AMDs 890GX-Chipsatz: Alter Norden, Neuer Süden

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AMD 890GX: Die Northbridge



Geht man rein nach dem Namen, so muss sich hinter dem 890GX-Chipsatz eine ganze Menge an Neuerungen verstecken, ist es doch der erste Chipsatz der neuen 800er-Serie. Auf den zweiten Blick erkennt man jedoch, dass nicht alles neu ist, denn insbesondere bei der Northbridge vertraut AMD auf Altbewährtes. Im Gegensatz dazu handelt es sich bei der eingesetzten SB850-Southbridge um eine komplette Neuentwicklung, die einige neue Features mitbringt. Aber der Reihe nach. Wollen wir uns erst einmal der Northbridge zuwenden.

Wie alle aktuellen Northbridges besitzt auch der entsprechende Chip des 890GX eine HyperTransport-3.0-Verbindung zur CPU und ein aus vier PCI-Express-2.0-Leitungen bestehendes Interface zur Southbridge, "A-Link Express III" genannt. Dieses besitzt mit 2 GByte/s in jede Richtung – also 4 GByte/s insgesamt – eine doppelt so hohe Bandbreite wie der Vorgänger "A-Link Express II", dessen Interface noch auf PCI-Express-1.1-Leitungen aufbaut. Damit trägt man vor allem der Unterstützung von SATA-III Rechnung, und schließt – zumindest für aktuelle Hardware – eine Limitierung der Chipsatzanbindung aus. Möglicherweise ist dies auch ein Grund dafür, dass USB 3.0 noch nicht integriert wurde, denn in diesem Fall hätte man wohl die Bandbreite nochmals erhöhen müssen.

Da sich bei AMD der Speichercontroller schon seit Jahren im Prozessor befindet, ist die einzige Aufgabe der Northbridge die Anbindung der Grafikkarte(n) sowie bei Bedarf die Bildberechnung mit Hilfe der integrierter Grafikeinheit. Außerdem muss die Northbridge die Kommunikation mit der Southbridge übernehmen.

Bild: AMDs 890GX-Chipsatz: Alter Norden, Neuer Süden


Somit ist der wohl interessanteste Aspekt bei der Northbridge des 890GX-Chipsatzes wohl dessen integrierte Grafikeinheit (iGPU). Diese basiert wie jene des im letzten Sommer vorgestellten 785G-Chipsatzes auf dem RV620-Chip. Dabei handelt es sich um eine leicht aufgebohrte Variante des RV610, der beispielsweise auf der diskretenRadeon HD 2400 oder der integrierten Radeon HD 3300 des 790GX-Chipsatzes zum Einsatz kam. Die Unterschiede zwischen dem RV610 und dem RV620 sind dabei recht gering. Beide besitzen jeweils vier ROPs und vier Textureinheiten sowie 40 Shadereinheiten, wobei jene des RV620 bereits DirectX 10.1 unterstützen, wohingegen der RV610 nur DirectX 10 beherrscht. Außerdem bringt der jüngere Ableger auch die zweite Version des Unified Video Decoders (UVD) mit.

890GX790GX785G780G760G
PEG-Lanes1616161616
PCIe-Lanes66666
Fertigung55 nm55 nm55 nm55 nm55 nm
Verbindung zur CPUHT3.0 (20,8 GByte/s)HT3.0 (20,8 GByte/s)HT3.0 (20,8 GByte/s)HT3.0 (20,8 GByte/s)HT3.0 (20,8 GByte/s)
Verbindung zur Southbridge4 PCIe-2.0-Lanes (2 GByte/s)4 PCIe-1.1-Lanes (1 GByte/s)4 PCIe-1.1-Lanes (1 GByte/s)4 PCIe-1.1-Lanes (1 GByte/s)4 PCIe-1.1-Lanes (1 GByte/s)
SouthbridgeSB850SB750SB710SB700SB710
iGPURadeon HD 4290Radeon HD 3300Radeon HD 4200Radeon HD 3200Radeon HD 3000
ChipRV620RV610RV620RV610RV610
Unified Shader40 (8*5)40 (8*5)40 (8*5)40 (8*5)40 (8*5)
Textureinheiten44444
ROPs44444
Takt700 MHz700 MHz500 MHz500 MHz350 MHz
DirectX10.11010.11010
UVD-Engine2121n.v.
Sideport-MemoryDDR3DDR3/DDR2DDR3/DDR2DDR3/DDR2n.v.
CrossfireJa (x8/x8)Ja (x8/x8)NeinNeinNein
Hybrid-CrossfireJaJaJaJaNein
BildausgängeDVI, VGA, DisplayPort, HDMIDVI, VGA, DisplayPort, HDMIDVI, VGA, DisplayPort, HDMIDVI, VGA, DisplayPort, HDMIDVI, VGA
Vergleich der Northbridges mit Grafikeinheit


Damit verhält sich die Northbridge des 890GX zu jener des 790GX wie die Northbridge des 785G zum entsprechenden Chip des 780G-Chipsatz. Oder anders ausgedrückt: Die Northbridge des 890GX ist die Northbridge des 785G mit einer iGPU, welche nun mit 700 MHz statt 500 MHz taktet. Bahnbrechende Neuerungen, die eine derartige Namensänderung von 790GX auf 890GX rechtfertigen, sind hier also nicht zu finden.

Wieder mit von der Partie beim 890GX ist auch das Sideport-Memory nun Performance Cache genannt. Dabei handelt es sich um einen DDR3-Speicher, der der iGPU zur Verfügung steht. Zusätzlich kann der Grafikprozessor allerdings auch noch auf den normalen Arbeitsspeicher zugreifen und sich von diesem einen Teil abzwacken. Dies ist sogar empfehlenswert, denn nur der Sideport-Speicher alleine bremst die iGPU doch deutlich ein. Als Käufer muss man jedoch darauf achten, dass der zusätzliche Speicher auch wirklich auf dem Mainboard vorhanden ist, denn AMD hat eine etwas sonderbare Regelung für den 890GX-Chipsatz getroffen. Hersteller die eine oder mehrere 890GX-Platinen mit Sideport-Speicher im Angebot haben, dürfen auch abgespeckte Versionen ohne diesen zuästzlichen Speicher ins Portfolio aufnehmen. Es ist hier also Vorsicht geboten.

Ebenfalls mit dabei ist der Support für Hybrid-Crossfire. Dieser beschränkt sich allerdings erneut lediglich auf die langsamsten Modelle, wobei AMD immerhin erkannt hat, dass es sinnvoll ist auch die neuen Grafikkarten-Serien zu unterstützen. So soll nun auch eine Radeon HD 5450 im Zusammenspiel mit der integrierten Grafikeinheit nutzbar sein. In Ermangelung einer solchen Grafikkarte konnten wir dies allerdings nicht nachprüfen. In einem Gespräch ließ AMD jedoch durchblicken, dass die Mischung aus einer aktuellen HD-5000-Grafikkarte und der iGPU eine sehr schwieriges Unterfangen ist und der aktuelle Status eher eine Technologie-Vorschau sei. Der Erfolg der Mischung hängt dabei nicht zuletzt ganz entscheidend vom verwendeten Spiel ab. Hier konnte uns AMD lediglich das Paradebeispiel HAWX nennen, welches man bereits im Rahmen der Eyefinity-Technologie zur Rate zog. Wie es somit um das Versprechen steht, welches AMD im Vorfeld des Launches des 785G-Chipsatzes gab, dass man in Zukunft Hybrid-Crossfire auch "dickere" Grafikkarte ausdehnen will, ist somit weiter ungewiss.

Bild: AMDs 890GX-Chipsatz: Alter Norden, Neuer Süden

Wie der 785G und der 790GX unterstützt auch der neue 890GX-Chipsatz die digitalen Ausgabestandards HDMI, DisplayPort und DVI, wobei HDMI und DVI nicht gleichzeitig genutzt werden können. Auch ein analoger VGA-Anschluss ist vorhanden. Während der 790GX noch auf den alten HDMI-Standard 1.2 setzt, besitzt der 890GX einige Erweiterungen des Nachfolgestandards 1.3. Eine vollständige Kompatibilität zur Version 1.3 ist allerdings nicht gegeben, denn dafür müsste der Chipsatz die Audio-Formate Dolby TrueHD und DTS-HD verlustfrei wiedergeben. Dies scheitert allerdings daran, dass integrierte Soundchip nach wie vor keinen geschützten Soundkanal (pap, protected audio path) bereitstellen kann. Somit wird das Signal auf 48 KHz und 16 Bit herunter gerechnet. Im Gegensatz zu den RV610-basierten Chipsätzen unterstützt der 890GX wie der 785G allerdings bis zu sechs statt zwei Kanäle bei Nutzung des LPCM-Formats. Die Desktop-Grafikkarten der Radeon-HD-4xxx- und Radeon-HD-5xxx beherrschen mittlerweile sogar 7.1-Sound, letztere unterstützen sogar die verlustfreie Audio-Wiedergabe.