Highend CPU-Kühler Roundup

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AMD-Spezifikationen, TCase, TDP und TControl (Fortsetzung)



Mit der "Thermal Design Power (TDP)" nennen die Hersteller den entsprechenden Fertigungszweigen nun nicht mehr einen Einzelwert, den ein bestimmter Prozessor an Leistung aufnehmen könnte, nein ein gesamter CPU-Zweig wird benannt. AMD übernahm auch eine solche Wertigkeit beim Switch von Sockel A CPUs auf die Opteron und A64-Familie, denn es ist ebenfalls ein wichtiger Wert, eben für gleiche Gattung an Interessenten.

So nennt der Hersteller AMD für manche CPUs nun also einen maximalen TDP Wert von z.B. 89 Watt. Das bedeutet nicht, dass diese Prozessoren eine solche Leistungsaufnahme besitzen, nein es sollte nur einen Wert, inkl. eines Sicherheitszuschlages darstellen, welchen ein Kühler verarbeiten sollte, möchte er mit dem WorstCase im Fall der Fälle klar kommen. Wie unsere Messungen bei AMD zeigten, als auch unsere Erfahrungen bei Intel bestätigten, bewegen sich die TDP-Angaben meist weit weg von dem, was in der Praxis anzutreffen ist. Diese Angabe richtet sich also erneut an die Kühlungsindustrie, welche sich auch in vielen Fällen eher weniger adäquater Prozessoren bedienen möchte, sondern eben mit Testdummies arbeitet, welche eine gewisse Watt-Leistung generieren.


Athlon 64 Kühlerroundup


Damit kann der Kühlerhersteller auf diese Weise einen Lüfter konzipieren, welcher in der Tat auch mit solchen WorstCase-Wertigkeiten klar kommt, doch vermutlich hat das Konstrukt einer solchen Umsetzung relativ wenig mit der Praxis zu tun, weshalb leider auch Messungen auf solchen Verfahren eben nur eine Aussage auf den WorstCase treffen können und mit dem Alltag weniger zu tun haben – spätere Messungen werden dies attestieren.


TControl



TControl ist nun eben der nächste Punkt, welcher bei den Prozessorherstellern und deren modernen Prozessoren in die Kühlung mit eingreift und gewisse eigene Konzepte von Kühlerherstellern ad absurdum führt. Beobachteten wir eine Weile, dass Mainboardhersteller eigene Software-Lüftersteuerungen ins BIOS implementierten und beobachten wir schon eine Weile, dass je nach Modell, Kühlerhersteller eine Lüftersteuerung ihren Produkten beipacken, so waren all diese Bestreben AMD beim Athlon 64 Prozessor offenbar nicht schnell und einheitlich genug umgesetzt. Der Begriff Cool'n'Quiet besteht eben nicht nur aus dem Wort "kühl", sondern eben auch aus dem Wort "ruhig".

TControl ist ab den Sockel 939 Prozessoren umgesetzt – eine Information, dass AMD einen entsprechenden Wert auch bei den Sockel 754 Prozessoren hinterlegt hat, ist uns nicht bekannt.


Athlon 64 Kühlerroundup


Im Prinzip finden sich gewisse Temperaturstufen für den Prozessor hinterlegt, welche in Verbindung mit der korrekten BIOS Umsetzung des Mainboards dafür Sorge tragen, dass die Lüfterdrehzahl den entsprechenden Temperaturstufen angepasst wird. Bei Intels TControl Umsetzungen wird dies über den Chipsatz reguliert. Wie die exakten Umsetzungen bei AMD erfolgen ist uns derzeit nicht bekannt.

Das Schemabild zeigt uns, dass TControl max noch über TCase angesiedelt ist, was eben auch nicht weiter verwunderlich ist, da sich TControl eben an den Kerntemperaturen der CPU orientieren muss und TCase ist eben kein Kerntemperaturwert, wie im vorangegangenen Kapitel erläutert.

TControl hat aber eben auch zur Folge, dass die CPU-Temperatur, unterhalb gewisser Schwellwerte eben, keine größere Bedeutung mehr zukommt. Der Hersteller sieht die Temperaturen in gewisser Weise nicht als kritisch an, legt aber besonderen Wert auf gesenkte Lautstärke. Ein Beispiel: Nehmen wir uns einen Kühler ohne Lüftersteuerung und ohne TControl-Steuerung und einer Drehzahl von 2400 UpM. Dieser würde einen Prozessor bei anhaltend 2400 UpM auf 54°C kühlen.

Unter Einsatz von TControl mag der Wert 54°C vielleicht noch zu deutlich unter dem hinterlegten Schwellwert liegen – also sorgt TControl dafür, dass der Lüfter lediglich mit 1600 UpM dreht (durch Absenkung der Lüfterspannungen). Die CPU Temperatur ist also im Bereich von vielleicht 60°C anzutreffen. Wird der nächste Schwellwert erreicht, so dreht aber auch nur der Lüfter um eine gewisse Drehzahl weiter nach oben. Erst mit erreichen von TControl_max wird der Lüfter auf voller Drehzahl/Spannung laufen.

Im Ergebnis hat man es in einem solchen System also mit weniger Geräusch, allerdings mit höherer Prozessortemperatur zu tun – und diese Werte sind auch nicht zu verallgemeinern, denn sie können von Prozessor zu Prozessor unterschiedlich hinterlegt sein, also kann ein identischer Kühler, auf dem identischen Mainboard, sich mit einer anderen CPU schon wieder völlig unterschiedlich verhalten. Dies ist also durchaus auch ein Punkt, welchen es in entsprechenden Diskussionen zu Bedenken gibt.

Wir müssen inzwischen allerdings feststellen, dass die meisten Mainboardhersteller nun auf im BIOS integrierte, proprietäre Lüftersteuerungen setzen. Damit wird zwar grundlegend das gleiche Prinzip verfolgt, unterlief dem BIOS-Ingenieur aber – wenn nur bei irgendeinem Update – dort ein Fehler, arbeitet die Steuerung fehlerhaft. Wir hatten schon Fälle in der Praxis, in welchen das System derart auf Geräusch optimiert war, dass der Prozessor anhaltend in Regionen um die 70°C betrieben wurde.