Ein Lückenfüller mit Ambitionen - AMDs Brazos-Plattform im Test

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Brazos: Die Zacate-APU


Nun jedoch genug der Vorrede. Was uns schließlich alle interessiert ist die Leistung der neuen Prozessoren. Um diese allerdings richtig einordnen zu können ist es wichtig, sich ein Bild der zu Grunde liegenden Technik zu machen. Es interessiert uns ja nicht nur die Rohleistung, sondern eben auch die Effizienz und vor allem die Verbesserungen gegenüber den Vorgängergenerationen und worin diese begründet sind. Daher wollen wir auf dieser Seite einen kurzen Überblick über die wichtigsten Veränderungen geben. Die nächsten Seiten widmen sich dann den Detailfragen bevor wir dann zu den Benchmarks – entweder auf den Praxis- oder Benchmark-Seiten zu finden – kommen.


Aufbau einer Zacate-APU


Vor etwas über einem Jahr stellte Intel mit den Atom-Prozessoren auf Pineview-Basis die ersten x86-Prozessoren mit integrierter Grafikeinheit vor. Seit dieser Zeit sind mit den Clarkdale- und den neuen "Sandy Bridge"-Ableger zahlreiche weitere Prozessoren auf den Markt gekommen, die ebenfalls das Konzept der Verschmelzung von CPU-Kernen und Grafikeinheit verfolgen. AMD bezeichnet dieses Konzept daher auch gerne als Fusion und wirbt bereits seit einigen Jahren damit.

Als erste eigene Fusion-Modelle hat das Unternehmen im Januar die Zacate- bzw. Ontario-Prozessoren vorgestellt, welche wir heute untersuchen wollen. AMD nutzt dabei für diese Modelle nicht mehr die Abkürzung CPU (Central Processing Unit) sondern verwendet stattdessen das Kürzel APU, das für Accelerated Processing Unit steht. Damit will der Hersteller unterstreichen, dass man nun eben nicht nur einen Prozessor produziert, sondern eben eine CPU/GPU-Kombination auf einem Die. Ontario repräsentiert dabei die APUs mit einer Thermal Design Power (TDP) von 9 Watt, während Zacate die Klasse der Modelle mit einer TDP von 18 Watt darstellt. Wie dabei die erste Seite unseres heutigen Artikels unterstreicht, gibt es abgesehen von den Taktraten dabei keine nennenswerten Unterschiede zwischen Ontario und Zacate, weshalb wir im Folgenden schlicht von Zacate sprechen werden.

Bild: Ein Lückenfüller mit Ambitionen – AMDs Brazos-Plattform im Test
Schematischer Aufbau einer Zacate- bzw. Ontario-APU


Anders als bei Intels "Sandy Bridge"-Prozessoren kann die Wrestler getaufte integrierte Grafikeinheit dabei jedoch nicht auf einen von den Prozessorkernen genutzten Cache zugreifen. Der komplette Datenverkehr der iGPU läuft somit über den Speichercontroller und den angebundenen Arbeitsspeicher. Da der Speichercontroller jedoch nur über einen Speicherkanal verfügt, liegt hier sicherlich ein Flaschenhals vor. Immerhin müssen sich zwei Prozessorkerne und 80 Shader-Einheiten eine Speicherbandbreite von nur 8,5 GByte/s teilen. Zum Vergleich eine Radeon HD 5450 mit genauso Shader-Einheiten und DDR3-Speicher kommt auf immerhin 12,8 GByte/s.

Durch die Integration von Speichercontroller und Grafikeinheit in den Prozessor kann AMD nun ebenfalls auf ein Ein-Chip-Design beim Chipsatz umsteigen. Der "Hudson" genannte Chipsatz ist dabei über ein "Unified Media Interface" (UMI) mit dem Prozessor verbunden. Hinter dem UMI verbirgt sich dabei nicht anderes als vier gebündelte PCI-Express-Leitungen der zweiten Generation, so dass die Bandbreite des Interfaces 4 GByte/s beträgt. Exakt das Gleiche macht im Übrigen auch Intel bei seinem "Direct Media Interface" (DMI). Allerdings erlaubt AMD auch die Bandbreite der Schnittstelle auf 2 GByte/s zu reduzieren, falls die Geräte in energiekritischen Segmenten – wie beispielsweise Notebooks – eingesetzt werden.

Neben dem Chipsatz-Interface stellt der Prozessor auch noch eine PCI-Express-Verbindung bestehend aus vier Leitungen der zweiten Generation bereit. Wer möchte kann über diese beispielsweise eine diskrete Grafikkarte anschließen.

Bild: Ein Lückenfüller mit Ambitionen – AMDs Brazos-Plattform im Test
Zacate Dual-Core: links die zwei Kerne mit L2-Cache (oben und unten), iGPU in der Mitte, Speicherinterface rechts