CPU-Kühler Reboot

Gehäuse & Kühlung | HT4U.net | Seite 19

Sonstige Besonderheiten



CPU-Sockel-Keepout-Zones



Wir hatten an früheren Stellen im Artikel bereits Keep-Out-Areas angesprochen. Dabei handelt es sich um exakte Angaben der Sockelhersteller (AMD oder Intel) zu den notwendigen Abständen, welche beim Design von Mainboards, aber auch von Kühlern eingehalten werden sollten.

Wie das Wort "sollten" schon andeutet, sind dies keine zwingend notwendigen Voraussetzungen, sondern eben Richtlinien, an welche man sich als Hersteller halten sollte. Und genau an diesem Punkt entsteht die Krux – sei es für Mainboard- oder für Kühlerhersteller als letztes Glied in der Kette. Vor einigen Jahren hielt man sich meist noch strikt an solche Vorgaben. Heute ist dies kaum noch möglich.

Obwohl beispielsweise Intel zu seinen Top-Prozessoren der Presse Kühler der Tower-Bauform liefert oder sich gar darauf verlässt, dass diese hinreichend gekühlt werden, beschreibt man in Designpapieren auch weiterhin noch einzuhaltende Maße, welche lediglich von Intel-Boxed-Kühlern nicht verletzt werden. Mit einem modernen Mainboard von ASUS, Gigabyte oder MSI wird es da schon deutlich schwieriger.

Bild: CPU-Kühler Reboot


So zeichnet der CPU-Hersteller für Sockel-Abstände zwar notwendige Bauteil-Abstände und Höhen ein, bezieht sich dabei aber eben vorrangig auf den Einsatz eines vorgesehenen Kühlers, welcher eben einem gleichen Standard entspricht, heute aber nur noch in wenigen Fällen ein gangbarer Weg ist – wirft man Geräuschkulisse und Kühlverhalten mit in die Entscheidungskriterien.

Bild: CPU-Kühler Reboot

Das Problem

Das Problem liegt sicherlich auf der Hand. Auch Intel rechnet nicht immer mit einer solchen Kühllösung (wenn auch deutlich häufiger im OEM-Bereich). Die Mainboard-Hersteller im Endkundenbereich bauen zwischenzeitlich Platinen mit zusätzlichen Kühlkörpern auf Bauteilen der Spannungsversorgung, welche eben die Keepout-Zonen verletzen. Und da es hier keine klaren Datenblätter gibt, müssen die Kühlerhersteller wiederum auf gut Glück produzieren. In einigen (oder vielen Fällen bei High-End-Modellen beiderseits) geht das Glück auf, und in manchen Fällen passt der Kühler möglicherweise nicht.

Die Mainboard-Hersteller berücksichtigen dabei zum Teil das Wissen zur Art und typischen Bauweise von Tower-Kühlern, müssen sich vorrangig aber erst einmal um ihre eigenen Bedürfnisse kümmern. Bleibt der Kühlerhersteller XYZ dabei auf der Strecke, so trifft ihn möglicherweise keine Schuld – er ist eben ein Kollateralschaden im aktuellen Chaos.

Die Lösung des Problems

Die Lösung des Problems gibt es aktuell nicht. Es gibt keinen Garant dafür, dass aktuelle Kühlerbauformen, insbesondere ausladende Modelle, tatsächlich auf jedem Mainboard eingesetzt werden können. Die Chancen dafür stehen prinzipiell gut, aber sind eben nicht garantiert. Insbesondere bei immer kleiner werdenden Bauformen bei Mainboards (mATX, mini-ITX) werden die Chancen allerdings schlechter, dass es zu keinen Berührungspunkten zwischen Mainboard und Kühler kommt.

Zwar führen die Mainboard-Hersteller Listen darüber, welche Speichermodule passend sind, doch im Hinblick auf separate Kühler ist hier eine Schwachstelle zu erkennen. Kommt also ein Motherboard-Hersteller bei der nächsten Revision einer Platine auf die Idee, einen noch mehr ausladenden passiven Kühler einzusetzen, welcher optisch hübscher anzusehen ist, kann dies zur Folge haben, dass ein alternativer Kühler nicht mehr passt.

Streng genommen sind wir derzeit an einen Punkt angelangt, an welchem sich Mainboard- und Kühlerhersteller rechtzeitig austauschen und die passenden Spezifikationen selbst ausarbeiten müssten. Ein Umstand, welcher vermutlich so nicht eintreten wird!

Vermutlich wird es weiter derart ablaufen, dass Mainboard-Hersteller die aktuell typischen Kühler sowie ihre Bauformen und erst danach ihre passiven Kühllösungen abschätzen. Kühlerhersteller werden dadurch natürlich deutlich in ihrer eigenen Entwicklungsmöglichkeit eingeschränkt, und auf der Strecke bleibt immer der Anwender.

Die Lehre

Setzt man auf einen alternativen Kühler, so sollte man als Endkunde im Vorfeld prüfen, ob dieser zur Hauptplatine im PC passend ist. In wenigen Fällen führen Kühlerhersteller solche Listen, bei Mainboard-Herstellern haben wir diese bislang noch überhaupt nicht zur Kenntnis genommen. In solchen Fällen können Forenbeiträge weiterhelfen, die man dann vielleicht über eine Web-Suche mittels Suchdiensten in Anspruch nehmen sollte. Die Alternative: Man lässt den Kühler schlicht senden, und bei nicht vorhandener Passform schickt man ihn zurück – zum Leidwesen der Online-Versender. Wir sehen also eine massiv offene Baustelle, an welcher sich bislang keiner um Lösungen bemüht oder eben nur partiell Erfolge vermelden kann. Beispielsweise Scythe hatte in der Vergangenheit immer um Informationen seitens der Presse bezüglich Passformen oder möglicher Kollisionspunkte angefragt. Dies ist ebenfalls ein Dienst am Kunden in einem Zeitalter, in welchem gerade der Kunde gerne auf der Strecke bleibt.

 



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