DDR3-Speicher in Theorie und Praxis

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Fazit



Als DDR2-Speicher als Hauptspeicher im Desktop-Bereich erstmals offiziell vorgestellt wurde, machte sich schnell Ernüchterung breit. Die ausgereiften DDR1-Plattformen mit DDR-400 und Latenzen von CL 2 oder gar 2,5 spielten die neu eingeführten DDR2-400 oder die damaligen Spitzenreiter DDR2-533 durchweg an die Wand. Bei genauerer Betrachtung waren die Gründe dafür durchaus klar. Die absoluten Latenzzeiten eines DDR2-533 Modells mit damals „kurzen“ CL4 lagen immerhin bei 15ns, während die DDR1-Vertreter mit Latenzen von 12,5 bzw. 10 ns bei CL2,5 bzw. CL2 arbeiteten. Und trotzdem konnte der damalige Pentium 4 mit der Bandbreitensteigerung durchaus noch etwas mehr anfangen, als die heutige Core-Architektur und war in der Lage mit DDR2-533 CL4 durchaus auf dem Niveau von DDR-400 CL2 zu arbeiten. Allerdings zu einem eben stolzen Einführungspreis.

Die Geschichte hat sich dieses Mal so nicht wiederholt. Zur Einführung von DDR3 konnten manche Hersteller gleich mit DDR3-1333 Modulen mit kurzen Latenzen von 7-7-7 aufwarten. Nüchtern verglichen gegenüber einem schnellen DDR2-800 mit CL4 liegen die absoluten Latenzen fast gleich auf und es bleibt allenfalls noch die Mehrbandbreite, welche Vorteile für die neuen, schnellen DDR3-Modelle versprechen. Doch haben wir auf der einen Seite schon einen Speicherbandbreiten-Overkill im Zwei-Kanal-Betrieb, welche den Bandbreitenbedarf eines aktuellen Core-Prozessors übersättigt, zum anderen trifft man im Desktop-Anwendungsbereich meist auf kleinere Files in der Arbeit, welche durch geschickte Architekturen der Prozessoren bereits vorausschauend in den Cache geladen werden können, so dass die Speicherbandbreite wiederum verpufft.

Bild: DDR3-Speicher in Theorie und Praxis

In der Breite der Anwendungen heute findet man wohl den einen oder anderen Vorteil, der sich durch die neuen Module – schnellste Taktung und Latenz vorausgesetzt – ergibt. Und bei gleichen Eckdaten zu DDR2-800 stellt sich ein Patt ein. Immerhin: langsamer wurde nichts, doch berauschend schneller wurde ebenfalls nichts. Aber es spräche auch im Prinzip nichts gegen die neuen DDR3-Hauptspeicher, wenn da nicht wie üblich, bei Einführung von neuen Technologien, die massiven Preisunterschiede wären.

Zurzeit kann man noch immer beobachten, dass die Hauptspeicherpreise, auch bei schnellen DDR2-800-Modellen, auf niedrigstem Niveau liegen. Da werden 2 GB „High-End“-Speicher DDR2-800 sogar mit CL3 angepriesen und für um die 110 Euro über die Ladentheke geschoben. Markenübliche DDR2-800 Modelle mit CL5 gibt es gar schon ab 70 Euro für zwei 1 GB Module. Dagegen kann sich der neue DDR3-Speicher nicht im Ansatz behaupten.

2 GB-Kits DDR3-1066-Speicher werden zurzeit zwischen 350 und 450 Euro gehandelt. Die heute präsentierten DDR3-Modelle von Kingston mit kurzen Latenzen starten dabei bei ca. 425 Euro. Die DDR3-1600-Speicher, welche sich ausschließlich an die Übertakter wenden, werden von den Herstellern zwischen 385 und 550 Euro angeboten. Die Preise dabei schwanken sehr stark und sind Herstellerabhängig und weniger Latenzabhängig, wie es den Eindruck hat. Die heute präsentierten Super Talent DDR3-1600 Speicher mit CL7 Timings fanden wir in der Geizhals-Suchmaschine überhaupt nicht. Einstige Preisankündigungen von ca. 650 US-Dollar dürften bei der aktuellen Marktlage und Konkurrenz vermutlich auch nicht zu halten sein.

Unser Test hat zu DDR3-1600 aber auch deutlich gezeigt, dass die Preise, trotz des hohen Übertaktungspotentials, in keiner Form gerechtfertigt sind. Ein über den FSB übertaktetes System, mit einem asynchronen Speicherbetrieb von DDR3-1333 schlug sich nur knapp schlechter als ein übertaktetes System mit DDR3-1600. Wen wundert es, es gilt letzten Endes das gleiche: der immense Bandbreitenüberhang auf Seiten des Speichers verpufft.

In jedem Fall schreckt derzeit der 3,5fach so hohe Preis bei DDR3-Hauptspeicher gegenüber DDR2-Speicher den Endkunden ab. Da hilft auch der ökologische Gedanke des Energiesparens nichts. DDR3-Spezifikationen sehen Spannungen von 1,5 Volt vor, DDR2 von 1,8 Volt. Allerdings halten sich derzeit offenbar nur wenige der Hersteller an die geschrumpften JEDEC-Spezifikationen und bieten Enthusiasten-Speicher, welcher von Beginn an mehr als die maximal vorgesehenen 1,575 Volt benötigt, um stabil zu arbeiten und das, obwohl man sich bei den Taktungen im spezifizierten Bereich bewegt.

[pg], 10. September 2007