AMD Radeon R9 Fury - Mangelware im Test

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AMD Radeon R9 Fury


Technische Betrachtung



Eckdaten AMD Radeon R9 Fury X AMD Radeon R9 Fury AMD Radeon R9 390X AMD Radeon R9 290X
Codename Fiji (XT) Fiji (Pro) Grenada (XT) Hawaii (XT)
Fertigung 28 nm 28 nm 28 nm 28 nm
Chipgröße 596 mm² 596 mm² 438 mm² 438 mm²
Transistoren 8,9 Mrd. 8,9 Mrd. 6,2 Mrd. 6,2 Mrd.
Taktrate Chip (Basis) N/A N/A N/A N/A
Taktrate Chip (Boost) 1.050 MHz 1.000 MHz 1.050 MHz 1.000 MHz
Taktrate Speicher (MHz) 500 MHz 500 MHz 1.500 MHz 1.250 MHz
Speicherart HBM HBM GDDR5 GDDR5
Typische Speichergröße 4.096 MB 4.096 MB 8.192 MB 4.096 MB
Speicheranbindung 4.096 Bit 4.096 Bit 512 Bit 512 Bit
Shader-Recheneinheiten 4.096 3.584 2.816 2.816
Double-Precision-Leistung 1/16 SP-Leistung 1/16 SP-Leistung 1/8 SP-Leistung 1/8 SP-Leistung
L1-Cache 1.024 KB (16 KB pro CU) 896 KB (16 KB pro CU) 704 KB (16 KB pro CU) 704 KB (16 KB pro CU)
L2-Cache 2.048 KB 2.048 KB 1.024 KB 1.024 KB
Textur-Einheiten (TMUs) 256 224 176 176
Raster-Operation-Einheiten (ROP) 64 64 64 64
DirectX-Version DirectX 11/12 DirectX 11/12 DirectX 11/12 DirectX 11/12
Audio-Controller 7.1 (HD-Bitstream)/TrueAudio 7.1 (HD-Bitstream)/TrueAudio 7.1 (HD-Bitstream)/TrueAudio 7.1 (HD-Bitstream)/TrueAudio
Videoprozessor N/A N/A UVD3 UVD3
Typische Leistungsaufnahme (Herstellerangabe) 275 W 275 W 275 W 250 W
Maximale Leistungsaufnahme (Herstellerangabe) N/A N/A N/A N/A


Mit der Vorstellung der Radeon R9 Fury X hat AMD seinen neuen Fiji-Chip im Vollausbau gezeigt (Fiji XT). Die R9 Fury stellt lediglich Fiji Pro dar, also um einige Einheiten beschnitten.

Im Vollausbau stehen Fiji insgesamt 16 x 4 (= 64) CUs (Compute Units) zur Verfügung, daran angeknüpft je 4 Texturierungs- und 64 Shader-Einheiten sowie 16 KByte L1-Cache. Bei Fury kürzte AMD dies auf 56 CUs (4 x 14 CUs) herunter, mit der rechnerischen Folge, dass ebenfalls die Textureinheiten als auch der L1-Cache und die gesamten Shader-Einheiten auf 3.584 Rechenwerke dezimiert worden sind.

Bild: AMD Radeon R9 Fury – Mangelware im Test


Kaum Kürzungen gab es beim Takt. Der Speicher (4 GByte HBM) arbeitet weiterhin mit 500 MHz Takt, die GPU-Taktrate wird mit (bis zu) 1.000 MHz genannt, damit 50 MHz geringer als bei Fury X. Während das "bis zu" aka "Boost-Takt" bei NVIDIA bislang oft mit Hellhörigkeit zur Kenntnis genommen werden sollte, insbesondere bei Topmodellen, hat AMD bei Fury X als auch bei der R9 390X gezeigt, dass der Bis-zu-Takt in allen Lebenslagen gehalten wurde. Selbstverständlich ist das nicht, auch nicht bei allen AMD-Grafikkarten, wie die Vergangenheit zeigte. Allerdings: AMD nennt bislang entgegen NVIDIA keinen Basistakt, welcher als Minimum unter regulären 3D-Applikationen gehalten wird. Das dürfte an der Umsetzung mittels PowerTune liegen und den teils schwierigen Eingriffen dort, was konkrete Taktraten betrifft. Wie dem auch sei, beide Hersteller haben die Option, das Marketing auf dem Papier zu verwenden, um in der Praxis dann – je nach Fall – mit geringeren Taktraten ihre sonstigen Versprechungen einzuhalten.

Die Versprechungen, von welchen wir reden, können hier einmal die 3D-Performance sein, auf der anderen Seite aber auch die Leistungsaufnahme. Letztere mag auf den ersten Blick bei R9 Fury überraschen, nennt AMD doch 275 Watt und damit den gleichen Wert wie für Fury X – das trotz beschnittenen Takts und Funktionseinheiten. AMD lässt sich mit diesem Schritt einmal eine Hintertür offen und sorgt gleichzeitig für einen möglichen Ausgleich in der Produktion.

Ein teildefekter Chip, welcher als Fury X nicht mehr durchgeht, kann so problemlos als Fury verkauft werden, vielleicht auch mit etwas höherer Spannung. Zum anderen hat AMD die Fury X aber ausschließlich mit AiO-Wasserkühlung erlaubt. Die deutlich niedrigeren Temperaturen wirken sich wie Balsam auf die Leistungsaufnahme aus. R9 Fury hingegen gibt es vorrangig nur mit Luftkühlung, und das bedeutet in der Praxis mindestens 10 °C höhere Temperaturen, und in maximalen Leistungsbereichen zwischen 70 und 80 °C können 10 °C mehr sehr schnell eine um 20 Watt höhere Leistungsaufnahme bedeuten – zumindest auf diese Fertigung und dieses Design bezogen. Damit stellt sich AMD erst einmal lieber auf die sichere Seite.

Die Änderungen



Sieht man von den Taktraten und den Rechenwerken ab, gibt es zwischen Fury und Fury X praktisch aktuell nur noch eine wesentliche Änderung: die Maße. Fury X zeigt sich mit sehr kurzer Bauform, dafür aber mit umständlicher Wasserkühlung bei der Montage. Bei Fury dürfen die Board-Partner (erst einmal nur zwei) mit eigenen Luftkühllösungen antreten. Bislang sind dies immer noch nur ASUS und Sapphire. Alle anderen Board-Partner hat AMD hier außen vor gelassen, ohne Gründe dafür zu nennen.

Die Partner nehmen dabei allerdings das kurze Board-Design der Fury X und passen ihre Luftkühler darauf an. Es erinnert ein wenig an den Auftritt der GeForce GTX 670. Auch diese Karte wurde auf knappem PCB präsentiert und die Partner packten deutlich größere, ausladende Kühler darauf.

Wieso seit Wochen nun keine weiteren Optionen neben ASUS und Sapphire auf dem Markt erschienen sind, erschließt sich uns nicht. Es hat den Eindruck, dass die Verfügbarkeit schlicht schlecht ist, was uns auch indirekt von einem Partner bestätigt wurde.