Ein How-To und ein Guide: Gaming-Mäuse erklärt

Computermäuse gibt es wie Sand am Meer. Die Überschrift Gaming-Mäuse tragen zudem ebenso viele Produkte. Aber was steckt dahinter? Was macht eine Gaming-Maus aus? Hohe dpi-Stufen? Was verbirgt sich hinter der USB-Signalrate? Braucht es ein Mauspad oder gar ein Kabel? Was überhaupt sind dpi-Stufen? Unser heutiger Guide klärt die Fragen und versucht den Weg durch das Dickicht zu schaffen. Gleichzeitig erklären wir, warum und wie wir Mäuse testen.

Intro

Warum braucht es zum Spielen überhaupt sogenannte Gaming-Mäuse? Und fast jede zweite neu im Markt erscheinende Maus – sei es im Preisbereich von 20 oder von 80 Euro – trägt den Beinamen Gaming- oder Spielermaus. Was macht die Unterschiede? Wie wichtig ist der Sensor? Und warum braucht es hohe dpi-Stufen oder die Polling-Rate?

Wer sich einmal näher mit dem Thema Peripherie beschäftigt hat, der wird schnell festgestellt haben, dass es gerade im Segment der Mäuse massive Unterschiede gibt. Manche Maus–Tastatur-Kombination kostet gerade einmal 20 Euro, und dann kommt eine Maus um die Ecke, welche den Beinamen “Gaming” trägt und für die satte 100 Euro oder mehr berappt werden sollen.

Und je mehr man versucht zu verstehen, wo die Unterschiede liegen, desto mehr Fragen werfen sich auf, denn beim Lesen stolpert man dann schon wieder über Begriffe wie High-Sense- oder Low-Sense-Spieler, ohne dass geklärt wird, in welchen Bereich man nun letzten Endes fällt.

An diesem Punkt setzt unser heutiger Artikel an und versucht zu erklären oder zu klären, was es mit all dem Fachchinesisch auf sich hat und auf was es ankommt. Darüber hinaus verstehen wir unseren heutigen Artikel nicht als fix eingemeißeltes Monument in Fels, sondern vertrauen zudem darauf, dass Feedback und Anregungen dafür sorgen, dass dieser Artikel sich noch weiterentwickeln kann und schlussendlich weitere Fragen klärt, an die wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht gedacht haben! Euer Feedback ist also gefragt und gewünscht!

Die Zielgruppen

Millionen von Menschen nutzen Computer, und jeder hat gewisse Vorlieben und stellt eigene Anforderungsprofile. Genauso vielfältig versucht der Markt zu reagieren und bietet Unmengen an Hardware im Maussektor an. Doch das Gros ist genügsam – es braucht Tastatur und Maus schlicht, um Eingaben zu tätigen oder vielleicht gelegentlich ein Social-Game wie Candy Crush zu spielen.

Günstig geht immer!

Genau dort finden sich zumeist auch jene Anwender, welche mit 20-Euro-OEM-Produkten zufrieden sind. In diesem Preisbereich finden sich zwischenzeitlich gar Tastatur-Maus-Kombos ein, die kabellos, mal auf kleine und mal auf große Hände zugeschnitten sind. Gerade das ist der Grund, warum Logitech sich wohl dazu entschieden hat, sich aus dem günstigen OEM-Markt zurückzuziehen. Setzt man auf Amazon eine Suche nach Maus-Tastatur-Kombination schnurlos ab, so erreicht man beispielsweise das Logitech-Set MK330, welches bereits für knapp 27 Euro zu haben ist, man findet in den Konkurrenzangeboten auch ein Rapoo-Set für 14,99 Euro, welches über die Rezensionen von Amazon gar auf volle vier Sterne gelangt. Und hier wird schnell klar, wo die Beweggründe für Logitech liegen, diesen Markt zu verlassen. Es nützt einfach nichts mehr, in China bauen zu lassen – es gibt immer einen härteren Mitbewerber.

Und für die Zielgruppe speziell mag das entsprechende Produkt dann durchaus auch ausreichend sein. Ein durchschnittlicher Sender, ein durchschnittlicher Empfänger und schnurlos funktioniert reibungslos, solange keine auffälligen Störfaktoren für den Funk in der Nähe positioniert sind. Der Anwender ist für rund 15 Euro glücklich, kann seine Office-Anwendungen bedienen, sein Internet-Surfen ohne Mühen absolvieren, und Social-Games à la Candy Crush funktionieren ebenfalls. Und dabei verdient der im Peripheriebereich eher namenlose Anbieter Rapoo gar noch Geld! Für Logitechs Anspruchs- und wohl auch Qualitätsdenken sind die Margen schlicht zu gering geworden – der Entscheid mag damit für alle nachvollziehbar sein.

Doch für den wirklichen Spieler kommt weder dieses Logitech- noch das Rapoo-Angebot infrage.

Groß oder klein?

Damit kommen wir zum nächsten Punkt der Auswahlkriterien, welche den Endkunden interessieren und auf welche Hersteller für den Massenmarkt mit Angeboten reagieren müssen und wollen.

Da haben wir den typischen Desktop-Einsatz mit Office-Bearbeitung, bei welcher eine Tastatur mit Handballenauflage fast schon Pflicht ist. Wir haben aber auch die Notebook-Besitzer, welche möglichst eine kleine Maus (weil transportabel) wünschen, da die Tastatur bereits vorhanden ist und über den Rest der Anforderungen mittels ihrer Vorauswahl beim Notebook entschieden haben.

Natürlich wünschen sich Notebook-Anwender eine kleine Maus. Mobil, agil und zuverlässig soll sie sein. Und so stöbert man erneut auf Amazon, was denn das beste Schnäppchen sein könnte. Man stößt schnell auf verlockend günstige Angbeote – kaum hochpreisiger als ‘ne Schachtel Kippen! Und so gibt es die Logitech M185 schnurlos beispielsweise schon für leichte 11 Euro. Die kabelgebundene Logitech B100-Maus gibt es gar für knapp über 6 Euro.

Dann findet sich da aber eben auch eine Razer Orochi in all den Angeboten, die trägt dann neben dem Hinweis auf Bluetooth auch noch den Namen Gaming in der Überschrift und schlägt plötzlich mit rund 65 Euro zubuche! Eine Notebook-Maus zu diesem Preis? Nur weil sie Bluetooth unterstützt? Das kann eigentlich nicht sein. Doch das ist kein Tippfehler oder eine falsche Auszeichnung bei Amazon.

Die Gaming-Maus unterscheidet sich

Das Metier der üblichen PC-Anwender und der Spieler unterscheidet sich eben leider gewaltig. Und all die eingangs erwähnten Fachbegriffe wie USB-Polling-Rate, Input-Lag oder beispielsweise auch Lift-off-Distance sind Dinge, welche hier in Betracht gezogen werden, ganz zu schweigen vo dem eingesetzten Sensor oder eben den Switches unterhalb der Taster-Auflagen.

Bei der Spielermaus spielt die Formgebung mit eine Rolle – ob sie eben gut zur eigenen Hand passt oder ob der Sensor mit seinen Auflösungen den eigenen Ansprüchen genügt. Ob man Low- oder High-Sense-Spieler ist, kann das Zünglein an der Waage der Entscheidung sein. Gar die Kabellänge ist für manche Bedürfnisse entscheidend, und schnurlos geht schon einmal überhaupt nicht, da man damit einen massiv schlechteren Input-Lag erhält!

High-End-Gaming-Maus von Razer – schnurlos

Genug der Fachbegriffe – wir steigen ein in notwendige Informationen, um die Szene zu verstehen. Ein Hersteller von Gaming-Peripherie stellte die Unterschiede einmal süffisant dar: Hunde und Katzen! Die üblichen Anwender, selbst die üblichen Spieler sind die Hunde. Die Katzen sind jene, welche die feinen Unterschiede kennen: die eSports-Spieler. Gehen wir den Fakten auf den Grund.

Gaming-Mouse-Fachbegriffe

Wir wollen versuchen, ein gewisses Schema in die folgenden Erklärungen mit einzubringen und bauen unter Umständen von erklärtem zu erklärtem Begriff aufeinander auf. Nur so lässt sich aus unserer Sicht die Materie am besten beleuchten. Dabei gehen wir sicher auch auf Dinge ein, welche vielen Lesern ohnehin bekannt sind, müssen diese aber für die Einsteiger und Laien dennoch mit erklären.

Low-Sense-/High-Sense-Gamer

Das englische Wort Sense steht eigentlich für Sinn(e) oder Gefühl. In Zusammenhang mit Low-Sense- oder High-Sense-Spielern ist aber eher die gewünschte Geschwindigkeit zu verstehen, mit welcher der Mauszeiger über den Bildschirm bewegt werden kann. Je höher die dpi-Stufe ist, auf welcher eine Maus arbeitet, desto kürzer ist die Bewegung der Maus auf dem Mauspad, um den Zeiger über große Strecken auf dem Bildschirm zu bewegen. Man könnte es auch als sensitives Empfinden der Reaktion der Maus auf Eingaben bezeichnen.

Ein Low-Sense-Spieler bevorzugt niedrige dpi-Stufen und steuert nach seinem Gefühl damit präziser, ein High-Sense-Spieler setzt auf hohe dpi-Stufen und ist damit in sehr schnellen Shootern – abhängig von seiner Reaktionszeit – agiler. Dazwischen gibt es wohl noch die Bezeichnung Mid-Sense-Gamer – immer gerne in Teamplays gesehen, aber keine Gruppe, welche sich aus den Spielern so richtig herausstellen kann. Die absolut exakten Low-Sense-Spieler werden in Teamspielen gerne als präzise Sniper eingesetzt, die höchst agilen High-Sense-Spieler sind dann als Frontschweine zu verstehen.

Wo Low Sense endet und High Sense startet, kann man überhaupt nicht festhalten. Noch vor wenigen Jahren bezeichnete man einen Spieler der auf einer dpi-Stufe von 800 spielte, als High-Sense-Spieler, jenen auf 400 als Low-Sense-Spieler. Inzwischen gibt es Mäuse, welche mit 6.000 oder gar 8.000 dpi arbeiten, und es gibt Spieler, die sich bei Einstellungen um 800 oder gar 1.200 dpi selbst als Low-Sense-Spieler bezeichnen.

Wollen wir heute eine Grenze ziehen (was nur subjektiv möglich ist), so sind Spieler im Bereich zwischen 400 und 800 dpi wohl die Low-Sense-Vertreter, jene ab etwa 3.000 dpi die High-Sense-Spieler. Dazwischen befindet sich die Mid-Range, also die Mittelklasse.

dpi-Stufen

Klar, dass wir nach den zuvor erklärten Begriffen als Nächstes nun zwingend die Begrifflichkeit dpi-Stufen erklären müssen. Die Abkürzung dpi steht für Dots per Inch, also wie viele Pixel pro Inch (Zoll) vom Sensor der Maus abgetastet werden. Ein Inch entspricht umgerechnet 25,4 mm. Anhand dieser Angaben ist man durch simples Berechnen der eigenen Bildschirmbreite (Darstellungsbreite in Pixeln) in der Lage, die dpi-Stufen mittels eines handelsüblichen Maßbandes zu überprüfen.

Nehmen wir uns folgendes Beispiel zur Berechnung:

Der eigene Monitor bietet eine Auflösung von 2.560 x 1.440 Bildpunkten. Der erste Wert dieser Nennung stellt die Breite der Bildschirmdarstellung in Pixeln dar, der zweite die Höhe.

Die Maus bietet beispielsweise eine dpi-Stufe von 800 dpi, also sollte der Sensor in der Lage sein, 800 Pixel auf einer Strecke von 25,4 mm (1 Inch) einzulesen. Damit ergeben sich die folgenden Strecken, welche die Maus bei der jeweiligen dpi-Stufe zurücklegen muss:

  • 800 dpi
    2.560 Pixel/800 dpi = 3,2 inch = 81,28 mm
  • 1.600 dpi
    2.560 Pixel/1.600 dpi = 1,6 inch = 40,64 mm
  • 3.200 dpi
    2.560 Pixel/3.200 dpi = 0,8 inch = 20,32 mm
  • 6.400 dpi
    2.560 Pixel/6.400 dpi = 0,4 inch = 10,15 mm

Auf einer dpi-Stufe von 6.400 sollte der Mauszeiger also vom linken Bildschirmrand den rechten Bildschirmrand erreichen, indem die Maus lediglich um rund einen Zentimeter auf dem Mauspad bewegt wird. Bei 800 dpi sind es hingegen runde 81 mm, also 8,1 cm!

Dies erklärt dann auch sofort, warum bei Low-Sense-Spielern gerne große ausladende Mauspads zum Einsatz kommen, denn in kleinen dpi-Stufen muss die Maus über deutlich größere Strecken bewegt werden, um das gewünschte Ziel zu erreichen, als in hohen dpi-Stufen.

Gleichzeitig erklärt dies, warum es bei einigen Spielermäusen die Option gibt, mittels simplen Drucks einer separaten Taste zwischen dpi-Stufen zu wechseln. Denn selbst wenn ich in einem sehr schnellen Spiel mit 4.000 dpi unterwegs bin, allerdings beispielsweise mit einer Sniper-Szene konfrontiert werde, welche höchste Präzision erfordert, schalte ich gerne auf eine geringere dpi-Stufe wie etwa 800 dpi zurück. Die grundlegende Aussage, dass höhere dpi-Stufen weniger präzise sind, ist damit prinzipiell zutreffend, sollte aber nicht zu der Annahme führen, dass die Maus damit weniger präzise ist – es liegt letzten Endes überwiegend an der Person, welche die Maus bedient.

Der aufgezeigte Weg ist ein Teil unserer Tests bei Gaming-Mäusen, um festzustellen, ob die dpi-Angaben eben auch relativ korrekt von der Maus umgesetzt werden. Wir testen dabei grundsätzlich drei Stufen, und sollte es dabei zu ungewöhnlichen Auffälligkeiten kommen, auch noch weitere Stufen. Zusätzlich kann man sich des Tools Enotus Mouse Tester bedienen, welches eine Reihe von Testserien mit sich bringt, darunter auch mehr oder minder genau die dpi-Stufen prüfen kann. Es bedarf dabei aber ein wenig Gewöhnung an die Software und die Führung der Maus in diesen Tests. Leider ist die Funktionsweise der Software vom Autor nie genau dokumentiert worden, und weiterentwickelt wird sie unseres Wissens nach ebenfalls nicht. Macht man aber, was der Autor der Software im Test beschreibt, erhält man durchaus brauchbare Resultate.

Beispiele aus dem Test der ASUS Gladius

Lift-off-Distance

Unter der Lift-off-Distance (LoD) versteht man den Abstand des Maussensors zum Untergrund, bei welchem er noch zu Reaktionen als Eingabe auf dem Monitor neigt. Typisch bei vielen Gaming-Mäusen ist die Angabe von 1,5 bis 1,8 mm. Das bedeutet also, wenn der Sensor über 1,5 mm vom Untergrund abgehoben wird, reagiert der Mauszeiger auf dem Bildschirm nicht mehr.

Wozu braucht man das? Wir haben zuvor die Gruppe Low-Sense-Spieler und die dpi-Stufen erklärt und eben festgestellt, dass ein Spieler auf einer 800er-dpi-Stufe deutlich größere Strecken auf dem Mauspad zurücklegen muss. Bei 800 dpi immerhin rund 8,1 cm, um den Mauszeiger von der linken Bildschirmseite eines Monitors zur rechten Bildschirmseite zu bewegen, wenn dieser mit 2.560 Bildpunkten in der Breite auflöst. Bei lediglich 400 dpi verdoppelt sich der Weg.

Da mit dem Arm und der Hand 8,1 cm (oder gar 16 cm bei 400 dpi) zu überbrücken weder ergonomisch noch praktikabel ist, tritt der schlichte Umstand ein, dass man die Maus anhebt und sie auf der Unterlage neu positioniert. Ist dann die Lift-off-Distance nicht deutlich limitiert, wird der Mauszeiger auf dem Bildschirm sofort wild positioniert werden und man müsste erneut damit beginnen, seine Position auf dem Bildschirm mittels Mausbewegungen zu finden.

Die LoD ist damit ein wirklich wichtiges Kriterium bei Spielermäusen und gehört daher ebenfalls zu unseren Tests.

Wir testen diesen Punkt, indem wir uns schlicht verschiedener Distanzstücke bedienen, welche wir unter die vorderen und hinteren Mausfüße legen und dann prüfen, ab welcher Höhe der Mauszeiger nicht mehr reagiert. Dabei ist es nicht unser Ziel, auf den Millimeter exakt diese Distanz herauszufinden, sondern vielmehr, ob der Hersteller seine diesbezüglichen Versprechen hält und das Produkt an dieser Stelle Vor- oder Nachteile mit sich bringt.

USB-Polling-Rate

Ein weiterer wesentlicher Punkt, auf welchen Spieler bei Gaming-Mäusen achten, ist die USB-Polling-Rate, was zu Deutsch auch als USB-Signalrate bezeichnet wird.

Mit der USB-Signalrate ist die interne Frequenz gemeint, mittels welcher der USB-Anschluss arbeitet – in manchen Fällen auch als “USB Report Rate”, “USB Polling Rate” oder “Mouse Polling Rate” bezeichnet. Nach USB-Spezifikation sind hier 125 Hz vorgesehen, und schon nach Einführung von USB-Mäusen stritten sich die Gelehrten über die Unterschiede der Performance von PS/2-Mäusen gegenüber USB-Mäusen. Das rührt schlicht von den damit verbundenen Reaktionszeiten her.

USB-Signalrate Reaktionszeit
1.000 Hz 1 ms
500 Hz 2 ms
250 Hz 4 ms
125 Hz 8 ms
100 Hz 10 ms

Es liegt natürlich auf der Hand, dass kürzere Reaktionszeiten wünschenswert sind und dass sich in schnellen Titeln die Unterschiede zwischen 8 und 2 Millisekunden auswirken können. Das Optimum über die Jahre hinweg wurde mit 1.000 Hz gesehen. Inzwischen bieten manche Hersteller über ihre Software-Steuerung gar auch Raten bis zu 2.000 Hz, was man dann aber gerne als Marketing abtun kann. Nützlich ist dies wohl für kaum jemandem. Unterschiede zwischen 500 und 1.000 Hz dürften vermutlich nur von den wenigsten Profispielern wahrgenommen werden, selbst der Wechsel zwischen 250 und 500 Hz fällt den wenigsten Anwendern auf.

Prüfen kann man die USB-Polling-Rate einmal über diverse Anwendungen, wie nachstehend mittels des etwas betagten Tools Direct Input Mouse Rate gezeigt.

Aber auch der Enotus Mouse Tester, welchen wir bereits im Kapitel dpi-Stufen vorgestellt haben, kann die USB-Signalrate recht verlässlich prüfen.

Da Enotus Mouse Tester mehr zu bieten hat, als DIMR, bevorzugen wir in unseren Tests dieses Tool. Darüber hinaus kann man die Auswirkungen der Polling-Rate auch über den Humanbenchmark nachstellen. Da es sich hier jedoch vorrangig um einen Reaktionstest handelt, welcher von mehreren Faktoren abhängig ist, sollte man im besten Fall mit einem Monitor mit einer Refresh-Rate von 120 oder besser noch 144 Hz arbeiten. In diesem Falle kann man durchaus im Mittel Veränderungen zwischen 125 oder 500 Hz ausmachen. Auch dies gehört mit zu den Tests unserer Herangehensweise bei Mäusen.

Input-Lag

Unter dem Input-Lag versteht man eine Zeitverzögerung bei der Eingabe über das Peripheriegerät, bis diese auf dem Monitor schließlich sichtbar wird. Eine solche Verzögerung kann viele Ursachen haben und auch viele Auswirkungen mit sich bringen. Ursachen können dabei bei der USB-Polling-Rate oder schlicht an der Reaktionszeit der zum Einsatz kommenden Taster in der Maus liegen. Eine USB-Signalrate von 1 ms (1.000 Hz) über den USB-Bus nützt nur wenig, wenn der Taster selbst nur eine Reaktionszeit von 5 ms mit sich bringt. Und halten wir uns dabei immer vor Augen: Auf der Habenseite haben wir den Anwender, welcher überhaupt erst zu Reaktionen in gewissen Zeiträumen in der Lage sein muss. Auf der Sollseite haben wir die Versprechen der Hardware, welche diese Möglichkeiten umsetzen können sollte. Reaktionsverzögerungen können aber auch durch die Refresh-Geschwindigkeit des Monitors auftreten.

Typische moderne Flachbildschirme werben zwar mit Reaktionszeiten von teils unter 2 ms oder weniger, das bezieht sich aber nicht auf die Refresh-Rate, welche bei Spielermonitoren bei 120 oder gar 144 Hz liegt.

Führt man den eben angesprochenen Reaktionstest von Humanbenchmark unter verschiedenen Hertzzahlen (60 oder 120 Hz) durch, wird man sofort erhebliche Unterschiede erkennen können, was die eigenen Reaktionszeiten betrifft. Wir trafen dabei Unterschiede zwischen 40 und 70 ms an!

Exakt diesen Test verwenden wir mit dem Gaming-Monitor ASUS PB278Q bei 144 Hz und einer Auflösung von 2.560 x 1.440 Pixeln. Unser Ziel dabei ist es nicht, die bestmögliche Reaktionszeit zu erzielen, indem wir versuchen, den Farbwechsel von Rot auf Grün zeitlich am besten zu “erraten”. Wir führen den Test dazu auch zehn Mal durch, statt der vorgesehenen fünf Durchgänge, um ein Mittel zu erreichen, denn ein etwas unglücklich früher Klick (ein erratener Klick) verfälscht das Mittel doch sehr schnell.

Bild: ASUS RoG Gladius – Perfektion für Spieler

Eingesetzter Monitor bei Spiele- und Peripherietests

Ripple und Jitter

Ripple und Jitter bedeutet übersetzt ins Deutsche “Kräuseln” und “Zittern”. Darunter versteht man bei aktuellen Spielermäusen glücklicherweise einen kaum noch anzutreffenden Umstand, welcher durch verschiedene Faktoren bedingt sein kann. Einerseits können Ripple und Jitter durch die Umsetzung in den Abtastraten (dpi-Stufen) herrühren, andererseits auch mit Input-Lags einhergehen – letztere werden dann in aller Regel aber wieder durch Fehler beim Abtasten begründet.

Bildquelle: TeamLiquidNet

Unser Bild zeigt in der rechten Darstellung eine Aufzeichnung der Linienführung aus MS Paint, wie es in jedem Windows eigentlich verfügbar sein solte. Auf der rechten Seite erblicken wir zwar hier und dort Ecken und Kanten, doch diese sind schlicht der Handführung der Maus geschuldet.

Auf der linken Seite erblicken wir allerdings ein anderes Verhalten. Es hat den Eindruck, dass der Sensor der Maus sich neu ausrichtet und positioniert und damit eine neue Linienführung beginnt, die an eben jenen Punkten aus dem Bild mit einem “fetten” Ansatz einhergeht.

Wir können uns durchaus vorstellen, dass ein solches Verhalten bei manchen günstigen Mäusen noch anzutreffen ist, und in der Praxis ist dieses Verhalten im Office-Einsatz auch noch absolut verzeihlich. In Präzisionsarbeit, sei es nun bei CAD-Anwendungen oder Spielen, ist dies natürlich ein No-Go!

Das eigene Verhalten in diesem Bereich ist aber via MS-Paint-Test eben ganz leicht heimisch zu prüfen. Und wenngleich wir aktuell eigentlich weniger erwarten, auf einen Fehler auf diesem Prüffeld zu stoßen, werden wir den simplen Test auch in Zukunft vorerst beibehalten!

Und an diesem Punkt enden unsere üblichen Testherangehensweisen an Spielermäuse, aber unser Artikel endet noch nicht, denn es gibt noch weitere Begrifflichkeiten und Umstände, über welche wir sprechen müssen.

IPS und Beschleunigung

Die heutzutage für den Spieler wesentlichen Begrifflichkeiten zur Vorabeinschätzung einer Maus haben wir mit dpi und der USB-Polling-Rate prinzipiell schon erklärt. In manchen Produktbeschreibungen von Peripherieherstellern finden sich dann teils noch zwei weitere Begrifflichkeiten. Der G-Wert, welcher in deutschen Texten als Beschleunigung tituliert wird, und der IPS-Wert, welcher als Angabe zur maximalen Arbeitsgeschwindigkeit zu verstehen ist.

IPS

IPS steht für Inches per Second. Ein Inch entspricht, wie im Kapitel dpi-Stufen bereits erläutert, 25,4 Zentimetern. 39,4 Inch entsprechen 100 cm. ASUS benennt bei der RoG Gladius die maximale Geschwindigkeit mit 200 ips, also 508 cm pro Sekunde, was in der Theorie bedeutet, dass die Sensortechnik in der Lage wäre, bis zu fünf Meter pro Sekunde zu erfassen. Anhand unserer Erläuterungen unter dpi wird schnell klar, dass es sich hier nur um einen theoretischen Wert handelt, welcher irrelevant für die Praxis ist, denn diese Strecken in Verbindung mit der Zeit können nicht im Ansatz präzise umgesetzt werden, haben für das Spielen insbesondere damit schon keine Relevanz mehr.

ASUS PQ278 mit G-Sync

Es leuchtet ein, dass selbst 100 cm pro Sekunde im Ansatz kaum noch etwas mit einer spielbaren Geschwindigkeit zu tun haben. Geübte Profispieler dürften vielleicht eben noch mit der Hälfte, also zirka 20 ips, zurechtkommen. Somit fallen die inzwischen sehr hohen Angaben dort mehr in den Marketing-Bereich.

Beschleunigung

Der zweite hin und wieder anzutreffende Wert – hier wieder am Beispiel der ASUS Gladius mit 50 G genannt -, ist ebenfalls für den Mausinteressierten weniger von Bedeutung. Es handelt sich dabei lediglich um den Erschütterungswert, bei welchem der Maussensor noch korrekt arbeiten kann. Interessant darf die Angabe allenfalls für ungewollte Stürze der Maus sein. Doch was nützt es, wenn der Sensor den Sturz überlebt, aber Plastik oder Taster zu schaden kommen?

Angle Snapping – Linienbegradigung

Hier und dort findet sich in den Software-Einstellungen von Mäusen die Option der Linienbegradigung; ein Umstand, welcher Lasermäusen gerne als Nachteil vorgeworfen wird, wenn dies vom Signalprozessor automatisch vorgenommen wird. In vielen Fällen lässt sich ein solches Verhalten allerdings auch mittels Software deaktivieren.

Linienbegradigung kann sich bei CAD-Anwendungen möglicherweise positiv bemerkbar machen, allerdings berichten auch manche Spieler von präziserem Verhalten bei Zielvorgängen.

Hardware-Umsetzungen und Software

Windows- und Software-Einstellungen

Verwendet man an seinem eigenen System eine 08/15-Maus, welche ohne separate Software daherkommt, so ermöglicht Windows gewisse Einstellungsoptionen. Diese erreicht man über einen Klick auf den Start-Button und indem man dann im Suchfenster “Maus” eintippt. Sofort erhält man den gewünschten Begriff aus der Systemsteuerung und gelangt in die Maus-Optionen.

Bild: Ein How-To und ein Guide: Gaming-Mäuse erklärt

Im Reiter “Zeigeroptionen” kann man die Zeigergeschwindigkeit mittels Schieberegler verstellen, zudem ist von Hause aus in Windows die Option “Zeigerbeschleunigung verbessern” aktiviert. Bei den erwähnten durchschnittlichen Mäusen erhält man darüber eine Anpassungsmöglichkeit für das eigene Arbeitsverhalten.

Setzt man allerdings Gaming-Mäuse ein, sollte man hier das Häkchen bei “Zeigerbeschleunigung verbessern” entfernen und die Zeigergeschwindigkeit auf Default belassen (sechster Markierungspunkt). In diesem Fall greift Windows dann in aller Regel nicht in die Maussteuerung ein und gibt die in der Maus hinterlegten Einstellungen 1:1 weiter.

Darüber hinaus gibt es natürlich noch in manchen Spielen verschiedene Optionen, die Maus-Einstellungen zu verändern. Grundsätzlich raten wir allerdings dazu an, sie über die Maus selbst oder die Maus-Software vorzunehmen – mit einer Ausnahme:

RAW-Modus in Spielen

Bietet ein Spiel in seinen Einstellungsmöglichkeiten den “RAW-Modus” oder “RAW-Input”, so sollte dies aktiviert werden. In diesem Falle werden mögliche Eingriffe über Windows deaktiviert und das Spiel nimmt 1:1 die in der Maus hinterlegten Einstellungen an.

Maus-Software

Prinzipiell sind wir kein Freund von zusätzlicher Software bei Peripherieeräten. Das ist dem Umstand über zig Jahre geschuldet, in welchem wir immer wieder mit Problemen durch die Software konfrontiert worden sind, aber auch den Erfahrungen aus unseren Tests, in welchen die Hersteller-Software nicht immer reibungslos funktionierte und damit prinzipiell noch ein weiterer Dienst im Hintergrund lief.

Egal wie gut der Hersteller von Peripherie seine Software entwickeln ließ (denn der Hardware-Produzent tut dies in aller Regel nicht selbst), er hat niemals alle möglichen Konstellationen getestet, die es an PCs und darauf eingesetzter Software auf dem Markt gibt. So kann eine installierte Maus-Software unter Umständen mit einer sonstigen installierten Software in Kollision geraten und ein ungewöhnliches Verhalten verursachen.

Da die Software von Peripherieherstellern teils aber absolut nicht wegzudiskutieren und für den vollen Funktionsumfang meist zwingend ist, bleibt sie ein notwendiges Übel, das es auch zu testen gilt. Dabei deaktivieren wir allerdings sämtliche aktiven Dienste, die möglich sind, eben um sicherzustellen, dass ein aktives Skype oder eine aktive Mainboard-Software nicht für ein ungewöhnliches Verhalten sorgt.

Blicken wir beispielsweise auf die ASUS Gladius, welche wir kürzlich vorgestellt haben und absolut loben mussten, blieben Kritikpunkte allenfalls bei der Software, und diese ist nötig, um alle Möglichkeiten ausschöpfen zu können.

Das können schlichte Makro-Programmier-Optionen sein, aber auch Einstellungsmöglichkeiten bei der dpi-Stufe und der Polling-Raten oder eine Kalibrierungsfunktion für Untergründe, die in manchen Fällen – je nach Sensor – erforderlich wird!

So bleibt in vielen Fällen die zusätzliche Software des Herstellers ein notwendiges Übel, weshalb wir uns diese in den Tests eben auch recht genau anschauen und dort auch gerne zum Meckern bereit sind, wenn diese nicht macht, was sie soll.

Fachliche Begriffe bei Mäusen für den Spielerbereich gibt es neben den bereits erwähnten aber noch zur Genüge. Da hätten wir die Griffarten einer Hand im Angebot; oft erwähnt, nur selten erklärt. Das ist der Grund, warum wir einen Moment an diesem Punkt verharren.

Claw-, Palm-, Fingertip-Griff

Eine gewisse folgende Hürde in den Begrifflichkeiten liegt bei den Greifmethoden einer Maus. Hier fließt abermals das subjektive eigene Gefühl mit in die Problematik der Spielermäuse und die Frage, welche Maus nun letzten Endes am besten zur Hand passt, hinein.

In der Szene spricht man von drei Griffarten: Palm, Claw und Fingertip. Zu welcher Anwendergruppe man selbst zählt, sollten die nachfolgenden Bilder erklären:

Mit Bildmaterial von ASUS
Palm-Grip

Laut Hersteller-Angaben ist der Palm-Grip die am weitesten verbreitete Grifftechnik. Dabei liegt die Hand vollflächig auf der Maus auf und es ergibt sich meist ein komfortables Gefühl. Das funktioniert in aller Regel aber nur, wenn die Maus entsprechend voluminös gefertigt ist, damit die Hand darauf “ruhen” kann. Mäuse für dem Palm-Grip sind oft auch breiter gefertigt und bieten dadurch Auflagemöglichkeiten für den Daumen. Die Mausbewegungen erfolgen dabei aus dem Handgelenk, was viel Übung bedarf, will man präzise oder schnell spielen.

Claw-Grip

Beim Claw-Grip umfasst die Hand die Maus wie eine Kralle und hat deutlich weniger Berührungspunkte, als beim Palm-Grip. Die passenden Mäuse für diese Grifftechnik sind meist kürzer gehalten, nicht zu breit und verfügen über ein flaches Rückenteil.

Fingertip-Grip

Beim Fingertip-Grip wird die Maus mehr oder minder nur von den Fingern gehalten. Der Handballen hat Berührung zur Fläche des Mauspads. Die Mausbewegungen werden über die Finger gesteuert. Der Griff ist insbesondere bei hohen dpi-Stufen – also bei High-Sense-Spielern – geeignet, da durch den aufliegenden Handballen nur kurze Mausstrecken zurückgelegt werden können. Wie auch der Claw-Grip, wird diese Grifftechnik bei den Gamern von schnellen Spielen bevorzugt. Die Mäuse sind dabei oft noch kürzer gehalten, als beim Claw-Grip. Viele 08/15-Anwender von Notebooks arbeiten im Fingertip-Griff, da die kleinen Notebook-Mäuse bei mittleren und größeren Händen kaum eine andere Haltung zulassen.

Jede dieser Grifftechniken ist absolut ausschlaggebend, ob die im Test befindliche Maus dann tatsächlich auch zur eigenen Hand passt. Wir erkennen schnell, dass es nun absolut subjektiv wird. Wir sind objektiv nicht mehr in der Lage, mit unseren Messtechniken oder Herangehensweisen zu prüfen, ob die im Test befindliche Maus in der Tat noch ideal für den Endkunden gefertigt wurde. Auch die Hersteller können das nicht mehr prüfen. Im Blick hat man lediglich noch die Masse, für welche es passen könnte oder eben nicht.

Und gerade dies fließt natürlich massiv mit in Punkte wie Ergonomie ein. Je nach Formgebung und der eigenen Hand, eben auch im Hinblick auf die persönlich favorisierte Grifftechnik, kann ein Mausdesign bei dem einen Anwender perfekt sein, beim anderen wieder nicht so recht passen.

An dieser Stelle bleiben unsere Tests natürlich ebenfalls subjektiv, wobei wir an diesem Punkt zwei unterschiedliche Tester an den Start lassen, welche einmal über eine große und einmal über eine mittelgroße Hand verfügen und zum anderen mit zwei unterschiedlichen Grifftechniken arbeiten.

Sensoren: Laser und LED

Die optische Abtastung von Spielermäusen erfolgt zumeist über zwei unterschiedliche Techniken. Entweder kommt eine Abtastung mit LED- oder mit Lasertechnik zum Einsatz.

Bei der LED-Technik nimmt eine Kamera das reflektierte Licht der LED auf, übermittelt die Daten der Bewegungen an einen Chip, welcher selbige berechnet und als Bewegung umsetzt. Bei der optischen Abtastung mittels Lasertechnik entfallen LED und Kamera, stattdessen kommen ein Laser und ein digitaler Signalprozessor (DSP) zum Einsatz.

Welche Technik im Ergebnis die bessere ist, darüber streiten sich die Gelehrten – oder besser gesagt die Anwender. LED-Mäusen sagt man bessere Präzision nach, dafür höhere Empfindlichkeit bei Oberflächen. Lasertechnik soll sich insbesondere bei sehr schnellen Titeln in hoher dpi-Stufe positiv bemerkbar machen, allerdings greift der DSP auch in den Abtastprozess ein und kann dabei für Begradigungen von Bewegungen sorgen. Vorteile soll die Lasertechnik bei der Lift-off-Distance bieten, da bei einem Anheben der Maus die Abtastung sofort unterbrochen wird.

Im Ergebnis bleibt es also auch an diesem Punkt bei dem Problem, dass man die Produkte explizit auf ein etwaig auffälliges Verhalten hin testen muss.

Bekannte/beliebte Vertreter mit LED-Technik

Bekannte/beliebte Vertreter mit Lasertechnik

Spieler erwarten für die teils sehr hohen Preise, welche sie für die Hardware auf den Tisch legen, natürlich auch entsprechende Qualität. Diese Qualität wird gerne mit hochwertigen Namen in Verbindung gebracht. Bei den optischen Sensoren mit LED-Technik kommt gerne Avago/PixArt zum Einsatz.

Doch alleine der Name des Sensorherstellers muss noch nicht ausschlaggebend für eine hervorragende Hardware sein. Wir hatten unterschiedliche Mäuse mit Avago-/PixArt-Sensoren im Einsatz, welche mal alle Anforderungen erfüllten und an manch anderen Stellen wiederum sehr zickig agierten. Alleine der Name macht es also nicht – darüber sollte man sich im Klaren sein, denn die Firmen entwickeln Produkte für jeden Geldbeutel.

Maustaster

Auch hier gilt das zuvor Geschriebene: Es gibt auch in diesem Bereich Namen, welche für Qualität stehen, aber nicht zwingend bedeutet der Einsatz eines Omron-Tasters, dass gleich auch die höchste Qualität verbaut ist. Nehmen wir uns als Beispiel die gerne gesehenen Omron D2FC-F-7N-Schalter.

Von insgesamt 20 Millionen Klicks sprechen die Hersteller gerne, welche auf diese Taster zurückgreifen. Das ist von Beginn an schon als Marketing zu bezeichnen, denn es werden zwei zum Einsatz kommende Schalter zusammenaddiert – also pro Taster wären es korrekterweise 10 Millionen Klicks. Diese Angabe bezieht sich dann laut Hersteller auf typische 60 Operationen pro Minute – bei 120 Operationen pro Minute halbiert sich die Anzahl auf maximal fünf Millionen Klicks. Doch sei es drum, das ist dennoch ein hoher Wert.

Wird bei einer Maus also Omron genannt, geht der etwas belesene Anwender gleich von guter oder hoher Qualität aus, abhängig von dem Wissen um einen bestimmten Schalter des Herstellers. Nehmen wir uns dann beispielsweise die Omron D2F-01-Taster, so haben wir es dort lediglich noch mit einer Million Klicks bei 60 Operationen pro Minute zu tun.

Und einen dritten Punkt gilt es zu berücksichtigen: Das Marketing spricht gerne in der Beschreibung von Omron-Tastern, bezieht sich dann aber zumeist nur auf die beiden Haupttaster der Maus – also rechte und linke Maustaste. Bei den weiteren Tasten, der Seitentaste oder dpi-Umschalttaste müssen darum nicht zwingend ebenfalls Omron-Modelle eingesetzt werden.

Im Rahmen unserer Möglichkeiten versuchen wir natürlich herauszufinden, mit welchen Schaltern wir es zu tun haben, und sei es nur durch Rücksprache mit den Herstellern. Das Öffnen von Mäusen zur Überprüfung ist immer unser zweiter Schritt, da dies nicht immer ganz simpel ist und in aller Regel mit Beschädigungen einhergeht.

Neben der Qualität der verbauten Schalter ist für die meisten Anwender der Druckpunkt wohl die wichtigste Information. Wer beispielsweise Games zockt, bei welchen Mausschalter längere Zeit gedrückt bleiben müssen, der wird mit einem Taster mit hohem Druckpunkt weniger glücklich sein und eher ein Variante mit weichem Druckpunkt bevorzugen. Wir messen daher den Auslösepunkt der beiden Haupttasten mittels Feingewichten. Das gelingt uns bis auf 1 Gramm relativ genau.

Besonderheiten

Nach den Ausführungen zum Kapitel Taster wäre es natürlich wünschenswert, wenn der Anwender entsprechende Optionen hätte, die Maus an seine Bedürfnisse anzupassen. Die perfekte Maus für die eigene Hand gefunden, aber die Taster passen nicht – kein seltener Umstand, und die Fachforen zum Thema Gaming-Mäuse sind voll mit Fragen dazu, ob man die Taster nicht eventuell wechseln könnte. Jemand, der gut mit dem Lötkolben umgehen kann und passende Bezugsquellen für die Taster hat, der könnte sich hier vielleicht helfen. Ein solches Vorgehen scheidet allerdings für die meisten Anwender eher aus.

Eine alternative Herangehensweise, zumindest bei den beiden Haupttastern, bietet ASUS mit der RoG-Gladius-Maus. Hier kommt ein Stecksystem für die Taster zum Einsatz und die Maus bietet dort eine hohe Kompatibilität zu diversen Omron-Tastern, so dass auch der Anwender zu Hause in der Lage ist, Taster problemlos zu wechseln.

Mit all ihrer Optionsvielfalt und den überzeugenden Werten im Test erhielt das Produkt gar auch eine unserer seltenen Auszeichnungen und Empfehlungen. Insbesondere auch, weil der Preis mit rund 75 Euro bei diesem Lieferumfang und den üblichen Preisen der Szene mehr als attraktiv ist.

Kabel oder nicht?

Grundsätzlich lautet die Antwort auf diese Frage “Kabel”, und das ist auch die Sicht der meisten Spieler. Nicht selten führen die Funkverbindungen bei Mäusen zur Verschlechterung der Reaktionszeit durch Input-Lags bei der Übertragung.

Diverse kabellose Mäuse, insbesondere jene der günstigen Preisklassen, zeigen hier ein wirklich schlechtes Verhalten, und bislang haben wir erst eine Maus aus dem Gaming-Sektor im Haus gehabt, die uns das Gegenteil unter Beweis stellte, und das war die Razer Ouroboros. Unser Fazit zu diesem Produkt gab eine klare Empfehlung her, darf aber nicht so aufgefasst werden, dass jedes kabellose Razer-Produkt gleichgut funktioniert, denn die Razer Orochi, ebenfalls hier im Hause, kann unseren Ansprüchen an eine Spielermaus im kabellosen Betrieb nicht entsprechen.

Bild: Ein How-To und ein Guide: Gaming-Mäuse erklärt

Ein großer Nachteil dieser Freiheit bei der Ouroboros: der Preis! Denn aktuell muss man runde 145 Euro auf die Ladentheke legen – da werden dann viele doch lieber mit der Hälfte des Preises leben und auf Kabel setzen.

Der passende Untergrund

Mauspads gibt es wie Sand am Meer, und die Preisklassen sind ebenfalls vielfältig. Die Hersteller unterscheiden hier meist in Speed- oder Control-Oberfächen. Dabei sind die Speed-Pads meist glatter, die Control-Pads rauer gehalten. Die Ausführungen müssen dabei aber nicht zwingend härtere Oberflächen mit sich bringen, denn Speed- und Control-Pads gibt es jeweils in Stoff-Ausführungen.

Dazwischen finden sich natürlich auch wirkliche Hard-Pads – aus Kunststoff oder Aluminium gefertigt -, welche wiederum dem Gros der Spieler nicht entgegenkommen. Hersteller von Peripherie aus dem Gaming-Sektor lästern unter der Hand gerne über über die Qualität von “günstigen Mauspads”. Dabei meint man dann aber “günstig” nicht im Sinne eines geringeren Kostenfaktors, sondern im Sinne von “billig” und ohne passendes Fachwissen produziert. Diese Breitseite geht dann vollständig an Mainboard-Hersteller, die zunehmend auch ihre eigenen Gaming-Sparten ausbauen, dort auch Produkte aus dem Peripheriebereich hinzupflegen und teils dann auch im Lieferumfang gar Mauspads beilegen. Die Rede ist klar von ASUS, Gigabyte oder MSI. Diese Mainboard-Hersteller verfolgen gewisse Ziele und haben Ambitionen auf dem eSports-Sektor, und dort trifft man bei einem hochwertigen Mainboard hier und dort auch einmal die Beilage eines Mauspads an.

Während die Gaming-Szene der etablierten Hersteller das gerne belächelt und unter der Hand auch mal Breitseiten loslässt, begründet aber keiner exakt, wo das Problem liegen soll. Nehmen wir uns Zowies FK2-Maus. Auf einem “günstigen” MSI Speed-Pad hatten wir keine Probleme verzeichnen können, auf dem Zowie-Pad G-SR hingegen schon.

Wie können sich Probleme äußern?

Das beschreiben wir am besten anhand eines Videos:

Beispiel fehlerhaftes Verhalten

Auf verschiedenen Untergründen – insbesondere bei manchen Lasern festzumachen an eingearbeiteter Optik – hat der Maussensor Probleme beim Abtasten. Das kann in Rucklern, Stottern, Aussetzern erfolgen und ist nichts, was der Spieler wünscht oder brauchen kann.

Das Extrem

Jeder Hersteller von Gaming-Peripherie erwartet schlicht zwingend, dass seine Maus auf einem guten Mauspad betrieben wird. Dass ein Anwender die Maus ohne passenden Untersatz betreibt, gar auf einer Tischplatte aus strukturiertem Holz oder auf einer Glasplatte, ist ein “No-Go”!

Doch gerade hier finden sich solche Extreme. Unter den Büro-Anwendern gibt es genügend Personen, welche die Maus nicht auf einem Mauspad betreiben, und schlimmer wird es gar noch bei HTPC-Anwendern, welche vielleicht gar auf den Wohnzimmer-Glastisch setzen. Bei letzterem Untergrund funktioniert dann vielleicht noch manche Lasermaus, eine LED-Maus wird in aller Regel aber streiken.

Folgende Oberflächen kommen im Test zum Einsatz

Wir haben uns zu diesem Thema mit Herstellern von Mäusen unterhalten und klare Empfehlungen zu Mauspads abgefragt. Diese Mauspads haben wir uns in einem gewissen Umfang besorgt, und deren Namen sind natürlich klangvoll. Darüber hinaus verwenden wir drei Pads von Mainboard-Herstellern, welche von den Peripherieherstellern als “günstig” oder “billig” erachtet werden. Und zu guter Letzt setzen wir zusätzlich noch auf eine schlichte Holztischplatte, welche mit manchen Unebenheiten und Farbunterschieden daherkommt. Auf Glas verzichten wir so lange, bis der Hersteller es explizit als funktionstüchtig erwähnt. Dann testen wir auch auf einem Glastisch. Wir werten ein Versagen auf Holzoberfläche (auch glatter) aber nur im Bereich Office-Einsatz, nicht im Bereich Gaming.

Was macht ein gutes Mauspad aus?

Eine feste Aussage oder Empfehlung lässt sich wegen subjektiver Vorlieben von Anwendern nicht treffen, es gibt allerdings grundlegende Merkmale und Punkte, auf welche man achten kann.

  • OberflächeDie Oberfläche des Mauspads sollte prinzipiell optimale Gleiteigenschaften bieten, bei Präzisionsspielern etwas rauer gehalten sein und bei High-Sense-Spielern eine glatte Oberfläche bieten. Beide Flächen auf einer Oberfläche sollte man wegen den unterschiedlichen Gleiteigenschaften hingegen meiden. Gleichzeitig sollte die Oberfläche möglichst schmutzabweisend (bei Stoffen imprägniert) sein, damit eine Reinigung bei leichten Verschmutzungen möglich ist.Wichtig bei der Oberfläche ist vor allem aber der Strukturaufbau. Detailliert aufgebaute Oberflächen erlauben dem Sensor (und Kamera bei LED-Technik) korrektere Messungen und damit letztendlich eine präzisere Steuerung.
  • Maße und DickeDie Maße sind vorrangig von den persönlichen Vorlieben zu entscheiden. Zählt man zu den Low-Sense-Spielern und muss mit der Maus darum größere Strecken zurücklegen, sollte man zu einem größeren Pad greifen. Die Hersteller bieten meist ihre Pads in drei Größen an: Small, Medium und Large. Ein High-Sense-Spieler kommt natürlich mit einer Small-Variante klar, welche auch deutlich weniger Platz auf dem Schreibtisch in Anspruch nimmt.Auch bei der Stärke gibt es Unterschiede. Manche Pads gibt es auch hier in unterschiedlichen Ausführungen, beispielsweise 3 oder 5 mm Stärke. Manche Exoten kommen gar mit einer Handballenauflage daher. Hier ist der persönliche Geschmack ebenfalls wieder ausschlaggebend – wir persönlich bevorzugen eine Stärke von 5 mm bei großen Pads und 3 mm bei kleinen Varianten.
  • LebenserwartungHier wird es kniffelig. Natürlich hofft man auf eine lange Lebenserwartung, wirkliche Angaben dazu gibt es aber eben nicht. Wer viel spielt, der hat einen höheren Verschleiß, und unschön ist es, wenn die Oberfläche oder die Ränder sich schon nach wenigen Monaten zu lösen beginnen. Insbesondere bei der Oberfläche ist dann schon das Ende des Spielgenusses erreicht, bei Materialablösungen an den äußeren Rändern zumindest der optische Genuss.
  • RutschhemmendAbsolut wichtig ist bei Mauspads natürlich, dass sie nicht bei der kleinsten Bewegung verrutschen. Viele Pads kommen darum auf der Rückseite mit einer Gummierung daher, welche das verhindert. Pads, welche auf der Rückkseite ausschließlich Stoff bieten, sollte man meiden. Dort erwischt man sich mehr bei der neuen Ausrichtung des Pads, als bei der Ausrichtung der Maus auf den Gegner.

Persönliche Empfehlungen

Wie unsere Liste an Test-Oberflächen oben bereits zeigt, haben wir natürlich eine gewisse Auswahlmöglichkeit. Das ASUS Whetstone ist der insgeheime Favorit unseres Spieletesters Dominik. Es passt von seiner geringen Größe her wunderbar zum High-Sense-Gaming. Es ist sehr schmutzunempfindlich durch seine Stoff-Silikon-Mischung und kann auch Flüssigkeiten widerstehen. Seine Rückseite ist ebenfalls sehr gut gegen ein Verrutschen des Pads designt worden. Der Wermutstropfen beim Whetstone ist sicherlich der sehr hohe Preis von 50 Euro, weshalb wir keine volle Empfehlung aussprechen wollen. So teuer sollte ein Mauspad eben nicht sein.

Damit wäre sein zweiter Griff wohl das Razer Goliathus Speed in der Small- oder Medium-Ausführung, welches bereits zu Preisen ab rund 23 Euro zu haben ist.

Grafikkartenspezialist Peter mag die großen Größen, da er nicht selten eine oder zwei Stufen im dpi-Bereich zurückschalten muss, um präzise die Maus steuern zu können. Sein optischer Favorit ist Razers Goliathus in der Control-Version. Da aus den diversen Maustests aber auch klar wurde, dass die Farbgebungen der Oberflächen durchaus ein Zünglein an der Waage sein können, wenn man es mit einem etwas zickigeren Sensor zu tun hat, bevorzugt er das Roccat Taito in 5-mm-Stärke und King-Size-Größe.

Fazit

Wer den Artikel aufmerksam gelesen hat, der hat wohl schnell erkannt, dass Gaming-Mäuse ein vielfach sehr subjektives Thema darstellen, eben weil es unterschiedliche Vorlieben gibt. Unser heutiger Artikel soll darum erst einmal vorrangig dazu beitragen, die Zusammenhänge zu verstehen und dadurch eine persönliche Einschätzung besser vornehmen zu können.

Gleichzeitig dient der Artikel als Basis zum Verständnis, wie wir an Mäuse herangehen und was wir testen, wobei hier nichts in Stein gemeißelt ist! Wir hoffen und erwarten hier Feedback – auch konstruktive Kritik -, um diesen Artikel oder die Betrachtungsweise bei unseren Peripherietests weiter verbessern zu können. Unsere Ansätze liegen auf der Hand und sie versuchen mit den gezeigten Mitteln unsere subjektiven Eindrücke auch objektiv zu untermauern.

Das ändert aber nichts an der Problematik, dass dem einen Tester ein Huano-Schalter angenehm erscheint, dem anderen als zu anstrengend. Oder dass dem zweiten Tester die Mausrad-Feedbacks mit hohen Rasterstufen als präzise erscheinen, wenngleich der zweite Tester es als unangenehm im täglichen Arbeiten empfindet.

Immer dann, wenn sich beide Tester überwiegend einig sind und die Messergebnisse die Resultate untermauern, sprechen wir auch eine Empfehlung aus. Ist dies nicht gegeben, verfahren wir wie bei üblichen Tests in der von uns gewohnten Güte: Es gibt Kritik oder Darstellung der weniger gut gelösten Punkte, aber keine Auszeichnung; auch nicht in “Messing”. 😉

[pg & dog], 25. Mai 2015

About David Maul

David Maul ist studierter Wirtschaftsinformatiker mit einer Leidenschaft für Hardware