Athlon 64 Kühlerroundup

Spezifikationen und Empfehlungen

Grundlegend gilt es natürlich bei Prozessor-Herstellern zu beachten, dass man Spezifikationen, aber eben auch nur Empfehlungen ausspricht. In gewissen Punkten vertritt der Hersteller also die Ansicht, dass es zwingende Punkte gibt, die Dritthersteller einzuhalten haben, in anderen Bereichen jedoch gibt man Herstellern, z.B. aus dem Gehäuse- oder Kühlersegment, eben nur Empfehlungen an die Hand. Beides darf in gewisser Form als Alibi-Aktion betrachtet werden.

Wenn ein Kühlerhersteller also in gewissen Punkten der Ansicht ist, dass er etwas besser lösen könnte, als es die Empfehlungen hergeben, so darf er dies tun. Geht es schief, wäscht sich der CPU-Hersteller die Hände natürlich in Unschuld, was letztlich natürlich nur Rechtens ist. Doch würde sich jeder an die Empfehlungen halten, gäbe es heute beispielsweise weder Thermalright noch Zalman im Kühlersegment.


AMD Vorgaben / Empfehlungen für Athlon 64 und Opteron
TCase_max Temperatur 62 - 70°C
Minimum Kontaktfläche Kühler-CPU (ACPU) 1400 mm²
Maximale Kühlerabmessungen (L x B x H) 77 x 68 x 60 mm
Maximales Kühlergewicht (mHS)
450 g
Klammeranpressdruck (FCLIP)
60 - 90 Pfund
Kabellänge Lüfter
200 mm
Maximale Lüfteransaugtemperatur (TAmbient) 42°C
Maximale Lautstärke Lüfter (LPA) 32 - 38 db(A)


Gerade AMDs Vorgaben und Empfehlungen wurden in der Vergangenheit eher karg gehalten und in einigen Fällen weniger beachtet. Denken wir an die Sockel A Zeit zurück, so traf man im Bereich "Thermal-Design" nicht selten Kühler an, welche teils derbe entgegen dieser Spezifikationen oder Empfehlungen standen. Mit dem Opteron und dem Athlon 64 hat sich, zumindest nach unserem Eindruck, ein wenig was geändert.

Eine heute bei Prozessoren interessante Thematik ist die Lüfteransaugtemperatur. Während Intel hier bei ihren aktuellen Prescott-Modellen die strikte Vorgabe von maximalen 38°C ausweißt, lautet dieser Punkt bei AMD noch auf 42°C. Man mag an dieser Stelle allerdings nicht vergessen, dass es nicht der Heimanwender ist, welcher diese Punkte kennt und umzusetzen versucht. Nein, eigentlich richten sich die Vorgaben und Empfehlungen praktisch ausschließlich an die Dritthersteller - die Partner der Prozessor-Produzenten - welche einen Anhaltspunkt benötigen.

Fast kein Endanwender liest sich die Spezifikationen durch, wozu auch? Doch der Hersteller eines Gehäuses oder der Hersteller eines Kühlers braucht eben einen Anhaltspunkt, nach welchem er sein Produkt entwirft und entwickelt. Und hier ist es einem solchen Hersteller eben nicht hilfreich, wenn er für jeden einzelnen Prozessor einen Wert pro Produkt genannt bekommt. Er benötigt eine Richtung, nach welcher er entwickeln kann.

Und nachdem Intel schon seit längerem TCase praktiziert, so gibt es diese Wertigkeit mit Einführung des jüngsten Athlon 64 auf Sockel 939 ebenfalls - zu Recht wie wir finden.


TCase und TDP

Ist man sich einmal im Klaren darüber, wie sehr eine fehlerhafte BIOS-Version, ein schlechter LPC (für Montoring-Funktionen verantwortlich) oder gar das schlechte Routing eines solchen Chips sich auf die Auswertungen von Kühlerherstellern auswirken können, so sollte jedem schnell klar werden, dass Kühler-Produzent "X" nicht wirklich nach einem Monitoring Tool à la MBM, SpeedFan oder ähnlich, seine Entwicklungen betreiben kann, hat er denn beispielsweise vom PC-Hersteller "Y" den Auftrag 100.000 Stück A64-Kühler zu liefern.

Daher hatte Intel schon vor Jahren die Wertigkeit "TCase" eingeführt und nennt bei seinen Prozessoren auch nur noch diesen Temperaturwert, welcher absolut nichts mit der Kerntemperatur der Prozessoren zu tun hat und damit prinzipiell auch irrelevant für alle Endkunden (und Presse) wurde. AMD folgte diesem Beispiel seit Einführung von Opteron und Athlon 64. Wenn also die TCase-Temp nicht die Kerntemperatur ist, was ist sie dann? Sie ist die Temperatur, welche mittels eines feinen, externen Fühlers an der Oberseite des IHS (Integrated Heat Spreaders) des Prozessors, und zwar mittig ermittelt, abzunehmen ist.


Athlon 64 Kühlerroundup


Weiterhin wird die TCase max Angabe nur zu oft mit der maximalen Kerntemperatur bei Endanwendern verwechselt. TCase entspricht also definitiv nicht der Kerntemperatur und liegt sicherlich deutlich darunter (Monitoring-Tools versuchen in heutigen Systemen die Kerntemperatur auszulesen). Doch dies ist nicht der einzige Wert, welcher der Industrie von den Prozessor-Herstellern zur Verfügung gestellt wird. Da gibt es eben noch die Nennung des Wertes TDP.



Artikel Index: