Intel Core i7 - Prescott reloaded?

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Fazit



Die heutigen Zeilen haben die Leistungsaufnahme der Core i7-Prozessoren erst einmal ins rechte Licht rücken sollen. Natürlich darf man hierbei absolut nicht vergessen, dass die ersten Muster neuer Prozessoren – das galt bei Halbleitern praktisch immer schon und wurde in der Vergangenheit durch unsere Tests auch immer wieder belegt – natürlich noch nicht das Maß der Dinge sind. Verbesserungen in der Fertigung werden auch Verbesserungen bei der Leitungsaufnahme mit sich bringen.

Doch etwas zeigt sich doch anders. Ein frühes Testmuster eines QX6700 brachte es in der realen Leistungsaufnahme auf runde 97 Watt, ein Muster eines QX6850 auf runde 100 Watt. Die Nennung der TDP dieser Prozessoren seitens Intel lag allerdings in Regionen von 130 Watt. Dabei sprachen wir gerade von 65nm-Prozessoren. Nehmen wir uns einen QX9770 in 45-nm-Fertigung, so nennt Intel dessen TDP mit gar 136 Watt, in der Praxis haben wir diese CPU mit realen 84 Watt vermessen.

Ein Core i7 965 Extreme-Prozessor wird von Intel in eine TDP von 130 Watt bei 45-nm-Fertigung eingruppiert und schafft es in etwa auf stolze 123 Watt in der Realität – ohne Turbo-Modus! Ein wenig entsteht der Eindruck, dass Intel sich hier verkalkuliert hat und möglicherweise Leckströme in der neuen Umsetzung deutlich mehr in den Vordergrund treten, als dies von den Entwicklern erwartet wurde.

Bild: Intel Core i7 - Prescott reloaded?

Neuigkeiten wie Hyper-Threading, Triple-Channel-DDR3-Interface, QPI-Interface und Level-3-Cache ließen sich in der Praxis offenbar nicht so simpel in die CPU integrieren, wie erwartet – zumindest mit Blick auf die Leistungsaufnahme. Ja, tatsächlich ist Intels Core i7-Prozessor der aktuell schnellste Prozessor, den man für Geld kaufen kann, doch zu welchem "Preis"? Der Vorsprung zum QX9770 ist in einigen Fällen marginal in anderen deutlicher und ließe sich schlicht durch Takt beim 9770 kompensieren. Und ohne Spannungszugabe wären beide Prozessoren im Bereich der Leistungsaufnahme dann wohl immer noch durch Welten getrennt.

Den Core i7 kann man auch übertakten? Schlechtes Argument. Bei einer gedeckelten TDP von 130 Watt, welche die CPU bereits fast bei Standardtakt erreicht, setzten die Schutzmechanismen wie Rücknahme von Spannung und Takt ein – nichts gewonnen also, es sei denn, man deaktiviert die TDP-Grenze im BIOS und steigert damit die Option der Leistungsaufnahme deutlich weiter. Denn man darf nicht vergessen, dass die 3,2 GHz beim Core i7 offenbar aktuell schon hart an der Grenze sind. Ein Core i7 920-Prozessor mit einem Standardtakt von 2,66 GHz liegt im reinen Core-Bereich 14 Watt unterhalb dem Verbrauch eines 965-Modells, was zeigt, dass sich die Taktsteigerung beim Core i7 zudem deutlich negativ auf die Leistungsaufnahme auswirkt.

Wir wollen jedoch zum Ende der ungeschriebenen, und vor uns hergeschobenen Core i7-Kapitel kommen. Wir haben einen Frühstart einer neuen CPU-Generation gesehen, über die – das ist unsere Sicht der Dinge – Intel so noch nicht Herr ist und welche im Desktop-Segment im Jahre 2008, oh – fast 2009, nichts verloren hat. Und es ist ja streng genommen auch kein Desktop-Prozessor, sondern ein verkappter Xeon für den Workstation und Entry-Level-Server-Bereich. Der Desktop-Prozessor erwartet uns erst beim nächsten Glockenschlag, vermutlich im Quartal 3 2009, und dann eben ohne QPI, ohne Triple-Channel-Speicherinterface und mit einer weiteren Entwicklungs- und Fertigungszeit. Dann hoffentlich auch wieder mit brauchbarer Leistungsaufnahme und ohne den Prescott-Touch.

[pg], 19. Dezember 2008

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