Leistungsaufnahme von Pentium 4 Sockel 775 Prozessoren

Praxis: Leistungsaufnahme

Nach der Formel Leistung (Watt) = Strom (Ampere) x Spannung (Volt) errechnet sich die Leistungsaufnahme der Prozessoren - und die beiden notwendigen Faktoren zur Berechnung haben wir gerade zuvor aufgezeigt. Das es dabei durchaus von Bedeutung ist, dass man das Derating der Spannungswandler und die daher verminderte CPU-Spannung unter Last erkennt und korrekt ermittelt, das dürfte nun auf der Hand liegen.


Leistungsaufnahme von Pentium 4 Sockel 775 Prozessoren


Wunderbar lässt sich aus dieser Tabelle ableiten, weshalb wir auf die ersten Prescott-Modelle - hier im D0-Stepping aus Juni 2004 - schimpften. Mit einer ermittelten maximalen Stromaufnahme von runden 78 Ampere im Lastbetrieb und unverschämten runden 30 Ampere im Idle-Betrieb stellt dieser frühe Testprozessor alles in den Schatten, was sich ansonsten im Testfeld bewegte und belegt hinsichtlich dieses Stromflusses, warum das Modell so schwer zu kühlen war. Doch verglichen mit der Leistungsaufnahme, zeigt sich dabei dieser Kandidat noch nicht einmal über die Maßen auffällig. Man reiht sich mit ca. 5 Watt Mehrleistung nur knapp über dem Pentium 4 570J ein.

Bleiben wir beim Pentium 4 570J mit seinen 3,8 GHz und dem E0-Stepping. Diese CPU dürfte vermutlich einer der ersten Prozessoren mit dem E0-Stepping darstellen, während der Pentium 4 3,73 GHz EE wohl unseren jüngsten Testkandidaten aus dieser Gattung darstellt. Hier hat sich dann im unmittelbaren Vergleich kaum etwas bewegt. Auf der Intel Testplattform liegen beide Kandidaten unter Last bei runden 83 Watt - doch im Idle-Mode punktet beim 570J das C1E Feature, welches auf dem Papier dem 3,73EE zwar ebenfalls zustünde, in der Praxis allerdings nicht zum Einsatz kommt. Und so verlangt sich der 3,73 EE im Ruhezustand auf dem Windows-Desktop unverschämte 34 Watt, während es runde 20 Watt beim P4 570J sind.

Aber zurück zum Maximalwert: Die D0-Prozessoren werden seitens Intel schon eine Weile nicht mehr gefertigt und unserer Information nach seit Januar 2005 nicht mehr ausgeliefert - sie stellen das Extrem dar, welches an vielen Stellen verurteilt wurde. Dennoch bleibt auch dieser Prozessor, auch auf dem "schlechtesten" Testkandidaten im Testfeld, noch immer deutlich unter seiner maximalen TDP-Angabe von 115 Watt.

Nehmen wir uns den aktuellen Pentium 4 660, so wird auch dieser Prozessortyp mit einer TDP von 115 Watt genannt, überschreitet aber auf dem Intel Desktop-Board die 80 Watt nicht und gönnt sich auf dem ABIT Testkandidaten 86 Watt. Durch die Bank lassen sich also ausreichend große Toleranzzuschläge auf die TDP-Angabe erblicken - ganz wie bei AMD Athlon 64 Prozessoren angetroffen.

Doch was haben wir nun erfahren? Dass alles nur halb so heiß gegessen wird, wie man es kocht? Klar, doch was bedeutet denn diese Zahl nun schlussendlich für die Praxis? Erstmal nur ein Fingerzeig: Vom Prozessor aus ist es schlicht und ergreifend nicht möglich auf eine Gesamtleistungsaufnahme eines Systems zu schließen. Dies wollen wir an nachstehendem Beispiel erläutern:


Leistungsaufnahme von Pentium 4 Sockel 775 Prozessoren


Diesen Athlon 64 3500+ haben wir mit einer Leistungsaufnahme von runden 60 Watt vermessen, den Pentium 4 570J auf dieser Plattform mit runden 83 Watt. Und obgleich hier 23 Watt Differenz zwischen den Prozessoren vorliegen, verpuffen diese schon auf 11 Watt im vorstehenden Vergleich, wobei sich die Systeme, abgesehen vom Speicher, ansonsten in nichts unterschieden hatten.

Wesentlich wichtig für das Thema Stromverbrauch - bzw. Energiesparen, ist die vernünftige Auswahl der einzelnen Komponenten. Letztlich kann sich z.B. ein zu groß gewähltes Netzteil, auf Grund seines bei schwacher Auslastung niedrigen Wirkungsgrades derart gefräßig zeigen, dass es jede Einsparung an anderer Stelle zerstört. Diese Netzteile finden sich im übrigen vielfach im PC wieder. Auch die Spannungsversorgung eines Motherboards darf man als Netzteil bezeichnen und je nach Umsetzung, kann diese einen Wirkungsgrad von 85 bis 50% besitzen, wobei die Wandler der von uns vermessenen Boards i.d.R. 80% schon erreichten - exemplarisch muss dies jedoch nicht sein.

Und so könnte man sich auch mittels Notebook-Prozessoren und dazu passenden Desktop-Motherboards ein System zusammenstellen - doch wenn man bei der Komponentenauswahl "Pech" hat, bleibt das ökologisch so hehre Ziel der Energieersparnis letztlich nur ein Wunschtraum.

Zurück zu unserem Beispiel: 11 Watt Leistungsunterschied ermittelten wir zuvor. Was bedeutet dies für die Stromrechnung? Schwer zu sagen, denn man kann grundlegend das Anwenderverhalten nicht wirklich abschätzen oder darlegen. Gehen wir vom Worst Case - vom schlimmsten Fall - aus, nämlich einem 24 / 7 Betrieb unter Volllast.

Aus diesem Beispiel würde sich für das Intel System ein Mehrverbrauch von 264 Watt unter Last und Dauerbetrieb pro Tag und somit 96.360 Watt im Jahr - damit 96,36 KWh errechnen. Legt man zu Grunde, dass je nach Bundesland und Gemeinde, die Kilowatt Stromstunde mit zwischen 0,15 und 0,20 Euro berechnet wird, würden sich damit aufs Jahr gesehen Mehrkosten von bis zu 19,27 Euro einstellen.



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