Intel "Sandy Bridge": Vierkern-CPUs Core iX 2000 im Test

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Übertakten: Mehrklassen-Gesellschaft



Mit den heutigen Prozessoren präsentiert Intel nicht nur eine neue Prozessor-Architektur inklusive einer deutlich verbesserten integrierten Grafikeinheit sondern auch ein überarbeitetes Übertaktungskonzept. Geht es nach dem Hersteller kann von nun an nur noch der übertakten, der dafür auch bezahlt, getreu dem Motto "You get, what you pay for".


Theorie


Doch der Reihe nach. Wie bereits zu Beginn angesprochen wird es von nun an zwei Klassen an Prozessoren geben. Jene, die sich besonders gut zum übertakten eignen und jene die es eben nicht bzw. nur weniger gut tun. Erstere bezeichnet Intel dabei mit einem "K" am
Namensende um deren besondere Fähigkeiten deutlich zu machen.

Bild: Intel "Sandy Bridge": Vierkern-CPUs Core iX 2000 im Test

Bei diesen Ablegern erlaubt es der Hersteller den Multiplikator für den Kerntakt auf bis zu 57 zu erhöhen – unter Garantie-Verlust versteht sich – so dass ohne Veränderung des Referenztaktes eine Taktfrequenz von 5,7 GHz erreichbar ist. Bei den Nicht-K-Versionen kann der Multiplikator für die Taktfrequenz der Kerne hingegen nur um 4 Stufen gegenüber dem maximalen Turbo-Takt erhöht werden. Beide Klassen ermöglichen einen maximalen Speichertakt von DDR3-2133 und eine "uneingeschränkte" Übertaktung der integrierten Grafikeinheit. Auch die TDP- bzw. Stromfluss-Grenzen können bei beiden Klassen angepasst werden. Ableger aus der Core-i3-Reihe oder gar Pentium- bzw. Celeron-Modelle gehören übrigens nicht zu einer der beiden Klassen. Für diese kann man nur per Referenztakt übertakten.

Apropos Einschränkungen. Obige Angaben gelten nur, wenn man einen von Intel für das Übertakten vorgesehen Chipsatz verwendet. Dies ist beim Speicher- und dem Kerntakt der P67-Chipsatz und beim Grafiktakt der H67-Chipsatz. Eine gleichzeitige Übertaktung des Kerntaktes und GPU-Nutzung oder Übertaktung selbiger ist somit eigentlich aktuell nicht möglich. Gerüchten zu Folge, wird dieses Manko der in Kürze kommende Z68-Chipsatz lösen.

Und als ob dies noch nicht genug Einschränkungen wäre, gibt es noch ein weiteres Merkmal zu vermelden, welches den Übertaktern wohl ein Dorn im Auge sein wird. Durch die Integration des Taktgenerators für den Referenztakt in den Chipsatz und Ableitung sämtlicher Taktfrequenzen aus eben jenem Takt, ist eine Übertaktung mittels einer Anhebung des Referenztaktes fast unmöglich geworden. In unseren Test konnten wir gerade einmal 105 MHz erreichen, bei 106 MHz stürzte das System bereits ab. SATA- als auch PCI-Express-Geräte bilden hier den Flaschenhals.

Bild: Intel "Sandy Bridge": Vierkern-CPUs Core iX 2000 im Test
Übertakten per Referenztakt: Schluss bei 105 MHz


Praxis


Wer allerdings bereit ist etwas mehr Geld zu investieren und eine K-Version zu kaufen, der kann sich an den großen Taktreserven der aktuellen Prozessoren erfreuen. So erreichte unser Core i7 2600K bei real anliegenden 1,30 Volt einen Takt von 4,6 GHz und der Core i5 2500K schaffte immerhin 4,5 GHz bei realen 1,31 Volt. In beiden Fällen haben wir Intels Boxed-Kühler für die K-Ableger – also Lüftkühlung – eingesetzt. Den Core i5 2300 konnten wir sogar mit dem kleinen Boxed-Kühler ohne Probleme übertakten. Allerdings ist – wie oben beschrieben – ein maximaler Takt von 3,5 GHz bei Auslastung eines Kerns und 3,3 GHz bei Auslastung aller Kerne (2,9 GHz + 400 MHz) möglich.

Bild: Intel "Sandy Bridge": Vierkern-CPUs Core iX 2000 im Test
Bild: Intel "Sandy Bridge": Vierkern-CPUs Core iX 2000 im Test
Bild: Intel "Sandy Bridge": Vierkern-CPUs Core iX 2000 im Test
Übertakten per Multiplikator (Links: Core i7 2600K @ 4,6 GHz; Mitte: Core i5 2500K @ 4,5 GHz; Rechts: Core i5 2300 @ 3,3 GHz)


Leider ermöglicht das P67-Mainboard von Intel nur eine Übertaktung mittels des Multiplikators, wenn man dazu den TurboMode ausnutzt. Man muss somit die Taktstufen des TurboModes anpassen und damit einhergehen auch die Schranken für den Energieverbrauch. Allerdings bedeutet eine Verwendung des TurboModes auch immer, dass die Versorgungsspannungen angehoben werden, weshalb wir keine Übertaktungsergebnisse bei Standard-Spannung vorweisen können. Obige Ergebnisse haben wir bei besagten Spannungen erhalten, als wir die TDP-Schranke auf 130 Watt eingestellt haben und den Stromfluss erst bei 120 Ampere einschränkten.

Anmerkung des Autors: Auch wenn es aktuell danach aussieht als hätte "Sandy Bridge" gewaltige Taktreserven wollen wir eindringlich davor warnen, diese mit zu hohen Spannungen voll auszuschöpfen. Auch wenn die angezeigten Temperaturen im grünen Bereich bleiben und selbst der Energieverbrauch nicht übermäßig ist, gibt es signifikante Risiken (beschleunigte Alterungseffekte, unentdeckte HotSpots, usw.) die zum plötzlichen Ableben der CPU führen können. Wer längere Zeit etwas von seiner CPU haben will, sollte daher unserer Meinung nach keine Spannungen oberhalb der hier verwendeten 1,3 Volt verwenden!


 

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