AMDs Llano-APU A8-3850 im Test - Gelegenheitsspieler aufgepasst

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Der Kern: Turbo CORE 2.0


Eine weitere Neuerung, die einige Llano-Ableger mitbringen, ist der verbesserte Modus "Turbo CORE". Die erste Version führte AMD seinerzeit mit dem Phenom II X6 ein, welcher bei Auslastung von maximal der Hälfte der Kerne den Takt um 500 MHz steigern konnte. Dieses Verhalten war jedoch äußert starr, was gleich mehrere Nachteile mit sich brachte. So zog man beispielsweise keine Informationen über den aktuellen Energieverbrauch oder die aktuellen Temperaturen heran, so dass der Turbo-Modus auch in kritischen Situationen hätte aktiviert werden können, oder es wurde Potential in unkritischen Situation verschenkt. Auch das Wandern der Threads von einem Kern zum anderen bekommt den Phenom-II-X6-Modellen nicht gut, denn häufig können sie dadurch ihren Turbo-Modus nicht ausnutzen. Aus all diesen Gründen hat AMD an dieser Technik ordentlich gearbeitet und führt mit Llano nun sozusagen "Turbo CORE 2.0" ein.


"Power Gating"


Eine grundlegende Technik um den Turbo möglichst effizient zu nutzen, aber auch um den Energieverbrauch – insbesondere im Idle – stark zu reduzieren, ist das sogenannte "Power Gating". Wird ein Kern nicht genutzt, so kann man diesen bei Llano komplett von der Energieversorgung trennen (power gaten), so dass dieser Kern keinerlei Energie mehr verbraucht. Dies senkt dabei nicht nur den Energieverbrauch des Chips, sondern erweitert auch den Taktspielraum des Turbo-Modus.

Bild: AMDs Llano-APU A8-3850 im Test – Gelegenheitsspieler aufgepasst

Neben den Kernen kann Llano dabei auch den UVD (Unified Video Decoded) und die iGPU komplett abschalten. Damit schließt AMD zumindest auf dem Papier in Sachen Energiespartechniken die Lücke zu Intels "Sandy Bridge"-Flotte. Ob es auch in der Praxis so ist, werden wir später noch sehen.


Der APU Power Manager (APM)


Neben der Einführung von "Power Gating" zur Reduktion des Energieverbrauches und zur Erhöhung der Taktfreiheiten, hat AMD mit Llano auch einen "APU Power Manager" kurz APM eingeführt, welcher ähnliche Aufgaben wie Intels "Power Control Unit" (PCU) besitzt. So überwacht der in der integrierten Northbridge beherbergte APM permanent den Energieverbrauch der Prozessorkerne, der iGPU sowie der restlichen Einheiten und passt die Taktfrequenzen der Prozessorkerne dynamisch an die Auslastung unter Berücksichtigung des Energieverbrauches an. Ebenfalls von Bedeutung sind die Temperaturen der Prozessorkerne, die daher gleichfalls überwacht werden.

Bild: AMDs Llano-APU A8-3850 im Test – Gelegenheitsspieler aufgepasst


AMD ist dabei besonders stolz auf die Verwendung digitaler "Sensoren" zur Ermittlung des Energieverbrauches. Allerdings handelt es sich dabei wie in obigem Bild zu sehen, nicht um Sensoren, die direkt den Energieverbrauch bestimmen. Stattdessen überwacht man die Aktivitäten der einzelnen Einheiten innerhalb des Prozessors und ermittelt aus diesen Näherungsweise den aktuellen Verbrauch. Dies hat zwar Vorteile in Sachen Chipfläche, weil keine "großen" Analog-Sensoren (die z. B. Intel verwendet) verbaut werden müssen, hat aber Nachteile bei der Genauigkeit. Eine ähnliche Methode kommt bereits bei AMD-Grafikkarten mit PowerTune-Technik zum Einsatz. Allerdings fällt diese auf Grafikkarten noch etwas umfangreicher aus.

Schlussendlich steuert der APM damit dynamisch die Taktrate der Prozessorkerne in Abhängigkeit von Auslastung, Temperatur und Energieverbrauch. Die in der Modellübersicht angegebenen maximalen Taktraten bei Verwendung des Turbo-Modus beziehen sich dabei auf die Auslastung aller Kerne. Im Falle des A8-3800 steigt somit selbst bei Verwendung von vier Kernen der Takt von 2,4 GHz auf 2,7 GHz, sofern es die Rahmenbedingungen erlauben.

Die Taktfrequenzen der iGPU sind hingegen nicht steigerbar und können nicht durch den Turbo-Modus angepasst werden. Einzig Taktabsenkungen zu Energiesparzwecken sind hier möglich. Allerdings kann die Auslastung der iGPU theoretisch dazu führen, dass die Kerne nicht mehr ihren vollen Takt ausnutzen können, da sonst der Energieverbrauch der kompletten APU über dem zulässigen Maximum liegt.

Unverständlich ist aus unserer Sicht jedoch AMDs Produktpolitik im Hinblick auf den Turbo-Modus. So unterstützen diesen lediglich zwei Modelle und dies trotz des Umstandes, dass immer noch die Mehrheit aller Programme nur wenige Kerne verwendet. Offenbar, lässt es die aktuelle Fertigung jedoch nicht zu, mehr als 2,9 GHz aus dem noch jungen 32-nm-Prozess herauszuholen, was unsere Übertaktungstests bestätigen.

Leider können wir heute die hier angesprochenen Verbesserungen und Funktionen nicht testen, denn unser Llano-Testsample unterstützt keinen Turbo-Modus. Varianten mit Turbo-Modus hat AMD nicht an die Presse verteilt, da man der Meinung ist, dass der A8-3850 bzw. der A6-3650 interessanter ist. Ein sicherlich strittiger Standpunkt.


 

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