ATI Radeon HD 5550: HTPC-Grafikkarten von Sapphire, PowerColor und HIS im Test

Grafikkarten | HT4U.net | Seite 10

Multimedia-König, aber kein HDTV?



Die Radeon-HD-5000-Serie wird gerne als die Multimedia-Lösung für HTPCs schlechthin angepriesen – und das sicherlich nicht ohne Grund. Denn schon die Features wie Hardwarebeschleunigung aller gängigen HD-Video-Codecs, Bitstreaming von HD-Audio mit bis zu acht Kanälen, und einer Reihe von Bildqualitäts-Features (Vektor-adaptives Interlacing, HQV-Score von 100 Punkten) wissen zu beeindrucken. Hinzu gesellt sich eine niedrige Leistungsaufnahme, welche geräuscharme – bei den kleineren Modellen wie der HD 5550 auch passive – Kühllösungen ermöglicht.

Bild: ATI Radeon HD 5550: HTPC-Grafikkarten von Sapphire, PowerColor und HIS im Test

Allerdings beziehen sich die Betrachtungen in aller Regel auf die Wiedergabe von Blu-ray-Scheiben, sprich absolut korrektem und fehlerfreiem Quellmaterial. Eine Voraussetzung, die für den Empfang von HDTV jedoch in keinster Weise angenommen werden kann. Die Übertragung per Satellit (DVB-S, DVB-S2), Funk (DVB-T) oder auch Kabel (DVB-C) unterliegt zahlreichen Störeinflüssen (z. B. Wetter bei Satellitübertragung), weshalb das Signal fehlerbehaftet beim Empfänger ankommt.

Bei der Wiedergabe dieses fehlerbehaftet Video-Materals gilt es nun für den Decoder die Fehler im Signal zu erkennen und möglichst gut vor dem Nutzer zu verschleiern (Error Concealment, zu deutschFehlerverdeckung). Und exakt dieser Punkt bereitet sämtlichen aktuellen ATI-Radeon-Modellen im Zusammenspiel mit dem Windows Media Center deutliche Probleme. Der integrierte Unified Video Decoder (UVD) produziert teils massive Bildartefakte, die besonders bei schnellen Bildwechseln vermehrt auftreten. Die nachfolgenden Screenshots zeigen beispielhaft die Problematik im Zusammenspiel mit dem derzeit aktuellsten Catalyst Treiber 10.6.

Bild: ATI Radeon HD 5550: HTPC-Grafikkarten von Sapphire, PowerColor und HIS im Test
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Artefakte beim Empfang von HDTV-Sendern auf aktuellen ATI-Modellen


Hierbei handelt es sich keinesfalls um vereinzelt fehlerhafte Bilder, Zeitspannen von 10 bis 20 Sekunden mit derartigen Artefakten, stellten bei unseren Tests keine Seltenheit dar. Da sich das Problem mittels Aufzeichnung des Video-Streams reproduzieren lässt, durften sich natürlich auch NVIDIA-Karten an diesem Stream versuchen. Im Gegensatz zu den AMD-Pendants hatten diese jedoch keine Probleme die Streams ohne sichtbare Bildfehler wiederzugeben.

In unserem Forum wurden wir bereits vor einigen Monaten auf dieses Problem aufmerksam gemacht, worauf wir AMD mit dem Problem konfrontierten. Bereits zum damaligen Zeitpunkt erklärte man uns, dass das Problem bekannt ist und man an einer Lösung arbeite. Auf eine erneute Anfrage im Zuge dieses Artikels, konnte man uns lediglich bescheinigen, dass es sich um kein Hardware-Problem handele. Insgesamt macht es den Anschein als habe die geschilderte Problematik für AMD keinen allzu hohen Stellenwert.

Als Workaround für Nutzer des Windows Media Centers kann die Hardwarebeschleunigung über die GPU deaktiviert werden. Hierfür kann der frei erhältliche DXVA-Checker herangezogen werden. Über die Tastenkombination Strg+M ist das Menü "Media Foundation Transforms" erreichbar. Über einen Rechtklick auf den Eintrag "Microsoft H264 Video Decoder MFT" öffnet sich ein Pop-Up-Menü, in welchem die Option "Enable DXVA" deaktiviert werden muss. Nach einem Neustart des Windows Media Center sollten nun sämtliche Dekodier-Vorgänge ausschließlich über den Software-Dekoder laufen, welcher ebenfalls keine Probleme mit derartigen HDTV-Signalen hat. Aufgrund der deutlich höheren CPU-Last ist dies jedoch alles andere als eine Ideallösung. Gerade schwachbrüstige Systeme – wie sie in HTPCs häufig anzutreffen sind – dürften mit der Dekodierung des HDTV-Signals bereits an ihre Grenzen gelangen.

Bild: ATI Radeon HD 5550: HTPC-Grafikkarten von Sapphire, PowerColor und HIS im Test
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Workaround: Deaktivierung der GPU-Hardwarebeschleungigung


Abschließend sei noch einmal darauf hingewiesen, dass die aufgezeigte Problematik lediglich den HDTV-Betrieb betrifft. Bei der Wiedergabe von Blu-ray-Material geben sich auch die AMD-Modelle keine Blöße.

Update 28.06.2010:

Die obigen Ausführungen beziehen sich auf das "Windows Media Center" und den von Windows mitgelieferten "Microsoft DTV-DVD Video Decoder". Während das Windows Media Center fest mit diesen voreingestellten Decoder arbeitet, bieten andere TV-Applikationen häufig die Möglichkeit den verwendeten Decoder selbst zu wählen. Für weitere Tests haben wir aus diesem Grund den im deutschen Raum beliebten DVBViewer in Kombination mit dem PowerDVD-Codec von Cyberlink getestet. Trotz aktivierter Hardwarebeschleunigung konnten wir in dieser Konstellation keine Bildfehler ausmachen.

Voraussetzung für die Nutzung des Decoders in anderen TV-Programmen ist die Installation von PowerDVD, allerdings genügt hierfür bereits die kostenlose Demo-Version der Software. Unproblematisch sind hierbei die Versionen 7 und 8 von PowerDVD, der H.264-Decoder der neueren Versionen 9 und 10 verbietet standardmäßig die Nutzung von anderen Programmen. Über die Windows-Registry ist es zwar grundsätzlich ebenfalls möglich andere Decoder für das Windows Media Center zu erzwingen, allerdings ist dies in diesem Fall nicht zu empfehlen, da Microsoft allem Anschein nach einige Funktionen fest an den eigenen Decoder koppelt. In unseren Tests konnten HDTV-Sender in dieser Konstellation überhaupt nicht empfangen werden.

 



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