AMD64 goes DDR2 – Athlon 64 FX-62

Fazit

AMDs CPUs sind in der Welt von DDR2 angekommen. Unsere Benchmarkserien zeigen, dass unter dem Strich DDR2-800 notwendig ist, um minimale Leistungsgewinne gegenüber der etablierten Sockel 939-Plattform zu erzielen. Auf DDR2-667 gedrosselt ist die Leistung gerade mühsam auf dem Niveau von DDR400 der bisherigen Plattformen und auch nur auf diesem Segment stellt sich etwa Gleichstand bei den Speicherpreisen ein. DDR2-800 Modelle liegen in aller Regel gleich 30 Euro und mehr über den Preisen von DDR400 oder DDR2-667 bei einem Gigabyte Speicher.

Trotz nominell verdoppelter Speicherbandbreite bei DDR2-800 bleibt in der Praxis also nicht viel übrig. Wie kann das sein? AMDs bisheriger Speichercontroller in der K8-Architektur zeichnete sich durch eine hervorragende Effizienz aus. Egal, womit man nachmisst ergeben sich von keiner anderen Plattform erreichte real verfügbare Bandbreiten. Doch AMDs Speichercontroller lebt von kurzen Latenzzeiten. Wie wir seinerzeit bei der Vorstellung von DDR2, muss DDR2 gerade hier hinter gewöhnlichem DDR zurückstecken, was schon bei Intel-Chipsätzen dazu führte, dass mit DDR2 kaum Leistungsgewinne zu erzielen waren. Für AMD bedeutet dies, dass eine CPU mit DDR2-Speichercontroller an Effizienz verliert. In der Praxis des wstream Benchmarks kam AMD mit DDR2-800 damit gerade einmal an die Marke heran, die Intels Chipsätze trotz des Flaschenhalses FSB ihren CPUs mit DDR2-667 bieten können.

Da die restlichen Einheiten im Athlon 64 quasi unverändert vom Vorgänger übernommen wurden, bedeutet dies am Ende gerade einmal die gesehenen marginalen Vorteile. Dies dürfte letztlich auch AMD erkannt haben und behielt bei gleicher Prozessortaktfrequenz zum bisherigen Sockel 939 auch die Modellnummernvergabe beim AM2-Sockel bei, obgleich in vereinzelten Applikationen durchaus auch einmal einige Prozentpunkte mehr durch DDR2-800 erreicht werden können. Damit nimmt AMD gleich vorweg Angriffsfläche vorweg, ein ungerechtfertigtes Modell-Rating zu fahren und das empfinden wir durchaus als löblich.


AMD64 goes DDR2 – Athlon 64 FX-62


Warum hat AMD der Welt denn dann überhaupt diesen Wechsel, der neue Mainboards, neue CPU-Formfaktoren und neuen Speicher bedeutet, beschert? Die Antwort ist ganz einfach. Neben den sich stetig nach unten bewegenden Preisen für DDR2-Speichermodule kann AMD nur auf diese Weise weiter nach oben skalieren. Die jüngere Vergangenheit zeigte bereits, dass es scheinbar keiner übermenschlichen Anstrengung bedurfte, um den Speichercontroller für DDR2-800 fit zu machen, obwohl noch früher im Jahr von DDR2-667 beim Launch die Rede war.

DDR2 kann noch weiter nach oben skalieren - klassischer DDR konnte dies nur noch in Form teurer Übertakter-Speicher und hier auch nur in Einzelkonstellationen. So wird der Einsatz von DDR2-1066 bei AMD lediglich eine Frage der Zeit sein - in unserem Testmainboard existiert an passender Stelle bereits ein "Reserved"-Eintrag. Schade ist, dass volle 400 MHz Speichertakt zumindest auf unserer Testplattform im derzeitigen BIOS nur bei durch 400 teilbaren CPU-Takten ermöglicht wird, da sich der Speichertakt durch einen ganzzahligen Teiler aus dem CPU-Takt ermittelt.

Doch das bringt uns zur eigentlichen Enttäuschung des heutigen Tests. Hofften wir aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen mit DDR2 noch auf ein Verschwinden der bisher mit AMDs CPUs beim Speicher zu beobachtenden Phänomene, so zeigt sich, dass es auch in der DDR2-Welt noch im Gebälk knirscht. So gilt die Maximalgeschwindigkeit DDR2-800 bei einer DRAM Command Rate von 1T wie bisher nur mit maximal zwei doppelseitig organisierten Speichermodulen. Bei Bestückung der verbleibenden beiden Slots fällt der Speichertakt auf bis zu DDR2-533 bei 2T zurück; also alles wie gehabt, nur mit doppeltem Takt…


AMD64 goes DDR2 – Athlon 64 FX-62


Dass unser Testkit, bestehend aus CPU und ASUS M2N32 SLI Deluxe, nicht einmal mit allen Speicherpaaren booten will, ist eine weitere Auffälligkeit, welche man natürlich auf den "frühen" Testzeitpunkt zurückführen könnte. Inwieweit AMD und die Boardhersteller hier mit aktualisierten Microcodes und BIOS-Versionen Abhilfe schaffen können, wird sich zeigen. Das Mainboard an sich machte auf den ersten Blick einen guten Eindruck. Inwieweit sich dieser Eindruck in den Details erhält, muss ein späterer, ausführlicher Test zeigen. Vielleicht sind dann auch bessere Möglichkeiten zur Speichertaktfixierung auf DDR2-800 implementiert.

In Anbetracht von Meldungen dass Intels am Horizont dämmernde CPU-Architektur aber bis zu 20% gegenüber AMD64 mit DDR400 herausholen können soll, bleibt zumindest die Frage, wie AMD dieser Situation begegnen will. Der bloße Wechsel auf den neuen Sockel alleine reicht hier nicht.

Sofern AMD nicht in Bälde, entweder durch steigende Taktfrequenzen und/oder weitere Optimierungen an Speicherinterface und Prozessorarchitektur gegen diese Wolken am Horizont entgegenhält, könnte die Situation unter Umständen wieder in einem deutlichen Preiskrieg enden, den AMD sicher nicht wünscht. Doch höhere Taktfrequenzen scheinen nach unseren Overclocking-Erfahrungen möglicherweise nur im 65 nm Herstellungsprozess realisierbar, und Optimierungen an der Prozessorarchitektur können nicht übers Knie gebrochen werden und brauchen Zeit, dem Vernehmen nach wohl noch bis weit ins Jahr 2007. Die kommenden Wochen und Monate bleiben sicherlich spannend, was den Kampf der beiden großen Hersteller um die Leistungskrone angeht - sei es im Bereich Performance oder im Bereich Stromverbrauch.

Zusammenfassend erlauben wir uns nach den heutigen Erfahrungen zu sagen, dass die AM2 Plattform durchaus ein richtiger Schritt von AMD ist - Sockel 754, 939 und der bisherige 940 werden über kurz oder lang vom Markt verschwinden und AMD wird lediglich noch mit einem Sockel für das Desktopsegment und einem Sockel für das Serversegment aufwarten. Das erleichtert die eigene Fertigung, kann sie kostengünstiger machen, ebenso wie die Partnerunternehmen nicht mehr mehrgleisig fahren müssen. Allerdings zeigen die heutigen Erfahrungen, dass kein Grund für bisherige Besitzer von Sockel 939 Plattformen besteht einen Wechsel zu überdenken. Anwender, welche über ältere Systeme verfügen und wo eine Aufrüstung ins Hause steht, sollten ggf. über die Anschaffung der neuen AM2 Plattform nachdenken, denn nach einer Weile wird es für den Sockel 939 sicherlich nur noch ein beschränktes Angebot geben, bis hin zur Einstellung. Allerdings sollte man sich durchaus noch etwas Zeit für einen Switch lassen. Dies hier und heute war lediglich eine Vorstellung. Wir hatten ganze fünf Tage Zeit uns ein Bild zum neu geschnürten Paket zu schaffen und in Anbetracht der aufgezeigten Punkte bedarf es sicherlich noch etwas Reifezeit. Es muss ja nicht sein, dass neue Produkte immer wieder beim Endkunden reifen. Und so ist es letztlich an den entsprechenden Testredaktionen, die aktuellen Plattformen in den kommenden Monaten unter die Lupe zu nehmen.

[tm] 23. Mai 2006

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