Ein Lückenfüller mit Ambitionen - AMDs Brazos-Plattform im Test

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Praxis: Video-Beschleunigung


Nachdem wir nun also wissen, dass die integrierte Grafikeinheit des E-350 in den meisten Fällen nicht genug Leistung liefert um halbwegs moderne Spiele bei mittleren Detailstufen flüssig darzustellen, bleibt somit als einziges sinnvolles Einsatzszenario für die integrierten Grafiklösungen der Betrieb in Office- und Multimedia-Rechnern – eben dieses Szenario ist dabei auch von AMD als Zielsegment auserkoren worden. Insbesondere soll der integrierte Beschleuniger dabei durch seine Fähigkeiten bei Video-De- und Encoding überzeugen. Wie wir im Theorie-Teil dazu gesehen haben, hat AMD dabei durchaus einige Anstrengungen unternommen, dass man hier glänzen kann. Doch gelingt dies auch in der Praxis? Dazu wollen wir uns zunächst den Bereich der Video-Decodierung ansehen.


Video-Decoding


Um die Hardware-Decoding-Eigenschaften des neuen Beschleunigers untersuchen zu können haben wir verschiedene Blu-Ray-Videos bei aktiver bzw. inaktiver Hardwarebeschleunigung der iGPU abgespielt und währenddessen die CPU-Auslastung aufgezeichnet. Als Wiedergabe-Software kam dabei ArcSofts TotalMedia Theatre zum Einsatz.

Video-Decoding
James Bond – Ein Quantum Trost [H.264]
ohne HW-Beschleunigung
91
mit HW-Beschleunigung
[Radeon HD 6310]
26
mit HW-Beschleunigung
[Radeon HD 5450]
25
CPU-Last


Video-Decoding
Batman Begins [VC1]
ohne HW-Beschleunigung
66
mit HW-Beschleunigung
[Radeon HD 5450]
16
mit HW-Beschleunigung
[Radeon HD 6310]
16
CPU-Last


Video-Decoding
Das geheime Fenster [MPEG2]
ohne HW-Beschleunigung
58
mit HW-Beschleunigung
[Radeon HD 5450]
29
mit HW-Beschleunigung
[Radeon HD 6310]
22
CPU-Last


Wie die Ergebnisse zeigen, ist der Unterschied zwischen aktiver und inaktiver Hardware-Beschleunigung durchaus signifikant. Ohne Hardware-Beschleunigung mit Hilfe des Unified Video Decoders (UVD) verkommt beispielsweise "James Bond: Ein Quantum Trost" zu einer schnelleren Dia-Show – Filmgenuss mag da nicht aufkommen. Mit aktiver Hardware-Beschleunigung sind hingegen alle Blu-Rays problemlos abspielbar. Im Vergleich zu einer diskreten Radeon HD 5450 mit der zweiten Version des UVD schlägt sich die integrierte Lösung mit dem UVD 3.0 sehr gut. Insbesondere bei der Wiedergabe des MPEG2-Codecs zeigt sich hier ein deutlicher Vorteil zu Gunsten der neuen Version.

Wer sich nun fragt, wie es denn bei Intels Atom-System aussieht, dem sei gesagt, dass kein einzige Blu-Ray mit keiner einzigen Abspielsoftware wiedergegeben werden konnte. Heim-Kino und Atom sind somit in der hier getesteten Konfiguration ohne zusätzlichen Grafikbeschleuniger nicht vereinbar. Einzige Lösung scheint hier der Griff zu einem System mit NVIDIAs ION-Chipsatz zu sein.


Video-Encoding


Neben dem Video-Decoding kann die integrierte Grafikeinheit wie erwähnt auch zum Kodieren von Video-Material eingesetzt werden. Dabei übernimmt der Unified Video Decoder das Dekodieren des Datenstroms und anschließend übernehmen unter anderem auch die Shader die Kodierarbeit.

Um die Eignung der Zacate-APU für dieses Einsatzgebiet zu evaluieren haben wir ein HD-Video im Full-HD-Format in das H.264-Format umgewandelt. Einmal haben wir dabei die Umrechnung mit Hilfe der Prozessorkerne vorgenommen und ein anderes Mal mit Hilfe des integrierten Beschleunigers. Zum Vergleich haben wir das gleiche Video auch noch einmal mit der diskreten Radeon HD 5450 codiert. Als Software kam ArcSofts MediaConverter zum Einsatz.

Video-Encoding
H.264-Encoding [1920x1080]
H.264-Encoding [320x240]
AMD E-350
[CPU]
363
39
AMD E-350
[Radeon HD 6310]
208
18
AMD E-350
[Radeon HD 5450]
206
18
Sekunden


Erneut sind dabei die Vorteile zu Gunsten der integrierten Grafikeinheit sehr deutlich. Zudem sinkt die CPU-Last von 100 Prozent auf unter 70 Prozent. Dennoch bleiben die Kerne weiterhin recht stark ausgelastet, was wohl an der Stream-Umsetzung des Konverters liegt. Die Qualität der erzeugten Videos kann sich in unserer Meinung nach mit jener der CPU-Version vergleichen lassen.