AMDs Furie gibt ihr Stelldichein: Radeon R9 Fury X im Test

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PowerTune-Limits, Zero-Core-Power und Auffälligkeiten



Temperaturlimit

Neuigkeiten zu PowerTune gibt es seit der Einführung der R9 290 und 290X, was auch für die R9 285 zum Tragen kommt, denn die Tonga-GPU verwendet die gleichen Techniken, die auch die Hawaii-Chips einsetzen. So findet sich laut AMD neben den typischen PowerTune-Techniken nun auch ein Temperaturziel (Temperature-Target) ein, welches dort auf 94 °C gesetzt sein soll.

Bild: AMDs Furie gibt ihr Stelldichein: Radeon R9 Fury X im Test


Ein Temperaturlimit gibt es natürlich auch bei der R9 Fury X – es liegt dort bei 75 °C. Diesen Wert dürfte diese Grafikkarte aber selbst im Worst-Case-Betrieb nie erreichen – es sei denn, der Lüfter des Radiators würde ausfallen.

Spiel im Test Maximale Temperaturen [° C] GPU-Takt [MHz]
GTA V 60 1.050
Anno 2070 65 1.050
BioShock: Infinite 63 1.050
CoD: AW 66 1.050
Dying Light 62 1.050
Skyrim 4K 60 1.050
Metro Last Light Redux 63 1.050
Tomb Raider 65 1.050
Witcher 2 65 1.050
Witcher 3 65 1.050
Far Cry 4 65 1.050
Battlefield 4 66 1.050
Crysis 3 64 1.050
Ryse: Son of Rome 65 1.050


Werden die 75 °C dennoch erreicht, so drosselt AMD Takt und Spannung, dreht die Drehzahlen hoch, bis das gesetzte Limit wieder erreicht wird. Wie gesagt, in der Praxis ist damit erst einmal nicht zu rechnen, selbst nicht unter Furmark-Last.

AMD Power(Tune)-Limits

Der zweite Umstand der AMD-PowerTune-Technik ist eine Power-Limitierung. Diese wird über Überwachungseinheiten auf dem Chip gesteuert. Erfolgt eine ungewöhnlich hohe Auslastung, so greifen die Mechanismen abermals gleich ein und drosseln Takt sowie Spannung, bis der Normalzustand wieder erreicht ist.

Wie bereits erläutert, haben wir in der Praxis ein solches Verhalten mit der R9 Fury X nicht antreffen können. Gleich welches Szenario wir angelegt haben – ob sogenannte PowerViren, ob übertaktet, Fury X blieb immer brav auf seinen 1.050 MHz GPU-Takt. Daraus lässt sich eine sehr großzügige Zugabe von AMD auf die Leistungsaufnahme schlussfolgern – wir vermuten 375 Watt (Maximum des theoretisch möglichen der Board-Umsetzung).

Wir haben darum mal ein wenig an der Stellschraube (Schieberegler) gespielt, um das Verhalten von Fury X zu sehen, sobald das Powerlimit aktiv wird. Hierzu haben wir die aktuelle Version des MSI-Kombusters (Furmark-basierend) verwendet und die Limitierungen händisch herbeigeführt:

MSI Kombuster

PowerTune-Limit GPU-Takt [MHz] Leistungsaufnahme [Watt] fps
0 1.050 349 31 – 32
-10 1.050 338 31 – 32
-20 1.000 – 1.015 305 31 – 32
-30 955 – 964 270 31 – 32


Die Resultate fanden wir höchst interessant. Erst einmal halten wir fest, dass AMD ungedrosselt fast 350 Watt an Leistungsaufnahme erlaubt – gut, hier mit einem sogenannten PowerVirus. AMD gab aber eben auch an, dass man den Anwender nicht beschneiden möchte. Mit der genannten typischen Leistungsaufnahme unter Spielen hat dies also erst einmal nichts zu tun.

Der Umstand, dass die Absenkung auf -10 die Leistungsaufnahme bereits leicht beschnitten hatte, aber keine Leistung verloren ging, machte uns stutzig; ebenso wie im nächsten Schritt, als die Leistungsaufnahme klar abfiel, die Frameraten aber identisch blieben. Die Taktdrosselung der AMD-Technik auf zirka 960 MHz (-30) zeigt uns dann lediglich noch eine Leistungsaufnahme von 270 Watt – wir sprechen natürlich nur von der Grafikkarte – und wir bewegen uns nun in dem Bereich, in welchem AMD seine Typical Board Power nennt.

Wir waren neugierig und wollten uns das mit einem Spiele-Worst-Case-Szenario ansehen. Anno 2070 geht dafür an den Start:

Anno 2070

PowerTune-Limit GPU-Takt [MHz] Leistungsaufnahme [Watt] fps
0 1.050 307 35
-10 1.050 300 35
-20 1.033 – 1.038 287 34
-30 997 – 1.008 252,8 33


Wir erblicken ein sehr ähnliches Verhalten, dieses Mal aber können wir klarere Rückschritte in der Performance erkennen, wenngleich wir hier nicht von Welten sprechen. AMD zeigt ein ganz breites Spektrum der Möglichkeiten von Fury X. 250 Watt wären möglich, dabei würde man dann aber auf eine maximale Performance verzichten – wir sprechen in dieser Anwendung von zirka fünf Prozent.

Aber typisch soll Fury X eben nur 275 Watt verbrauchen – wir gehen dem bald auf den Grund und beenden zuvor noch dieses Kapitel.

AMD Zero-Core-Power

Mit der Einführung der Radeon-HD-7000-Serie wirbt AMD mit der Zero-Core-Power-Technik – einem lobenswerten Feature, welches bei PCs im Idle-Zustand deutlich die Leistungsaufnahme senken soll. Sobald die Energieoptionen von Windows den Monitor in den Ruhezustand schicken, deaktiviert sich die Grafikkarte bis auf notwendige Stand-by-Spannungen und soll damit weniger als 3 Watt in der Leistungsaufnahme für sich beanspruchen.

Das hochgelobte AMD-Feature hat aber seine Macken und Tücken und funktioniert nach unseren Erfahrungen aktuell nicht, wenn der Monitor direkt mittels HDMI oder DisplayPort angeschlossen wird. AMD blieb uns leider bislang Antworten zu den Problemen schuldig und meinte, es hänge am Monitor.

Nun präsentiert uns AMD Fury X – ganz ohne DVI-Anschluss. Und zickte die Funktion nicht selten mit verschiedenen Treibern am DVI-Port ebenfalls herum, so waren wir nicht überrascht, dass sie nun erneut am DP oder HDMI wieder versagt. Es ist uns weiterhin rätselhaft, warum AMD eine Option bewirbt, die in der Praxis mit so vielen Problemen zu kämpfen hat und unseren Hinweisen zu den Monitor-Anschlussmöglichkeiten nicht nachgeht. Da ist es schön zu erkennen, dass man sogar einen Power-Status über GPU Tach in Form der LEDs für Zero-Core-Power eingeführt hat, nur leider können wir ihn mit beiden zur Verfügung stehenden Treibern nicht testen. Langsam entwickelt sich dieses Feature zu einer gewissen Nutzlosigkeit.

 

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