUs, posing direct competition to Intel in both our core client and datacenter CPU businesses."

Insbesondere die neuen CPUs auf Basis der in vielen Punkten verbesserten "Zen 2"-Architektur (Desktop: Codename "Matisse", Produktname "Ryzen 3000"; Server: Codename "Rome", Produktname "Epyc 2") werden die Situation laut Kirsch weiter verschärfen und den Druck auf Intel erhöhen, insbesondere bei den Servern:


"AMD's upcoming next-generation Zen-core products, codenamed Rome for servers and Matisse for desktop, will intensify our desktop and especially server competition. The latter is likely to be the most intense in about a decade."


Kirsch erwartet, dass die 9. Core-Generation von Intel bei vielen Spielen sowie Anwendungen ohne allzu viele Threads die Nase vorne behalten wird, doch bei anspruchsvollen Aufgaben mit vielen Threads werden sich Intels Chips den Zen-2-Herausforderern vermutlich geschlagen geben müssen:


"Intel 9th Gen Core processors are likely to lead AMD's Ryzen-based products on lightly threaded productivity benchmarks as well as many gaming benchmarks. For multi-threaded workloads, such as heavy content creation workloads, AMD's Matisse is expected to lead."


Als strategisch kluge Entscheidung bewertet Kirsch AMDs Aufteilung der CPU in mehrere Chiplets, welche sich in unterschiedlichen Strukturgrößen produzieren lassen. Dank der 7-nm-Fertigung von TSMC konnte AMD den Stromverbrauch seiner CPU-Kerne stark senken, so dass 16 CPU-Kerne und 72 MiB Cache nicht mehr als 105 Watt Abwärme erzeugen. Speicher-Controller und PCI-Express 4.0 sitzen derweil auf einen weiteren Chiplet, welches mit Strukturgrößen von 14 nm bei Globalfoundries vom Band läuft.


"TSMC offers an advantage in terms of process node advancements. They're using their 7nm process, and with that they get a per-core frequency bump and lower power, which means they can scale to more cores per processor."


Intels Desktop-CPUs werden derweil seit Broadwell (2015) mit 14-nm-Strukturen produziert, da sich der Schritt auf 10 nm mehrfach verzögert hatte. Und auch in diesem Jahr wird Intel 10 nm nur für besonders stromsparende Mobilprozessoren (Codename: Ice Lake-U) einführen. Damit ergibt sich für Intel ein großes Problem: AMD wird mehr Leistung zu einem signifikant niedrigeren Preis bieten können:


"Therefore, on workloads that are heavily threaded, including heavy content creation and most server workloads, they'll get great performance results. And on price, we expect their pricing to be significantly below ours."


Bis zu diesem Punkt ließe sich der Beitrag in Anführungszeichen gepackt in eine Werbebroschüre von AMD übernehmen. Doch dann erklärt Walden Kirsch, wie Intels Mitarbeiter die eigenen Produkte angesichts eines derart herausfordernden Umfelds anpreisen sollten. So müssten die Käufer von AMD-basierten Workstations und Servern möglicherweise zusätzliche Validierungen durchführen und aufgrund der größeren Zahl an Rechenkernen auch höhere Lizenzgebühren für ihre Software bezahlen. Man darf gespannt sein, ob Intel dieses Argument jemals gegen die eigenen Produkte ins Feld führt, wenn man selbst wieder in der Lage sein wird, die Kernzahl weiter anzuheben. Weiterhin preist Kirsch Intels breitere Preispalette, die am unteren Ende AMDs Einstiegsmodelle unterbiete, während die eigenen Flaggschiffe teurer seien. In dieser Preisrechnung bleibt der Faktor Leistung allerdings unberücksichtigt.

Neun Tage vor der Markteinführung seiner neuen Prozessoren hätte sich AMD keine bessere Werbung wünschen können!

Autor: mid
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