AMD Phenom II X4 955 Black Edition und Phenom II X4 945 im Test

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AMD OverDrive 3



Höchst interessant für die Presse war der Umstand, dass AMD als Hauptmerkmal bei dem neuem Prozessor Overclocking in der Vordergrund stellt. Als eines der wesentlichen Features des heutigen Launches sieht AMD das hauseigene Utility AOD in seiner Version 3. In vergangenen Tests haben wir dieses Tool schon sehr lieb gewonnen und haben es intern liebevoll in Angel of Darkness umbenannt ;).

So schaffte es AMD OverDrive in seiner Version 3 tatsächlich unmittelbar nach der Installationen auf zwei Systemen, dass Cool'n'Quiet nicht mehr funktionierte. Selbst die Deinstallation des Angel of Darkness führte bei uns dazu, dass sich Cool'n'Quiet nicht mehr reaktivieren ließ. AMD teilte uns mit, dass dieser Fehler in Betaversion des AMD OverDrive 3 bekannt sei, es würden unter Windows Vista Teile der Energie-Optionen überschrieben werden. Überrascht war man allerdings über den Umstand, dass eine Deinstallation von AMD Overdrive 3 keine Abhilfe brachte. Darüber hinaus informierte man uns, dass man an dem Problem arbeite.

Mit AOD 3 stellt AMD ein paar neue Features zur Verfügung. Hierzu zählt unter anderem Smart Profiles. Damit kann man einer Anwendung die Anzahl der Kerne zuordnen, welche für das Programm arbeiten sollen. Gleichzeitigt ist es möglich die entsprechenden Kerne zu übertakten und die nicht aktiven Kerne zu untertakten. Dadurch erhofft man sich bessere Resultate, besonders wenn die entsprechende Anwendung nicht mit vier Kernen arbeitet.

Bild: AMD Phenom II X4 955 Black Edition und Phenom II X4 945 im Test


In einem kurzem Versuch betrachteten wir OverDrive und testen das Tool einmal mit Crysis und einmal mit TMPEG. Gemäß unseren Einstellung sollten die beiden aktiven Kerne bei Crysis mit 3,4 GHz arbeiten, während die beiden anderen Kerne auf 2,8 GHz herunter gefahren werden sollten. Für TMPEG sollten alle Kerne auf 3,4 GHz beschleunigen.

Wir betrachten in der nachfolgenden Tabelle unsere vorgenommen Einstellung mit unseren Messungen ohne AMD OverDrive und haben zusätzlich noch Messungen mit manueller Übertaktung mittels BIOS vorgenommen.

Anwendung955 BE (3,2 GHz)955 BE (OverDrive)955 BE (BIOS: 3,4 GHz)
Crysis 800 x 600 (FPS)98,67102,41108,78
TMPEG Xpress 4.5.2.255 (Sekunden)208202193


CPU-Z und auch die Ergebnisse der Benchmarks zeigen, dass AMD OverDrive durchaus Erfolge erzielt. Doch bessere Ergebnisse erreichten wir durch schlichtes Übertakten im BIOS.

Dennoch könnten die Smart-Profile-Funktion ein interessantes Feature sein, besonders wenn es eben darum geht, dass letzte Quäntchen Leistung für einzelne Anwendungen heraus zu pressen.

Das nächste Feature beschreibt AMD mit der Abkürzung B.E.M.P. Die Abkürzung steht für Black Edition Memory Profile. Um dieses B.E.M.P benötigt es allerdings zwingend BIOS-Support durch den Mainboard-Hersteller und jetzt sollte den meisten Lesern klar werden, wohin das zweite Feature des OverDrive 3 überhaupt führen soll. Grundsätzlich haben wir es nun mit einer weiteren, für DDR3-Speicher geschaffenen proprietären Umsetzung von Speichertiming-Erweiterungen zu tun.

Während NVIDIA an diesem Punkt und auch schon bei DDR2 seit Jahren mit EPP wirbt, hat Intel XMP identisches für einige DDR3-Plattformen eingeführt. Nun haben wir mit B.E.M.P. einen weiteren – nicht wirklich hervorzuhebenden – Hersteller-Standard. Dabei werden in Teilen der Speichereinheiten von DDR-Modulen weitere Timings, ggf. auch Spannungen hinterlegt, welche durch (BIOS-)Software ausgelesen und ins System eingepflegt werden kann.

Bislang hat AMD hier zum Launch noch nicht alle Partner zu passenden BIOS-Versionen bewegen, bzw. verhelfen können. Hier scheint noch einiges an Arbeit zwischen den Mainboard-Herstellern und AMD bewältigt werden zu müssen, damit dies letzten Endes über die Overclocking-Software umgesetzt werden kann.

Uns konnte das Programm trotzdem am heutigen Tage nicht überzeugen, was aus den bisherigen Zeilen wohl abzuleiten ist. Auch B.E.M.P. sehen wir dabei nicht wirklich als Errungenschaft an. Weiterhin wäre es uns doch deutlich lieber, dass Mainboard-BIOS-Versionen erst einmal wirklich sauber programmierte SPD-Settings von Speichern auslesen und umsetzen könnten, bevor sich die BIOS-Programmierer in Taiwan noch Gedanken darüber machen, wie man nun EPP, XMP und BEMP in die Praxis verfrachtet. Und weit wichtiger als letztes wäre natürlich auch, dass AMD endlich offizielle OverDrive-Software-Versionen anbietet und endlich aus dem Beta-Status herauskommt.

Nicht wirklich überzeugend ist der Umstand, sei es nun bei AMD oder Intel, dass man plötzlich mit halbherzigen Übertaktungsoptionen aufwartet, weiterhin aber im Falle von Defekten die Garantieansprüche von sich weisen kann. Overclocking bleibt weiterhin bei allen Herstellern schlicht ohne Garantie und von daher ist der aktuelle Marketing-Hype zu solchen Optionen absolut nicht nachvollziehbar.