Ein Lückenfüller mit Ambitionen - AMDs Brazos-Plattform im Test

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Takt, Temperaturen & Spannungen


Wenden wir uns nun unserem heutigen Testexemplar, dem E-350 selbst zu. Im Folgenden wollen wir nun kurz dieses Muster vorstellen. Die erwähnten Spannungen sind dabei auf dem M35M1-M Pro von ASUS, auf welches die APU aufgelötet ist, abgenommen worden.

Beim Blick auf die Taktfrequenzen fällt als erstes auf, dass der Grundtakt – anders als sonst von AMD gewöhnt – bei 100 MHz liegt. Zusammen mit einem Multiplikator von 8 ergibt sich damit der AMD-typische Idle-Takt von 800 MHz für die Prozessor-Kerne. Der L2-Cache läuft dann mit 400 MHz. Unter Last besitzt der E-350 dann eine Taktfrequenz von 1,6 GHz, was einen L2-Cache-Takt von 800 MHz ergibt. Die Taktrate des integrierten Grafikbeschleunigers im Idle ist indes bisher nicht bekannt, da bisher keine Software die Taktraten der iGPU auslesen kann.

Daher sind auch deren Taktraten beim Abspielen von Blu-Rays oder beim Spielen (noch) unbekannt. Da der integrierte Grafikbeschleuniger jedoch über eine konstante Versorgungsspannung von 1,05 Volt verfügt, gehen wir aktuell nicht davon aus, dass die iGPU verschiedene Taktstufen besitzt. Sehr wahrscheinlich wird die integrierte Grafiklösung hingegen konstant mit 500 MHz betrieben.

Ebenfalls konstant ist im Übrigen die Versorgungsspannung für den integrierten Speichercontroller. AMD sieht für diesen 1 Volt vor, was bei uns in der Praxis in 0,97 Volt resultierte.

Bild: Ein Lückenfüller mit Ambitionen – AMDs Brazos-Plattform im Test

Die Versorgungsspannung für die Kerne liegt da unter Last schon deutlich höher. Als Last-VID besitzt unser Exemplar eine Spannung von 1,30 Volt. In der Praxis sind dies dann 1,32 Volt. Vergleicht man diese Versorgungsspannung mit gängigen Prozessoren so fällt auf, dass diese für den geringen Takt sehr hoch ausfällt. Verantwortlich dafür dürfte die Fertigung bei TSMC sein, die auf einen 40-nm-Prozess im Bulk-Verfahren setzen. Außergewöhnlich hoch ist die VID unseres Exemplars dabei gar nicht einmal, denn AMD nennt als Bereich für die Last-VID Spannungen zwischen 1,25 Volt und 1,35 Volt. Man darf gespannt sein, ob sich dies negativ auf die Leistungsaufnahme auswirkt. Im Idle wird die Spannung hingegen extrem weit abgesenkt. Bei ruhendem Desktop haben wir 0,52 Volt gemessen. Bemerkenswert!

AMD E-350
IdleKerne + L2-Cache0,52 Volt
GPU1,05 Volt
IMC0,97 Volt
LastKerne + L2-Cache1,32 Volt
GPU1,05 Volt
IMC0,97 Volt


Unser "E35M1-M Pro"-Mainboard von ASUS setzt zur Kühlung von Prozessor und Chipsatz einen großen passiven Kühlkörper ein, der bei Bedarf um einen Lüfter erweitert werden kann. Bei Standardbetrieb war dies bei uns jedoch nicht notwendig. Zwar wurden unter Volllast die Prozessorkerne sehr warm – immerhin erreichten wir 83 °C – jedoch sind diese Kerntemperaturen offenbar noch als unkritisch anzusehen. Weder senkte die CPU die Taktraten ab (throtteln) noch gabs es eine Notabschaltung. Daher halten wir die 100 °C, die CoreTemp als maximal zulässige Temperatur angibt, für glaubhaft. AMD haben wir dazu bereits befragt, auf eine Antwort warten wir allerdings noch.

Bild: Ein Lückenfüller mit Ambitionen – AMDs Brazos-Plattform im Test

Der Temperatursensor des E-350 scheint dabei korrekt zu arbeiten. So haben wir mit unserem Infrarot-Thermometer von Tenma am Kühler Temperaturen von rund 60 °C gemessen, was die ausgelesenen Werte bestätigt. Ob AMD damit das Auslese-Problem seiner aktuellen Desktop-Prozessoren aus den Athlon-II- und Phenom-II-Familien in den Griff bekommen hat, können wir anhand einer CPU allerdings nicht beurteilen.