Intel "Sandy Bridge": Vierkern-CPUs Core iX 2000 im Test

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Fazit



Mit der heutigen Vorstellung der ersten "Sandy Bridge"-Ableger ist die Katze aus dem Sack und die Wahrheit liegt auf dem Tisch. "Sandy Bridge" zu deutsch "sandige Brücke" steht dabei für eine Metapher – einen Brückenschlag zwischen dem "Pentium Pro"- und "Pentium 4"-Design sowie Intels Grafikbeschleuniger-Architektur. Das Ergebnis kann sich dabei durchaus sehen lassen. Allerdings vermag am heutigen Tage (noch) nicht alles zu glänzen.

Über jeden Zweifel erhaben ist die Leistung des Prozessors selbst. So liegt beispielsweise der schnellste "Sandy Bridge"-Prozessor für die neue Sockel-1155-Plattform Core i7 2600(K) über alle Applikationen gemittelt rund drei Prozent vor einem Core i7 980X und dies trotz zwei fehlender Kerne. Natürlich geht der Core i7 2600(K) dabei nicht immer als Sieger vom Platz, denn bei sehr gut parallelisierten Programmen ist der Sechskern-Prozessor Core i7 980X doch noch etwas schneller. Aber auch die kleineren Ableger schlagen sich angesichts ihres Preispunkts sehr gut.

Den Leistungsvorsprung holt "Sandy Bridge" dabei zum Teil aus Verbesserungen innerhalb der Architektur und damit verbunden einer rund 8 Prozent gesteigerten Pro-MHz-Leistung. Aber auch die gesteigerten Taktraten der Kerne, des Last-Level-Caches und der neue TurboMode tragen dazu bei, dass sich die "Sandy Bridge"-Modelle zu einem vergleichbaren Preis mehr als 20 Prozent schneller sind als die Ableger der ersten Core-i-Generation auf Basis der Nehalem-Architektur. In Zukunft könnte der Vorsprung dabei noch wachsen, denn von der viel versprechenden AVX-Erweiterung macht aktuell noch keine praxisnahe Alltags-Software Gebrauch.

Bild: Intel "Sandy Bridge": Vierkern-CPUs Core iX 2000 im Test

Trotz der gesteigerten Leistung, ist der Energieverbrauch der gesamten Plattform auf dem Niveau der Vorgängerin auf Basis des Sockel 1156 geblieben und bei den Vierkern-Modellen unter Last sogar nochmals besser. Positiv muss man dabei neben dem somit wieder sehr überzeugenden Verbrauch im Idle den verbesserten TurboMode hervorheben. So ist dieser nun deutlich genügsamer und nicht mehr die Effizienzschleuder wie in der ersten Core-i-Generation. Dennoch hebt auch der neue TurboMode den Verbrauch unter Last an, allerdings steigt die Leistung in ähnlichem Maße, so dass die Energieeffizienz nicht mehr verschlechtert wird. Auch die neue integrierte Grafikeinheit ist dank der 32-nm-Fertigung nun deutlich effizienter als die "GMA HD" der Clarkdale-Prozessoren.

Auch in Sachen Spieleperformance hat Intel die neue Grafikeinheit stark verbessert. So liefert die mit 12 EUs ausgestattete HD 3000 rund die doppelte Performance einer GMA HD, bei gleichem Energieverbrauch! Allerdings erzielt man damit gerade einmal die Leistung einer Radeon HD 5450. Spielen ist somit in der Regel nur in niedrigsten Qualitätseinstellungen möglich. Erschwerend kommt hinzu, dass die HD 3000 aktuell nur in zwei Prozessoren zum Einsatz kommt, dem Core i5 2500K und dem Core i7 2600K. Alle anderen Modelle setzen auf die HD 2000, die mit 6 EUs nur etwas die Leistung einer GMA HD erzielt. Daher wiegt es in unseren Augen auch nicht so schlimm, dass der anisotrope Filter der Konkurrenz um Lichtjahre hinterher hinkt und die Treibereinstellungen "Performance" und "Quality" schlicht nicht einsetzbar sind.

Ohnehin muss die Frage gestellt werden, was man mit der integrierten Grafikeinheit in einem Vierkern-Prozessor anfangen soll, die für das Spielen zu langsam ist und für wissenschaftliche Zwecke nur eingeschränkt nutzbar ist. Der günstigste Vierkern-Prozessor auf "Sandy Bridge"-Basis ist aktuell der Core i5 2300, der einen Großhandelspreis von 177 US-Dollar besitzt. Damit ist man jedoch schon in Preisklassen angekommen, in denen die meisten Käufer auf eine diskrete Grafikkarte setzen werden. Diese bietet dabei all das was auch die integrierte Grafikeinheit kann und obendrein noch eine bessere Spieleperformance. Einzig der Verbrauch des gesamten Systems im 2D-Betrieb spricht hier für die integrierte Lösung. Nun könnte man wiederum die Idee der "abschaltbaren 3D-Beschleuniger" hervor kramen, doch solange sich AMD, NVIDIA und Intel nicht auf einen gemeinsamen Standard zur Abschaltung diskreter Beschleuniger einigen können, bleibt es wohl noch eine Zeit lang ein Wunschtraum, dass die diskreten Grafikkarten sich im 2D-Betrieb abschalten und der integrierte Beschleuniger genutzt wird.

Somit muss man schlicht festhalten, dass wohl in in den allermeisten Fällen, die integrierte Grafikeinheit in den Vierkern-Prozessoren inaktiv ist – zumal sie ja auch nur mit dem H67-Chipsatz genutzt werden kann. Wieso man also alle Vierkern-Prozessoren mit einer iGPU ausstattet und somit den Chip vergrößert, was wiederum die Produktionskosten steigert erschließt sich uns nicht wirklich.

Nun könnte man einwerfen, dass die Grafikeinheit eine sehr gute HTPC-Lösung ist. Dank Hardwarebeschleunigung beim De- und Enkodieren von Videos ist sie dafür durchaus geeignet – sofern die Treiberprobleme gelöst werden. Doch braucht man in einem HTPC einen QuadCore? In unseren Augen nein, weshalb es aus unserer Sicht deutlich sinnvoller gewesen wäre vorerst bei Zweikern-Prozessoren mit integrierter Grafikeinheit zu bleiben und die Vierkern-Prozessoren ohne den "Ballast" auf den Markt zu bringen.

Ebenfalls Kritik würdig ist die gesamte Produktpolitik rund um Übertakter, Chipsätze und Prozessor-Portfolio. Hätten wir einen Wunsch frei, so würden wir uns einen Chipsatz wünschen, der alles kann.

Preis [US-Dollar]Intel [alt]Intel [neu]AMD
999Core i7 980X
562 – 583Core i7 880, Core i7 960
294Core i7 870, Core i7 950Core i7 2600
284Core i7 860
265Phenom II X6 1100T
235Phenom II X6 1090T
205Core i5 760Core i5 2500
196 – 199Core i5 750Phenom II X6 1075T
184 – 185Core i5 2400Phenom II X4 970
176Core i5 650Core i5 2300
165Phenom II X4 965


Doch wir sind nicht Intel und somit müssen wir nehmen was kommt. In Sachen Prozessor-Leistung ist dies dabei die mit Abstand beste Performance zu den jeweiligen Preispunkten, wie die oben stehende Tabelle mit Großhandelspreisen aufzeigt. Damit ist es aus Endkundensicht auch verschmerzbar, dass man eine Grafikeinheit kauft, die wohl nur die Wenigsten nutzen werden.

[fo], 03. Januar 2011

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