CPU-Kühler Reboot

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Auftrag und Werkzeuge



Wie der Auftrag der Wärmeleitpaste erfolgen sollte, darüber kann man heftige Diskussionen in diversen Foren nachlesen.

Festzuhalten bleibt allerdings, dass die Wärmeleitpaste möglichst dünn aufgetragen werden sollte. Zu viel des Guten kann zu deutlich schlechteren Kühlresultaten führen, weshalb sehr häufig die "Scheckkartenmethode" empfohlen wird. Dabei soll die Wärmeleitpaste auf dem Heatspreader der CPU voraufgetragen und anschließend mit einer Scheckkarte abgezogen werden. Offen gesprochen hört sich das sehr einfach an, gibt in der Praxis in aller Regel aber eine große Schweinerei, und durch den Umstand, dass die Scheckkarte nicht wirklich flexibel und sehr groß ausfällt, ist die korrekte Verteilung meist nicht optimal.

Bild: CPU-Kühler Reboot


Die Zeiten von Wärmeleitpasten, welche in ihrer Konsistenz sehr dünn sind, ist mehr oder minder vorüber. Die heute im Lieferumfang guter Kühler anzutreffende Paste ist meist relativ zäh in der Konsistenz und wird bei der Scheckkartentechnik eher abgetragen, als gleichmäßig verteilt. Klar, die Unebenheiten auf dem Heatspreader sind gefüllt, aber die Masse reicht meist nicht aus, um auch noch Unebenheiten auf der CPU-Kühlerfläche auszugleichen.

Verwendet man eine sehr dünne Wärmeleitpaste, kann es hilfreich sein, diese mit einem Pinsel auf dem Heatspreader der CPU zu verteilen. Ist sie hingegen dicker, funktioniert dies nicht. In diesem Falle greifen wir nicht zur Scheckkarte, sondern schneiden uns schlicht einen dünnen Streifen aus einer Blister-Verpackung heraus, welcher etwas kleinere Ausmaße als der Heatspreader besitzt. Das Kunststoffmaterial ist deutlich flexibler als Scheckkarten und erlaubt damit eine exaktere, gleichmäßigere Verteilung.

Bild: CPU-Kühler Reboot


Bei dem zuvor gezeigten Auftrag mittels unseres Blisterstreifens schafft es der Anpressdruck des Kühlers, die aufgezogene Wärmeleitpaste optimal zu verteilen.

Klecksmethode vs. Scheckkarte

Dagegen gibt es dann aber ebenfalls noch die "Klecksmethode", welche bedacht proportioniert – und je nach Paste – nicht schlechter funktioniert. Dabei wird schlicht in die Mitte des CPU-Heatspreaders ein Klecks an Wärmeleitpaste aufgebracht, welcher sich über den Anpressdruck des Kühlers korrekt verteilen soll.

Bild: CPU-Kühler Reboot
Bild: CPU-Kühler Reboot
Bild: CPU-Kühler Reboot
Klecksauftrag Verteilung Heatspreader CPU Verteilung CPU-Kühler-Platte


Bei unserem Foto zeigen wir bereits einen sehr großzügigen Klecks. Das überschüssige Material wird durch den Anpressdruck des Kühlers beim Anschrauben herausgepresst und die richtige Menge sollte verbleiben und optimale Kühlleistung erzielen.

Unser Testversuch mittels Noctua NH-U14S und Arctic-MX-2-Wärmeleitpaste förderte in diesen beiden gezeigten Fällen die exakt gleiche CPU-Kerntemperatur zu Tage. Es gab nicht die geringste Abweichung.

Doch Vorsicht ist geboten. Die gleiche Herangehensweise bei der Artic-MX-4-Wärmeleitpaste, welche deutlich zäher in ihrer Konsistenz ist, sorgte bei der Klecksmethode mit zu viel Auftrag für etwas mehr als 3 °C schlechtere CPU-Temperaturen.

Ein letzter Hinweis zu Werkzeugen: Eine Packung Taschentücher ist grundsätzlich Pflicht. Verwendet man zudem Pasten, bei welchen Silberanteile enthalten sind (immer seltener), so sollte man sich zudem Reinigungsalkohol (Isopropanol) aus der Apotheke besorgen, denn ohne diese Hilfsmittel bekommt man die Schmiererei auf den CPU-Heatspreadern kaum noch beseitigt.

Messtoleranzen

An dieser Stelle muss man Messtoleranzen ebenfalls ansprechen, welche sich schlicht durch die Dicke des Auftrags der Wärmeleitpaste (WLP) oder durch nicht gleichmäßiges Anziehen der Schrauben ergeben. In der Praxis konnten wir feststellen, dass zu dick aufgetragene Paste ein schlechteres Kühlerverhalten von bis zu 3 °C zu Tage förderte.

Das mehrfache Demontieren und Montieren eines Kühlers zeigte ebenfalls Unterschiede bei der Aufnahme der Temperaturentwicklung. Wir konnten durch ungleichmäßiges Anziehen der Befestigungsschrauben Temperaturunterschiede von bis zu 2 °C ausmachen.

An diesem Punkt wird klar, dass man teils Messresultate in Kühlertests mehrfach validieren und prüfen muss. Um ein einheitliches Bild zu erreichen, verwenden wir darum in den Tests die Klecksmethode mit Artic-MX-2-Paste und montieren zudem die Kühler zumindest zweifach, um die Resultate verifizieren zu können.

Freiwillige Selbstkontrolle

Muss man Pasten von Zeit zu Zeit erneuern? Dies ist eine hin und wieder auftauchende Frage. Diese lässt sich nur schwer beantworten, da sie abhängig von der eingesetzten Paste ist. Wir haben günstige silikonbasierende WLPs gesehen, welche nach einem Betrieb von nur einem Jahr komplett vertrocknet auf dem Die der CPU und des Kühlers klebten. Eine Erneuerung war hier nötig.

Wir haben einen Kühler, der mit Artic-MX-2-Paste montiert worden ist, nach einem Jahr Betrieb demontiert und konnten dieses Verhalten dort eben nicht feststellen. Damit können wir die Frage also allgemeingültig weder bejahen noch verneinen. Bei manchen Herstellern von Wärmeleitpasten finden sich allerdings Hinweise zur Nutzungsdauer im Betrieb auf der CPU. So spricht beispielsweise Noctua bei seiner NT-H1-Paste von einer Nutzbarkeit von bis zu drei Jahren. Wir können an diesem Punkt nur empfehlen, dass man schlicht Stichproben mittels Temperatur-Überwachungs-Tools anstellt.

Geht die CPU-Temperatur-Entwicklung im Laufe der Zeit nach oben, so kann dies möglicherweise an einem mit Staub zugedeckten Kühler (Lüfter und Lamellen) liegen. Ist dies nicht der Fall, könnte tatsächlich die Wärmeleitpaste Grund des Übels sein.