Nehalem für alle - Intel Core i5 und Core i7 auf Sockel 1156 im Test

Prozessoren | HT4U.net | Seite 37

Fazit



Egal welches Fazit wir nun ziehen, für Intel sind mit dem heutigen Tag erst einmal die Würfel für die Zukunft im Mainstream-Segment gefallen. So sollen die neuen Lynnfield-Prozessoren zusammen mit dem neuen P55-Chipsatz die Nachfolge der erfolgreichen Core-2-Modelle und des Sockels 775 antreten und müssen eine dementsprechend Erwartungshaltung erfüllen, was den teuren Bloomfield-Modellen offenbar bis heute nicht gelang.

Wie schnell die Ablösung dabei geschehen wird bleibt natürlich abzuwarten. Jedoch darf man erwarten, dass weitere Lynnfield-Ableger, als auch kommende Prozessoren in kleinerer Fertigung und für den Sockel-1156, nicht all zu lange auf sich warten lassen. Noch in diesem Jahr will Intel getreu der Tick-Tock-Strategie den Clarkdale-Prozessor in der 32-nm-Fertigung präsentieren.

Doch die Basis zur Wachablösung des Sockel-775, welche Intel am heutigen Tag geschaffen hat, ist in ihrer Gesamtheit durchaus stimmig. Allem voran muss man lobend die Umsetzungen bei der Energieeffizienz erwähnen. Bei der Leistungsaufnahme im Idle-Betrieb belegten die neuen Mainstream-Prozessoren durch die Bank Spitzenplätze, gefolgt von Zwei-Kern-Systemen aus dem Hause AMD oder eben Intel.

Das Bild verschiebt sich zwar etwas unter Last dahingehend, dass die Zwei-Kern-Systeme sowie die günstigsten Core-2-Quad-Systeme sich vor Lynnfield-Modelle schieben können, jedoch besetzen die heutigen Testprobanden auch weiterhin das untere Drittel des Testfeldes. Eine durchaus beachtliche Leistung, eben insbesondere auch im Hinblick auf die Leistungsfähigkeit.

Bild: Nehalem für alle - Intel Core i5 und Core i7 auf Sockel 1156 im Test

Weniger überraschend als der sehr gute Energiebedarf ist da schon die gute Performance. Die technischen Umsetzungen, welche die Nehalem-Prozessoren schon im November letzten Jahres mit sich brachten, führten dazu, dass Intel im Desktop-Bereich eine unangefochtene und für den Mitbewerber aktuell scheinbar nicht einzuholende Leistung bietet. Die direkte Roh-Performance der Lynnfield-Modelle zeichnet uns nach den heutigen Ergebnissen das Bild, dass man sich im Mittel zirka 8 bis 10 Prozent – natürlich immer Applikationsabhängig – hinter einem vergleichbaren Core-i7-9xx-System (Bloomfield also) bewegt. Mal sind es nur wenige Prozentpunkte welche die beiden Modelle von einander trennen, mal sehen wir auch absolute Ausreißer, welche von 20 Prozentpunkten sprechen. Ausnahmen bestätigen eben die Regel. Wenn man an dieser Stelle etwas kritisieren will, dann das man für einen Lynnfield-Prozessor mit dem Takt eines Bloomfield-Modells genauso viel zahlt, obwohl letzterer eben schneller ist.

Dabei hilft den Lynnfield-Modellen auch der Turbo-Modus, den Intel im Vergleich zu den Bloomfield-Modellen noch einmal komplett überarbeitet und erweitert hat. Das Grundprinzip bleibt allerdings weiterhin einfaches Übertakten durch das Anheben des Multiplikators für den Kerntakt sowie gleichzeitiger Steigerung der Versorgungsspannung.

Jedoch ist der Turbo-Mode bei den Lynnfield-Prozessoren nicht einheitlich geregelt, was durchaus zu Verwirrungen führen dürfte. Während Intel die Unterschiede zwischen Core i7 870 und 860 nicht einmal so deutlich hervorgehoben hatte, bestätigte man uns dann auf Nachfrage tatsächlich, dass das Modell Core i7 870 bei Auslastung von drei und vier Kernen mit zwei weiteren Taktstufen arbeiten kann, die Version i7 860 dort aber nur mit einer Taktstufe – wie auch der Core i5 750. Ist nur ein Kern ausgelastet, kann letzterer jedoch nur um 4 Taktstufen beschleunigen, die beiden 8xx-Modelle jedoch um 5.

Gerade beim Core i7 870 könnte diese unterschiedliche Regelung zu Problemen führen. So stellten wir in unseren Tests deutlich fest, dass die zusätzlichen 266 MHz bei Auslastung aller vier Kerne nicht immer erreicht werden. Die Spannungszugabe, in Verbindung mit den Temperaturen, führte zum Erreichen der maximalen TDP und genau dann schiebt Intel wieder einen Riegel vor und taktet herab.

Somit knüpfen wir beim Turbo-Mode praktisch an ein altes Fazit an: Gute Idee dahinter, Umsetzung aber eher durchwachsen – trotz deutlicher Verbesserungen beim Lynnfield. Aber es lässt sich auch nicht wegdiskutieren, dass eben jene Turbo-Mode-Option bei verkauften Lynnfield-Mustern dann auch in der Praxis zum Einsatz kommen wird. Sie ist einfach bequem und wird als Feature dazu gezählt. Und damit können wir die Performance-Vorteile nicht außen vor lassen, sondern müssen sie als zumeist gesetzten Fakt akzeptieren. Als Käufer muss man allerdings stets im Hinterkopf behalten, dass Intel den zusätzlichen Takt nicht garantiert, sondern die Angaben eher als eine "bis zu x.xx GHz"-Beschreibung versteht.

Abschließend wollen wir noch ein Wort über den P55-Chipsatz – das Fahrgestell für Lynnfield verlieren. Intel hat für Mainstream-Prozessoren natürlich auch Mainstream-Chipsätze gebaut und die entsprechenden Plattformen finden sich schon längst in den Händlerlistungen mit Startpreisen deutlich unter 100 Euro.

Nicht ganz so zahlreich, aber doch vorhanden zeigen sich dagegen die Angebote an X58-Platinen mit mittleren Preisen ab 150 Euro – meist aber darüber. Die Plattformpreise in Verbindung mit den Prozessor-Preisen sollen damit also für den entsprechenden Absatz sorgen. Mit Innovationen kann der P55-Chipsatz dabei allerdings nicht auf Beutefang gehen, denn diese sucht man eigentlich vergeblich. Hier ein paar Optimierungen, da zwei USB-Ports mehr, aber dafür kein SATA-III oder USB-3.0. Was somit äußerlich als revolutionärer Single-Chip-Chipsatz startet ist intern eher eine kleine Evolution der bisherigen Southbridge ICH10R.

CPU-Modelle Großhandelspreise US-Dollar
Core 2 Duo E8500 183 USD
Core 2 Quad Q9400 183 USD
Core i5 750 199 USD
Phenom II X4 945 225 USD
Phenom II X4 955/965 BE 245 USD
Core 2 Duo E8600 266 USD
Core 2 Quad Q9550 266 USD
Core i7 920 (Bloomfield) 284 USD
Core i7 860 285 USD
Core 2 Quad Q9650 316 USD
Core i7 870 555 USD
Core i7 950 (Bloomfield) 562 USD


Die Großhandelspreise für die neuen Intel-Prozessoren hatten wir oben bereits aufgezeigt. Die Händlerlistungen balgen sich allerdings schon seit Wochen. Inzwischen wird ein Core i5 750 mit Einstiegspreisen zu 173 Euro aufgeführt, ein Core i7 860 zu Preisen ab 260 Euro und ein Core i7 870 zu Startpreisen von 530 Euro. Das Preisgefüge scheint stimmig, man darf aber durchaus noch mit kleinen Korrekturen rechnen.

Einen unmittelbaren Vergleich zu den Core-2-Plattformen sowie den Gegenspielern von AMD kann man aktuell hingegen nur schwerlich ziehen, was auch an der Preisgestaltung liegt.

Intel-typisch verharren die alten Modelle erst einmal auf ihren alten Preispositionen – was sie nun zusätzlich uninteressant machen soll. So verliert beispielsweise ein Core 2 Quad Q9550 gegen einen Core i5 750. Erst der über 100 US-Dollar teurere Core 2 Quad Q9650 kann dem Core i5 750 bei deaktiviertem Turbo-Modus dank 333 MHz zusätzlichem Takt die Stirn bieten. Und wenn der Core i5 750 mit seinem hauseigenen Ausstattungsmerkmal Turbo-Mode auftrumpft, hat der Q9650 nichts mehr zu lachen.

Auch bei AMD fällt ein Vergleich schwer, denn in dem Bereich über 250 US-Dollar taucht dieser praktisch überhaupt nicht mehr auf. Deren Spitzenmodelle Phenom II X4 955 und 965 BE bewegen sich im Preisrahmen von maximal 245 US-Dollar und müssen sich somit mit dem kleinsten Lynnfield-Modell messen. Diesen Vergleich verlieren jedoch beide eher deutlich, weshalb man wohl mit Preissenkungen bei AMD in Kürze rechnen darf.


[dk], [fo] & [pg], 08. September 2009

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