Intel Core i7 "Nehalem" im Test - des Kaisers neue Kleider

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Fazit



Die angekündigte Achterbahnfahrt hat ihr Ende gefunden. Bitte noch bis zum völligen Stillstand der Wagen sitzen bleiben – das Lösen der Gurte vor diesem Zeitpunkt bedeutet einen Verlust unserer Gewährleistung ;).

Nun, nach den gezeigten Erfahrungen im Bereich Gewährleistung – hier bezogen auf Turbo-Mode bzw. Intel Dynamic Speed Technology – muss man offenbar nicht alles so für blanke Münze nehmen. Eine wirklich gute Idee im Ansatz, welche dem Anwender Vorteile bei einem Quad-Core-Prozessor unter Einsatz von Single- oder maximal Zwei-Kern optimierten Anwendungen bringen soll, wird durch im Moment billig umgesetzte Übertaktungsmaßstäbe, die wir in der Praxis nicht einmal zufriedenstellend umgesetzt fanden, gegen die Wand gefahren.

Gegen die Wand gefahren? So schlecht waren die Turbo-Mode-Ergebnisse ja nicht. Natürlich waren sie das nicht, doch vergleicht man in diesem Zusammenhang die aufgezeigten Reaktionen im Bereich Lautstärke oder im Bereich Leistungsaufnahme, versteht man sehr schnell, was wir meinen. In der aktuellen Umsetzung sorgt Intel mit seiner Dynamic Speed Technology dafür, dass die CPU mit "billigen" Methoden übertaktet wird. Und das billig beziehen wir auf simples Hochsetzen des Multiplikators in Verbindung mit einer – aus unserer Sicht – deutlich zu hohen Spannungserhöhung. Gewollt? Wir wissen es nicht wirklich, wir hatten es eigentlich nicht erwartet und dummerweise taktet die CPU aktuell in diesem Betrieb unter Last auch noch herunter.

Darunter leidet dann die Lautstärke, auf die Intel doch großen Wert in ihrer Kühlerentwicklung verbunden mit der CPU-Entwicklung legt. Darunter leidet um so mehr die aufgezeigte Leistungsaufnahme, welche absolut in den Keller geht, während Intel bei deaktiviertem Turbo-Mode durchaus glänzen könnte. *** Achtung! Bitte an dieser Stelle dringend das Update vom 21.11.2008 beachten. Unsere Messungen auf diesem Bereich waren falsch! Vielmehr scheinen sich die neuen Core i7 deutlich näher an ihrer TDP-Nennung zu bewegen, als aktuelle Core 2-Modelle!

Bild: Intel Core i7

Eigentlich hat man so vieles offenbar richtig gemacht und eigentlich hat der Core i7 soviele Bereiche, die überzeugen können. Wie gesagt, dazu gehört natürlich die Leistungsaufnahme. Hier setzt Intel hier und heute einen neuen Maßstab beim Energie-Verbrauch im Idle-Mode. Das Power-Gating funktioniert – auf dem ruhenden Desktop werden nicht benötigte Einheiten abgeschaltet und die Energiezufuhr getrennt. Die CPU verbraucht fast nichts mehr!

Hervorheben darf man mit Sicherheit auch, dass die Rechenleistung sich durch die Integration des Speichercontrollers in den nativen Quad-Core-Prozessor durchaus gesteigert hat. Das Wiederbeleben der Hyper-Threading-Technology kann – wo die Applikation es ermöglicht – absolut punkten.

Da wo die Applikation es nicht ermöglicht, kann es aber durchaus auch zu Performance-Einbußen führen, bedingt durch den höheren Verwaltungsaufwand oder/ und den Windows-Scheduler. Und gleiche Aussage trifft auch auf den Triple-Channel-Speichercontroller im Bloomfield Core-i7-Prozessor zu. Auch dieser kann in ungünstigen Fällen zu gewissen Nachteilen führen. In den meisten Fällen zeigt er aber doch ein paar Prozentpunkte an Vorteilen auf.

Es schwirren auch in unserem Kopf nach dieser Achterbahnfahrt noch tausend Gedanken umher, tendenziell sehen wir allerdings die aufgezeigten möglichen Nachteile durch HT-Technology und Triple-Channel vorrangig unter gewissen Desktop-Anwendungen. Im Server-Bereich – und der LGA 1366 wird den Workstation und Server-Einstiegs-Bereich ebenfalls besetzen – dürften die angesprochenen Nachteile bei Triple-Channel-Speicher und Hyper-Threading praktisch nicht mehr anzutreffen sein. Denn in aller Regel wird man dort mit ganz anderen Applikationen konfrontiert.

Nichts desto trotz wird Intel dafür sorgen, dass sich die Lebenserwartung eines X58 mit LGA-1366-Sockel nicht so schnell in Wohlgefallen auflösen wird. Neben diversen Xeons für diesen Sockel sind ebenfalls diverse Core-i7-Modelle unterschiedlichster Taktstufen noch für das zweite Quartal 2009 geplant.

Aktuell bleibt es aber erst einmal bei den drei heute vorgestellten CPUs Core i7-965 Extreme, -940 und -920. Damit hat Intel gleichzeitig auch eine "Einsteiger-CPU" für Enthusiasten parat, die schon am Vorabend in unserer Preissuchmaschine mit runden 300 Euro gelistet wird. Dazu werden sich aber immerhin noch zwischen 250 und 350 Euro für ein X58-Mainboard gesellen müssen, damit man in den Genuß dieser Leistung kommt. Wie üblich wird es bei einer neuen Technologie nach Einführung nicht so ganz einfach, preiswert in den Besitz dieser zu gelangen.

Ein Core i7-940 mit 2,93 GHz wird zurzeit noch ab 580 Euro gelistet, das Extreme-Modell 965 mit 3,20 GHz Takt mit knapp über 1000 Euro. Damit liegen die Preise derzeit auf dem erwarteten und von Intel genannten Niveau und werden sich durch ein Mehrangebot möglicherweise noch nach unten einpendeln.

Es bleibt allerdings weiterhin festzuhalten, dass die breite Masse an Software für einen Quad-Core-Prozessor noch immer nicht den Markt erreicht hat. Und ein Quad-Core mit Hyper-Threading – also vier weiteren virtuellen Kernen – scheint damit der Overkill schlecht hin, der sich – wie erwähnt – auch negativ bemerkbar machen könnte. Ob der Aufpreis von aktuell ca. 100 Euro gegenüber dem schnellsten Intel-Prozessor Core 2 Duo E8600 gerechtfertigt ist, ungeachtet der Investitionen in X58-Mainboard und Drei-Kanal-Speicher-Kit, das wagen wir doch zu bezweifeln.

Prost dem Enthusisaten, der hier nun abermals die Börse zückt, um am neuesten Technologie-Vorhaben teilzuhaben, doch es zeichnet sich ab, dass die Mehrheit der Anwender dann vermutlich doch noch geduldig 9 Monate bis zur Vorstellung des P55-Chipsatzes in Verbindung mit dem Mainstream-Core-i7 auf Basis des Lynnfield warten wird. Dann eben ohne Drei-Kanal-Speicher-Interface und Quick Path Interconnect, welches mit seiner möglichen Bandbreite auf dem Desktop-Segment aktuell Overkill über Jahre hinweg bedeutet.

[pg] & [tm], 03. November 2008

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