Ein Lückenfüller mit Ambitionen - AMDs Brazos-Plattform im Test

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Die iGPU: Multimedia-Eigenschaften


Obwohl die integrierte Grafikeinheit auf der Architektur der Radeon-HD-5000-Serie fußt verfügt sie bereits über den neuen Unified Video Decoder 3.0, der erst in der Radeon-HD-6000-Familie Verwendung findet. Der Unified Video Decoder übernimmt dabei die Hardware-Beschleunigung beim Dekodieren von Video-Strömen.

Die wesentlichste Neuerung des UVD 3.0 betrifft die Unterstützung der Hardware-Dekodierung von Multiview Video Coding (MVC), welches bei Blu-ray-3D-Filmen anzutreffen ist. Leider wird dieses Feature jedoch nicht(!) in den Zacate- und Ontario-APUs unterstützt. Ebenfalls neu – und auch unterstützt – ist die Hardware-Beschleunigung von MPEG4 Part 2 (DivX, Xvid) deren CPU-Anforderungen allerdings ohnehin nicht sonderlich hoch sind. Zusätzlich wurde das Hardware-Decoding von MPEG2 um die Entropie-Stufe erweitert. Einen Vergleich der Fähigkeiten der unterschiedlichen UVD-Versionen im Hinblick auf das Video-Decoding liefert das nachfolgende Schaubild.

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HDTV: Endlich frei von Artefakten


Neben der Beschleunigung der Decodierung hat der UVD jedoch noch eine weitere sehr wichtige Aufgabe. So ist er auch dafür verantwortlich fehlerhafte Daten im Video-Material zu erkennen und deren Auswirkungen so gut es geht vor dem Anwender zu verstecken Error Concealment, zu deutsch: Fehlerverdeckung). Während fehlerhaftes Video-Material bei Blu-Rays eher selten vorkommt, ist dies bei HDTV mittels einer Satelliten- oder Antennen-Anlage (DVB-S2 bzw. DVB-T) jedoch an der Tagesordnung. Dabei werden die Fehler im Datenstrom hauptsächlich durch atmosphärische Störungen wie beispielsweise dem Wetter verursacht.

Bisher stellte diese Fehlerverschleierung in Kombination mit aktiver Hardware-Beschleunigung und der Verwendung des Windows Media Centers jedoch eine große Hürde für AMD-basierte Grafikkarten dar. Dadurch kam es zu sehr störenden und häufig auftretenden Bildartefakten bei der Wiedergabe.

Seit der Catalyst-Treiber Version 10.12 können wir allerdings in dieser Sache Entwarnung geben, denn AMD hat das Problem treiberseitig behoben. Da die integrierte Grafikeinheit der Zacate- bzw. Ontario-Prozessoren zudem die Verwendung des Catalyst 11.1 erfordert, sollte damit dem uneingeschränkten HDTV-Genuss nichts mehr im Wege stehe.

Bis Catalyst 10.11Seit Catalyst 10.12 (und damit für Brazos)
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Video-Encoding und HD-Audio


Das Video-Encoding wird hingegen nicht vom UVD übernommen. AMD stellt dafür eine extra API basierend auf "Accelerated Parallel Processing" ehemals als "Stream" bekannt, AMDs Programmiersprache um Berechnungen auf der Grafikkarte bzw. deren Shadern auszuführen, bereit. Damit obliegt es schlussendlich den Software-Anbieter ob Video-Encoding auf der integrierten Grafikeinheit möglich ist, oder nicht.

Zu guter Letzt ist noch erwähnenswert, dass die verlustfreie Wiedergabe von HD-Audio-Strömen via Bitstrom möglich ist. Für den vollkommenen Genuss von Audio und Video stellt die Brazos-Plattform somit (fast) alles bereit. Ob es die praktische Umsetzung dabei auch überzeugen kann, werden die nächsten Seiten klären.