AMDs 890GX-Chipsatz: Alter Norden, Neuer Süden

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AMD 890GX: Die iGPU



Wie wir gesehen haben, beschränken sich die Neuerungen beim 890GX-Chipsatz im Wesentlichen auf die Southbridge und hier vor allem auf SATA-III. Ob dies einen leistungsmäßigen Vorteil mit sich bringt, wollen wir gleich noch genauer unter die Lupe nehmen. Zuvor werfen wir aber noch einen Blick auf die Radeon HD 4290. Hierbei sind vorallem DirectX 10.1 und der UVD 2 sowie die Powerplay-Funktionalität als Besonderheiten zu nennen. Diesem Dreigestirn wollen wir uns nun noch kurz gesondert zuwenden, bevor wir zum Praxis-Teil des heutigen Tests kommen.


Radeon HD 4290


Wie bereits erwähnt basiert die Radeon HD 4290 wie die Radeon HD 4200 auf dem RV620-Chip, einer aufgebohrten Variante des RV610 die sich auch auf einer Radeon HD 3450 findet. Die meist beachtete Änderung neben dem Powerplay, auf welches wir weiter unten noch eingehen, ist dabei vermutlich DirectX 10.1. Der 890GX-Chipsatz ist dabei erst AMDs zweiter grafikfähiger Chipsatz, der überhaupt diese Technologie unterstützt.

Damit beherrscht die Grafikeinheit das Shader Model 4.1 und muss daher mit 4x MSAA umgehen können. Die Unterschiede zwischen DirectX 10 und DirectX 10.1, sind ansonsten allerdings so gering, dass wir sie hier nicht näher beleuchten wollen. Alle Neugierigen wollen wir an dieser Stelle auf den Launch-Artikel zur Radeon HD 3850 verweisen, in welchem wir diese Thematik ausführlicher beleuchtet haben.

Bild: AMDs 890GX-Chipsatz: Alter Norden, Neuer Süden
Details zur Radeon HD 4290


Wer viel mit Videos arbeitet wird sich über die Post-Processing-Funktionen der Radeon HD 4290 wie der Rauschunterdrückung freuen. Ebenfalls mit dabei sind Funktionen zum Deinterlacing, eine Pulldown-Erkennung sowie die Möglichkeit den Kontrast (Dynamic Contrast) und die Farbqualität (HD Flesh Tone Enhancement, HD Color Vibrance) zu verbessern. Neuerungen im engen Sinn sind dies allerdings nicht, denn bereits der 790GX-Chipsatz sowie das 785G-Modell unterstützen diese Features.

Bild: AMDs 890GX-Chipsatz: Alter Norden, Neuer Süden
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Unified Video Decoder 2.0


Das Abspielen einer Blu-ray oder HD-DVD stellt auf Grund der Verschlüssung des Materials sehr hohe Anforderungen an die Rechenleistung einer CPU. Besonders kleinere Prozessoren wie beispielsweise ein Sempron 140 oder ältere Modelle geraten hierbei auch schnell einmal an ihr Limit. Um diese Problematik zu umschiffen, sind aktuelle Grafikkarten in der Lage, dem Prozessor beim Dekodieren unter die Arme zu greifen, da Grafikkarten für ein solches Problem aufgrund der parallelen Architektur deutlich besser geeigneter sind.

Allerdings gibt es auch hier wieder Einschränkungen, welche die ganze Sachlage verkomplizieren, denn nicht alle Grafikkarten können auch wirkliche den kompletten Dekodierungsvorgang selbst berechnen. An dieser Stelle muss zwischen den einzelnen Video-Prozessoren unterschieden werden, welche auf den verschiedenen Modellen zum Einsatz kommen. Die nachfolgende Übersicht gibt dabei Aufschluss darüber, worin die Unterschiede zwischen der ersten und der zweiten Version des UVD bestehen.

UVDUVD 2
H.264 DekodierungJaJa
VC1 DekodierungJaJa
MPEG2 DekodierungJaJa
Dual Stream (PiP)NeinJa


Wie man sieht unterscheiden sich die beiden Version des UVD bei der Unterstützung der Dekodierung von VC1-, MPEG2- und H.264-Material nicht. Eine echte Neuheit des UVD 2 ist hingegen die Unterstützung der "Dual Stream"-Technologie. Diese ist dann nötig, wenn man zwei Video-Ströme gleichzeitig als so genanntes "Picture in Picture" (PiP) ausgeben möchte. Intern hat AMD allerdings noch an der ein oder anderen Stelle Optimierungen vorgenommen, so dass die neuste Version des Unified Video Decoders tendentiell leicht im Vorteil sein sollte.

Bild: AMDs 890GX-Chipsatz: Alter Norden, Neuer Süden


Powerplay


Ebenfalls mit dabei ist die Powerplay-Funktion für die integrierte Grafikeinheit. Abgesehen vom 790GX und 785G kennen alle bisher vorgestellte Desktop-Chipsätze für den Grafikprozessor nur eine einzige Taktstufe, weshalb der Pixelbeschleuniger, auch ohne dass er aufwändige Berechnungen durchführt, stets mit voller Frequenz arbeitet. Der 890GX bzw. dessen integrierte Radeon HD 4290 besitzt hingegen die Möglichkeit die Taktrate dynamisch an die Lastsituationen anzupassen, was neben einem reduzierten Energieverbrauch auch zu einer geringeren Wärmeentwicklung führt.

Die iGPU kennt zwei Betriebszustände, die sich neben einem unterschiedlichen Kerntakt – 500 MHz und 700 MHz – auch bei der Versorgungsspannung unterscheiden. Diese liegt im Modus mit abgesenktem Takt bei 1,1 Volt, bei den vollen 700 MHz bei 1,3 Volt. Die Spannungsabsenkung ist ein absolutes Novum im Chipsatz-Bereich und sollte der Energieeffizienz sehr zuträglich sein. Warum man allerdings im Idle nicht wie beim 785G-Chipsatz den Takt auf 200 MHz reduziert ist fraglich, denn so hätte man sicher noch ein paar Watt mehr einsparen können.

AMD 890GXAMD 790GXAMD 785GAMD 780G
iGPURadeon HD 4290Radeon HD 3300Radeon HD 4200Radeon HD 3200
Taktrate – Idle500 MHz500 MHz200 MHz500 MHz
Taktrate – Last700 MHz700 MHz500 MHz500 MHz
Spannung – Idle1,1 Volt1,3 Volt1,1 Volt1,15 Volt
Spannung – Last1,3 Volt1,3 Volt1,1 Volt1,15 Volt


Aktuell sind kaum Tools in der Lage die Taktraten der Grafikchips korrekt auszulesen weshalb wir zu diesem Zweck auf AMDs Overdrive-Software zurückgegriffen haben. Der nachfolgende Screenshot zeigt dabei die möglichen Taktfrequenzen, als auch den aktuellen Status der GPU an.

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