Intel "Sandy Bridge": Vierkern-CPUs Core iX 2000 im Test

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Praxis: Video-Beschleunigung



Nachdem wir nun also wissen, dass selbst die HD 3000 im Core i7 2600K in den meisten Fällen nicht genug Leistung liefert um halbwegs moderne Spiele bei mittleren Detailstufen flüssig darzustellen, bleibt somit als einziges sinnvolles Einsatzszenario für die integrierten Grafiklösungen der Betrieb in Office- und Multimedia-Rechnern.

Insbesondere im letztgenannten Fall ist eine gute Hardwarebeschleunigung von HD-Video-Material bei der Wiedergabe aber auch bei der Umwandlung von einem in ein anderes Format von entscheidender Bedeutung. Wie wir im Theorie-Teil dargelegt haben, hat Intel dabei einiges bei den neuen Grafikeinheiten verändert, so dass diese nun effizienter als die Vorgänger Videos dekodieren sollten und zudem auch noch MPEG2- und H.264-Material encoden können. Doch wie schlägt sich der neue Grafikbeschleuniger in der Praxis? Dazu wollen wir uns zunächst den Bereich der Video-Decodierung ansehen.


Video-Decoding


Um die Hardware-Decoding-Eigenschaften der neuen Beschleuniger untersuchen zu können hat Intel drei Vorabversionen der bekanntesten Video-Player den Testern zur Verfügung gestellt. Dabei handelt es sich um TotalMedia Theatre von ArcSoft, PowerDVD von Cyberlink und Corels WinDVD. Eigentlich wollten wir an dieser Stelle nun mit diesen Playern untersuchen, wie sich die CPU-Auslastung bei der Wiedergabe verschiedener Blu-Ray-Videos bei aktiver bzw. inaktiver Hardwarebeschleunigung der iGPU verhält. Doch am Ende kam alles anders.

So verweigerte WinDVD die Wiedergabe mit dem Hinweis, dass der verwendete Grafiktreiber der Version 2266 ungeeignet ist und man bitte einen geeigneten Treiber installieren möge. Interessant, denn dieser Treiber wurde ebenfalls von Intel zur Verfügung gestellt. PowerDVD sowie TotalMedia Theatre konnten hingegen unsere Blu-Ray-Filme abspielen, scheiterten dann aber an der Aktivierung der Hardware-Beschleunigung. So gab beispielsweise TotalMedia Theatre vor, dass die Hardware-Beschleunigung aktiv sei, doch die CPU-Auslastung war genauso hoch wie bei inaktivier Hardware-Beschleunigung.

Kurz vor Ende des NDA-Ablaufes erhielten wir dann allerdings noch einen entscheidenden Hinweis. So muss die "Management Engine" installiert sein um die Hardware-Beschleunigung bei der Dekodierung nutzen zu können. Und in der Tat war nach der Installation selbiger unser Problem beseitigt. Nachfolgend präsentieren wir unsere Ergebnisse für die Wiedergabe von drei Blu-Rays mit unterschiedlichen Codecs. Wir haben dabei den Core i7 2600K im BIOS auf zwei Kerne eingeschränkt, Hyperthreading und TurboMode deaktiviert.

Video-Decoding
James Bond – Ein Quantum Trost [H.264]
ohne HW-Beschleunigung
38
mit HW-Beschleunigung
[HD 5450]
13
mit HW-Beschleunigung
[HD 3000]
12
CPU-Last


Video-Decoding
Batman Begins [VC1]
ohne HW-Beschleunigung
26
mit HW-Beschleunigung
[HD 3000]
11
mit HW-Beschleunigung
[HD 5450]
9
CPU-Last


Video-Decoding
Das geheime Fenster [MPEG2]
ohne HW-Beschleunigung
22
mit HW-Beschleunigung
[HD 3000]
13
mit HW-Beschleunigung
[HD 5450]
13
CPU-Last


Wie die Ergebnisse zeigen, ist der Unterschied zwischen aktiver und inaktiver Hardware-Beschleunigung durchaus signifikant. Die HD 3000 schlägt sich dabei in etwa so gut wie eine Radeon HD 5450 mit deren "Unified Video Decoder" der zweiten Generation. Lediglich beim VC1-Codec gibt es offenbar noch etwa Nachholbedarf für die integrierte Grafikeinheit. Allerdings zeigen die Resultate auch auf, dass ein moderner Vierkern-Prozessor auf Basis der "Sandy Bridge"-Architektur auch ohne Hardware-Beschleunigung eine Blu-Ray wiedergeben kann. Aus dem Gesichtspunkt des Energieverbrauches ist dies jedoch nicht wirklich ratsam, denn die iGPU arbeitet deutlich effizienter als es die Prozessorkerne tun. So haben wir bei der Wiedergabe der "James Bond"-Blu-Ray bei aktivierter Hardware-Beschleunigung einen Verbrauch für das gesamte System beim Einsatz der iGPU 58 Watt gemessen, bei Verwendung einer Radeon HD 5450 59 Watt und ohne Hardware-Beschleunigung 68 Watt (iGPU aktiv).


Video-Encoding


Nachdem Misserfolg beim Video-Decoding haben wir schon mit einem weiteren Rückschlag beim Video-Encoding gerechnet, doch wie so oft wenn man nicht damit rechnet, klappt es dann auf einmal. Mit ArcSofts MediaConverter konnten wir Intels "QuickSync" genannte Encoding-Beschleunigung dann tatsächlich nutzen, und die Ergebnisse sind dabei durchaus beeindruckend. Den Core i7 2600K haben wir in diesem Fall wieder mit Hyperthreading, TurboMode und allen Kernen betrieben.

Video-Encoding
H.264-Encoding
Radeon HD 5450
108
Core i7 2600K
67
GMA HD 3000
[1100 MHz]
33
GMA HD 2000
[1100 MHz]
33
GMA HD 3000
[1350 MHz]
30
Sekunden


So dauert die Konvertierung eines HD-Videos im MP4-Format in das H.264-Format bei Full-HD-Auflösung – also 1920x1080 Pixel – statt 67 Sekunden mit dem CPU-Kernen bei Verwendung der HD 3000 nur noch 30 Sekunden. Zudem sinkt die CPU-Last von mehr als 75 Prozent auf unter 8 Prozent. Auch die Qualität des erzeugten Videos kann sich in unserer Meinung nach mit jener der CPU-Version vergleichen lassen. Selbiges gilt auch für die Version, die wir mit einer Radeon HD 5450 erstellt haben. Diese benötigt allerdings mit 118 Sekunden sogar noch länger als die CPU alleine und mit einer Spitzenauslastung von über 20 Prozent müssen die Prozessorkerne schon deutlich mehr arbeiten als bei der HD 3000.

Video-Encoding
MPEG2-Encoding
Core i7 2600K
85
GMA HD 3000
[1350 MHz]
36
GMA HD 3000
[1100 MHz]
36
GMA HD 2000
[1100 MHz]
36
Radeon HD 5450
Sekunden


Die Konvertierung in das MPEG2-Format konnte die Radeon HD 5450 dann gar nicht bewerkstelligen, so dass in diesem Fall nur noch HD 3000 und der Core i7 2600K auftreten. Auch hier ist das Ergebnis eindeutig, so dass man den Schritt von Intel hier durchaus loben muss. Qualitätsunterschiede sind uns dabei weder bei den MPEG2-Videos noch bei den H.264-Videos aufgefallen. Ausschließen können wir diese allerdings nicht, denn der ArcSoft MediaConverter bietet in der aktuellen Version nur die Möglichkeit das Ausgabeformat sowie die Auflösung zu bestimmen. Qualitätsmerkmale kann man hingegen nicht setzen.

Die iGPU arbeitet dabei obendrein weitaus effizienter. So verbraucht das System nur 67 Watt im Falle des H.264-Codecs, rechnet hingegen die CPU sind es 107 Watt. Zusammen mit dem Leistungsplus durch die QuickSync-Technologie auf der iGPU kann man hier wirklich nur den Hut ziehen.

Die HD 2000 ist in unserem Fall dabei so leistungsfähig wie die HD 3000, sofern beide mit dem gleichen Takt betrieben werden. Allerdings muss man anmerken, dass wir ein eher ruhiges Video verwenden. Daher muss die Bewegungserkennung, welche auf den EUs und nicht wie große Teile der restlichen Umrechnung in extra Fixed-Function-Hardware ausgeführt wird, nicht so viel arbeiten, wie es vielleicht in sehr Action-lastigen Videos der Fall ist.

Festhalten muss man jedoch trotz der guten Ergebnisse auch, dass die Treiberprobleme sowie die Software-Schwierigkeiten bei der Video-Dekodierung bei Intel, dass mit einem neuen Treiber ganz schnell auch mal die Software streiken kann. Es ist somit nicht alles golden, was glänzt.


 

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