Ein Lückenfüller mit Ambitionen - AMDs Brazos-Plattform im Test

Prozessoren | HT4U.net | Seite 36

Fazit


Selten in den letzten Jahren hatten wir einen Prozessor in unserem Testlabor, der so langsam wie AMDs E-350 zu Werke geht. Doch schnell soll er ja auch gar nicht sein. Vielmehr soll er als Bestandteil der Brazos-Plattform günstig sein, wenig Energie verbrauchen und dennoch genug Leistung bieten um problemlos HD-Videos genießen zu können, oder alltäglichen Office-Tätigkeiten nachzugehen. Doch ist dieses Vorhaben gelungen?

Um dies herauszufinden, haben wir in unserem heutigen Test sowohl die Prozessorleistung intensiv begutachtet, als auch die Performance der integrierten Grafikeinheit analysiert und den Energieverbrauch in verschiedenen Lastzuständen bestimmt. Wie eingangs erwähnt, ist die Prozessorleistung für sich genommen nicht überragend. Zwar liegt man im Schnitt 20 Prozent vor einem Intel Atom D525 mit zwei Kernen und Hyperthreading, doch ebenso groß ist der Rückstand auf einen Athlon 64 X2 mit 1,6 GHz. Ein aktueller Athlon II X2 ist mit 1,6 GHz nochmals 20 Prozent schneller, ein Pentium auf "Sandy Bridge"-Basis dürfte sogar doppelt so schnell wie der Zacate-Prozessor sein, bei gleichem Takt wohlgemerkt. Dennoch reicht die Leistung des E-350 für alltägliche Aufgabe aus. Mehr wollten wir mit dieser CPU jedoch auch nicht machen. Festhalten muss man aber auch, dass für dieses Tätigkeitsfeld auch ein Zweikern-Atom-Prozessor ausreicht.

Bild: Ein Lückenfüller mit Ambitionen – AMDs Brazos-Plattform im Test

Dafür fehlt den Atom-Prozessoren eine integrierte Grafikeinheit, die HD-Videos beschleunigen kann, oder die digitale Video-Ausgänge bereitstellt. An dieser Stelle landet AMD hingegen einen Volltreffer, denn der integrierte Beschleuniger ermöglicht die problemlose Wiedergabe von HD-Videos, kann verlustfrei HD-Audio-Ströme wiedergeben und kann dank 80 Shadereinheiten sogar für das Enkodieren von Videomaterial verwendet werden. Für moderne Spiele reicht die Leistung jedoch nicht aus, was vor allem an der geringen Speicherbandbreite und der Prozessorleistung liegt. Aus diesem Grund fragen wir uns allerdings auch, warum AMD hier nicht noch weniger Shader-Einheiten verbaut hat, dem Energieverbrauch käme dies sicherlich zu Gute. Etwas schneller sind die Beschleuniger in Intels Pentium-Prozessoren oder jener in AMDs 890GX-Chipsatz, doch auch damit ist Spielen nur sehr bedingt möglich, so dass wir dies nicht als Vorteil sehen. Man könnte daher von einem Unentschieden zwischen AMDs Brazos-Plattform und den klassischen Desktop-Systemen in Sachen Grafikeinheit sprechen.

Somit bleibt als letztes interessantes Kriterium neben dem Preis, der Energieverbrauch. Zwar agierte unser Atom-System unter Last geringfügig sparsamer als das Brazos-System doch angesichts der größeren Platine und der umfangreicheren Ausstattung von letzterem darf man hier wohl durchaus von einem Gleichstand zwischen Intels Atom- und AMDs Brazos-Plattform (Atom D525, AMD E-350) sprechen. Mit 26 Watt im Idle und 47 Watt im Worst-Case, ist dies dann auch die Disziplin in der man alle anderen Konkurrenten deutlich distanzieren kann. Wer jedoch etwas Zeit und Muse besitzt, kann mit Undervolting und Taktabsenkungen auch den Energieverbrauch von sparsamen Desktop-Systemen auf ein ähnlich geringes Niveau wie bei Brazos drücken.

Auf der Habenseite des Brazos-Systems stehen überdies der Erwerb eines fertig zusammengebauten Mainboards mit Prozessor samt Kühler – teilweise sogar passiv, so dass sich der Anwender nur noch Speicher einbauen und seine Laufwerke anschließen muss. Komfortabler geht es fast nicht. Hinzukommt der Umstand, dass Brazos-Platinen auch im ITX-Format erhältlich sind, und damit wesentlich kompaktere Computer möglich sind. Gerade für "Wohnzimmer"-PCs ein nicht zu verachtender Umstand. Insgesamt liefert die Brazos-Plattform damit aktuell das "einfachere" und somit rundere Gesamtpaket ab.

Wer mit dem Gedanken spielt sich ein Brazos-System zuzulegen, für den mag dabei auch ein Mainboard mit Ontario-APU also einem C-50 oder C-30 interessant sein, denn gegenüber dem von uns getesteten System mit Zacate E-350 Prozessor sollte die Leistungsaufnahme nochmal deutlich geringer ausfallen. Für das angesprochene Zielsegment sollte die Leistung dieser Modelle – insbesondere des C50 – dennoch ausreichen. Leider haben wir bisher jedoch keine solchen System auf dem Markt entdecken können. Intels aktuelle Atom-Lösung ist in unseren Augen hingegen keine echte Alternative, es sei denn die Anschaffungskosten für eines der oben genannten Systeme sind zu hoch, denn der Preis ist aktuell wohl der letzte Trumpf der jetzigen Atom-Generation. Allerdings sollte sich AMD nicht auf diesen Vorschusslorbeeren ausruhen und die schlechte Verfügbarkeit schnell verbessern, sonst kann sich das Blatt schnell wieder drehen.


[fo], 23. Februar 2011

Diesen Artikel im Forum diskutieren.