Reale Leistungsaufnahme aktueller Grafikkarten von AMD und NVIDIA im Vergleich

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Bild: Power consumption of current graphics cards Bild: Power consumption of current graphics cards

Fazit



Tief durchatmen und an dieser Stelle noch einmal Revue passieren lassen, was wir auf den letzten Seiten gesehen haben. Zuerst einmal sollte man hier wohl auf das Tool FurMark eingehen. Eine Anwendung, die eine GPU-Last erzeugt, die derzeit seines gleichen sucht – und das mit erheblichen Abstand. Der altgediente und dennoch gerne zur Bestimmung der Leistungsaufnahme herangezogene 3DMark06 kann nicht einmal ansatzweise in dieser Disziplin Paroli bieten – er gerät je nach Grafikkarte bis zu 20-30 Prozent ins Hintertreffen und tut dies praktisch schon seit Jahren, wenn man sich unsere Hinweise bezüglich der Messungen im Spiele-Benchmark-Parcour betrachtet. Doch Spiele zur Bestimmung der aktuellen Leistungsaufnahme von Grafikkarten heranzuziehen ist höchst unbequem. Entweder lassen sich Szenen schlecht nachstellen oder aber der Tester ist dazu verdammt auf die passende Szene im Benchmark zu warten. 3DMark06 ist mit all seinen Benchmark-Optionen hinsichtlich sich wiederholender Schleifen dagegen schon recht bequem.

FurMark ist gar noch bequemer, denn er erzeugt eine sehr konstante Last, wodurch die Grafikkarten keine Zeit zum verschnaufen bekommen, was sich natürlich auch auf die Temperatur auswirkt und somit indirekt auch auf die Leistungsaufnahme. Eine Anwendung, die derartige Anforderungen stellt, haben die Hersteller wohl nicht erwartet – zumindest nicht in der Öffentlichkeit, wenngleich wir ähnliche Applikationen im Hause AMD und NVIDIA vermuten. AMD reagierte hierbei sogar in Form einer Catalyst-Protection, welche die Belastung im Furmark künstlich begrenzt, insofern die Exe-Datei nicht umbenannt wurde.

Bild: Reale Leistungsaufnahme aktueller Grafikkarten von AMD und NVIDIA im Vergleich

Dass die Hersteller mit dem Furmark nicht gerechnet haben, zeigt sich zudem neben Verletzung der eigenen "TDP"-Angaben ebenso in teils gravierenden Überschreitungen der PCI-Express-Spezifikation. Mit ihren Dual-GPU-Karten zeigen sich beide Hersteller diesbezüglich von ihrer schlechtesten Seite. Über 200 Watt verlangt die AMD Radeon HD 4870 hierbei über den für 150 Watt ausgelegten 8-Pin-Stecker und auch NVIDIA bekleckert sich mit seiner GTX 295 nicht mit Ruhm: 104 Watt für den für 75 Watt spezifizierten 6-Pin-Stecker. Unsere Messungen zeigten: fast ausschließlich dann, wenn es um die Präsentation von Performance ging, liegen die Hersteller hart an ihren Grenzen oder überschreiten sie in unseren Messungen massiv. Die Mainstram-Modelle hingegen – dort wo man das Geld also verdient – verletzten sie trotz FurMark gesetzte Spezifikationen kaum, oder liegen gar darunter.

FurMark ist nicht praxisnah? Möglich, war dies 3DMark06 jemals? Ist dies Core2MaxPerf, Intel BurnTest – war es früher Prime95? FurMark ist ein synthetischer Benchmark und ein Stresstool! Es ist eine Software, welche sicherlich internen Testtools von Grafikkartenherstellern in nichts nachsteht und wer glaubt, dass eine TDP bei einem Hersteller eines solchen Produktes anhand von 3DMark-Loops entwickelt wird... nunja.

Generell scheinen die Hersteller bei der maximalen Aufnahme der High-End-Modelle keine Grenzen zu kennen. Aber auch in dem – für die Stromrechnung wichtigeren – Idle-Betrieb können nur wenige Modelle überzeugen. Bei den High-End-Modellen kann hier im Vergleich zu den Konkurrenten mit ähnlicher 3D-Leistung lediglich die GeForce GTX 285 mit rund 28 Watt punkten. Dass es auch anders geht, zumindest im Mittelklasse-Bereich, zeigt AMD mit seiner Radeon HD 4670, welche gerade einmal 8 Watt im Leerlauf benötigt und für den Gelegenheitsspieler ausreichend 3D-Performance bietet. Alles in allem bleibt abzuwarten, inwiefern sich die Green-IT-Entwicklung der letzten Jahre auch irgendwann im Grafikkarten-Sektor wirklich entfaltet – zu hoffen wäre es, gut stehen die Zeichen aktuell aber noch nicht.

[ls], 29. Januar 2009

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