AMDs Llano-APU A8-3850 im Test - Gelegenheitsspieler aufgepasst

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Betrieb abseits des Specs


Ein immer wieder sehr interessanter und aufregender Aspekt an einem neuen Prozessor ist das Ausloten des Grenzbereiches. Bis zu welchem Takt läuft das System noch stabil? Wie weit kann man die Spannung absenken, ohne das es zu Problemen kommt? Eben jene Fragen wollen wir auf dieser und der nächsten Seite beantworten.

Vergleicht man die gemessene Versorgungsspannung unseres A8-3850 mit jener der letzten Phenom-II- und Athlon-II-Modelle, so fällt auf, dass die des A8-3850 mit 1,40 Volt zu den höchsten je gemessenen Spannungen gehört und dies trotz des niedrigen Taktes und der 32-nm-Fertigung, die eigentlich geringere Spannungen erlauben sollte. Daher waren wir umso mehr gespannt, wo denn nun die wahren Grenzen unseres Testmuster liegen.

Übertakten (Referenztakt)


Beginnen wollen wir dabei zunächst mit dem Übertakten. Die Versorgungsspannung haben wir dabei auf dem Standardwert belassen – also 1,40 Volt und als erstes war es unser Ziel das Maximum des Referenztakt auszuloten. Auf eine Steigerung der Versorgungsspannung haben wir verzichtet, da diese ohnehin schon sehr hoch ist.

In einem ersten Durchgang haben wir den analogen Monitorausgang, welcher über den Hudson-Chipsatz bereitgestellt wird, verwendet. In dieser Konfiguration konnten wir den Referenztakt jedoch nicht einmal um 5 MHz steigern. Höhere Taktfrequenzen führten dazu, dass kein Bild mehr ausgegeben wurde. Offenbar entkoppelt AMD einige Taktsignale nicht vom Referenztakt, so dass diese automatisch mit angehoben werden, wenn der Referenztakt erhöht wird. Für das analoge Display-Interface ist dies dann wohl zu viel.

Ein wenig erinnert die Geschichte dabei, an die die Problematik rund um Intels aktuelle "Sandy Bridge"-Prozessoren bzw. Chipsätze. Bei diesen gibt es nur einen einzigen Taktgeber welcher im Chipsatz untergebracht ist und alle Taktsignale (z.B für SATA, USB, PCIe, usw.) sind an den Referenztakt gekoppelt, so dass eine Steigerung der Referenzfrequenz nahezu unmöglich ist.

AMD geht augenscheinlich nicht ganz so weit, denn wenn man einen digitalen Monitorausgang verwendet, erreicht man durchaus beachtliche Taktsteigerungen. So war es uns in diesem Fall ohne Probleme möglich den Referenztakt auf 115 MHz, also 15 Prozent oberhalb der Spezifikationen, zu betreiben. Der Takt der Prozessorkerne stieg damit von 2,9 GHz auf 3,33 GHz und der Takt der iGPU lag bei 690 MHz. Letzteres bestätigt zwar keine Software, die unten folgenden Übertaktungsergebnisse zeigen jedoch eindeutig, dass auch die iGPU deutlich übertaktet wurde. Mehr als 3,33 GHz Kerntakt waren jedoch nicht möglich, angesichts der anliegenden Spannung und der fortschrittlichen 32-nm-Technologie ist dies eine kleine Enttäuschung bedenkt man die erzielten Taktraten der 45-nm-Vorgänger. Dies spricht erneut nicht gerade für die aktuelle Fertigung gepaart mit dem Design von Llano.

Bild: AMDs Llano-APU A8-3850 im Test – Gelegenheitsspieler aufgepasst
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Max. CPU-Taktmax. Referenztakt


Bedingt durch die Übertaktung steigt natürlich auch die Performance an. Da bei einem Referenztakt der Speichertakt als DDR3-1840 gewählt werden kann, gibt es bei der Speicherbandbreite kaum Einbußen, so dass die zusätzlichen MHz einzig und allein in eine höhere Leistung umgesetzt werden. Sowohl im Falle der iGPU als auch im Falle der Prozessorkerne ist somit eine Leistungssteigerung von etwa 15 Prozent zu erwarten. Bei der integrierten Grafikeinheit fallen die Resultate teilweise sogar noch besser aus, da auch die Interfaces und Einheiten innerhalb der APU übertaktet werden und somit die effektive Speicherbandbreite ansteigt, was die nachfolgenden Ergebnisse auch bestätigen.

Kurz vor Fall des NDAs erreichte uns dann noch ein Hinweis zum Übertakten mittels des Referenztaktes. Wie bereits weiter oben angedeutet werden einige Taktraten an den Referenztakt mittels fixer Multiplikatoren geknüpft. Offenbar werden diese jedoch bei Erreichen gewisser Takt-Schwellen automatisch verringert. Zu Core-2-Zeiten nannte man diesen Phänomen auch gerne FSB-Straps. Ein solcher Strap scheint dabei bei 133 MHz zu starten, denn mit der BIOS-Version 1.30 erlaubte uns das ASRock A75 Pro4 bei Verwendung des digitalen Monitoranschlusses mit einem Referenztakt von 133 MHz zu starten, aber nicht mit Werten zwischen 120 und 132 MHz. Durch die Übertaktung des Referenztaktes steigt der iGPU-Takt natürlich nochmals verglichen zu den obigen Werten auf 798 MHz. Auch hierzu haben wir in dem Vergleich die Ergebnisse dargestellt.

Übertaktungsergebnisse der iGPU


Übertaktung [nur DX11-Titel]
Stalker: Call of Pripyat [DirectX 11, hohe Details, Day, 1680x1050]
Colin McRae Rally: Dirt 2 [DirectX 11, mittlere Details, 1680x1050]
Formel 1 2010 [DirectX 11, hohe Details, 1680x1050]
AMD Radeon HD 6550D
[798 MHz, DDR3-1772]
22,4
46,9
50,4
AMD Radeon HD 6550D
[690 MHz, DDR3-1840]
20,7
43,5
48,8
AMD Radeon HD 6550D
[600 MHz, DDR3-1866]
16,8
33,9
38,5
Frames per Second [mehr ist besser]


Übertakten (Multiplikator)


Eine weitere Möglichkeit ist das Übertakten über den Multiplikator. Zwar sollte dieser eigentlich gesperrt sein, doch sowohl auf dem ASRock A75 Pro4 als auch auf dem F1A75-V Pro von ASUS standen uns auch höheren Multiplikatoren bis zu 36 bzw. gar 47 zur Verfügung. Wählt man diese maximalen Werte aus, bootet das System auch anstandslos und zahlreiche Überwachungstools wie zum Beispiel CPU-Z unter Windows auch bestätigen ebenso die erfolgreiche Übertaktung wie der Boot-Screen oder das BIOS selbst. Startet man jedoch Benchmarks, wie etwa einen LinPack-Durchlauf, zeigt sich, dass die Leistung unverändert ist. Die angezeigt Übertaktung ist somit nicht real, in Wahrheit läuft die APU unverändert mit ihrem Standardtakt. Hier liegt also ganz offensichtlich noch ein Problem zwischen BIOS und Betriebssystem vor, welches hoffentlich mit einer der nächsten BIOS-Versionen adressiert wird. Interessant ist dabei der Umstand, dass es gleich beide unserer Mainboards erwischt hat – ein Schelm wer hier Böses denkt...

Bild: AMDs Llano-APU A8-3850 im Test – Gelegenheitsspieler aufgepasst
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Erfolgreicher Bootvorgang mit einem Multiplikator von 47. Doch die 4,7 GHz sind nicht real, wir die Benchmark-Ergebnisse zeigen.



 

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