Intel Core i7 "Nehalem" im Test - des Kaisers neue Kleider

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Core i7-Frage: Warum, ganz ohne Not? – Tick-Tock



Nachdem wir die Technik nun erst einmal überwiegend nüchtern und praktisch betrachtet haben stellt sich dem einen oder anderen Leser durchaus eine brechtigte Frage – warum? Wieso schickt Intel aktuell eine weitere technische Neuerung, mit noch mehr Performance ins Rennen? Aus den bisherigen Ausführungen wurde durchaus ebenfalls klar, dass wir es von der Ausrichtung betrachtet mit QPI-Interface oder Triple-Channel-Speicher eigentlich mit einer Server-Plattform, oder vielleicht auch Workstation-Plattform zu tun haben, deren Ausrichtung – sei es in qualitativer Umsetzung, oder der Inkaufnahme von gewissen Overheads bei Desktop-Anwendungen – kaum anders gedeutet werden kann.

Nicht zuletzt der Umstand, dass im dritten Quartal 2009 ein P55-Mainstream-Produkt erscheinen wird, welches dann den Sockel LGA 1366 verlassen wird und ganz ohne QPI oder Triple-Channel-Speicherinterface antreten wird, lässt die Stirn runzeln. Zumal AMD doch zurzeit abgeschlagen scheint und nicht wirklich konkurrenzfähig auftreten kann, wirft die nun erfolgende Vorstellung doch einige Fragen auf. Shanghai? AMDs Server-Prozessor in 45-nm-Fertigung? Sollte das die Antwort auf die Fragen sein?

Nein, die Antwort ist Tick-Tock-Tick-Tock! Keinesfalls hat Intel Angst vor der Captain Hook Mär des tickenden Krokodils, vielmehr handelt es sich dabei um Intels eigenen Bußgürtel, die Roadmap die man sich selbst auferlegt hat und in der Öffentlichkeit propagiert, um sich keine Trägheit unterstellen zu lassen.

Bild: Intel Core i7

Und diese Roadmap sieht schlicht und ergreifend für 2007 den Penryn und für 2008 den Nehalem vor. Man könnte nun zynisch behaupten: egal ob fertig oder nicht. Nichts desto trotz konzentriert sich Intel, wie auch AMD, in erster Instanz einmal um die Kundschaft des Server-Segments, wenngleich nun eine Desktop-Plattform daraus erwachsen ist.

Nach all den Ausführungen kommt natürlich dann die nächste Frage auf, ob denn eine Investition in eine solche Plattform überhaupt als zukunftsträchtig erachtet werden kann? Wir gestehen, dass wir uns diese Frage auch stellten. Da kommt ein neuer Sockel daher, der nun für Enthusiasten verkauft wird und möglicherweise bei Einführung des P55-Chipsatzes Schnee von gestern ist.

Wirklich kritikwürdig ist tatsächlich die zweigleisige Schiene, die Intel aktuell fährt, und mit LGA 1366 eine High-End-Plattform ankündigt, die auch weiter supported werden muss, mit dem LGA 1160 dann in ca. 9 Monaten den eigentlichen Desktop-Chipsatz und die passenden Prozessoren nachsenden wird. Keine Kompatibilität. Und bislang konnte man Enthusiasten-Prozessoren auf dem gleichen Sockel antreffen, wie Mainstream- oder Low-End-CPUs.

Obwohl es wirklich geschriebener Fakt zu sein scheint, dass Intel mit dem LGA-1366-Sockel auch Xeon-Plattformen in den nächsten Monaten bestücken wird, heisst dies aber nicht, dass für Desktop-CPUs hier schon das Ende mit der Vorstellung gesetzt wird. Wie wir aus einer Roadmap erfahren konnten, werden schon im zweiten Quartal 2009 weitere Desktop-CPUs unterschiedlicher Taktstufen für diesen Sockel und den aktuellen X58-Plattformen erwartet.

Bild: Intel Core i7

Das beruhigt auf der einen Seite, lässt aber dennoch einen faden Beigeschmack zurück. Die zwei Gleise sind im Desktop-Segment aktuell eben ungewohnt. Andererseits könnten sich durchaus, durch diese Vorgehensweise, Entry-Profi-Anwender – wir denken neben den Freaks der Desktop-Sezene an Grafik-Designer – ein Vorteil erschließen. Dort zählt neben Systemzuverlässigkeit natürlich auch das letzte Quentchen an Leistung in professionellen Anwendungen.

Der Otto-Normal-Verbraucher wird nach dem heutigen Tag keine wirklich möglichen Vorteile für sich erblickt haben und nach Abwägung des Preis-/Leistungsrahmens ggf. lieber die kommenden neun Monate abwarten.

 

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