Geoblocking und Ländersperren

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Beispiele und ihr rechtlicher Hintergrund



Wie bereits erwähnt, macht sich Geoblocking vor allem im digitalen Bereich bemerkbar, wenn es natürlich auch beim Online-Handel über Ländergrenzen hinweg zu Problemen kommen kann. Streaming-Dienste, Online-Glücksspiele und Videospiele gehören hier zu den besonders prominenten Beispielen, die im Folgenden näher ausgeführt werden sollen. Nicht immer liegt der jeweiligen Ländersperre der gleiche rechtliche Hintergrund zugrunde.

Videospiele



In puncto Videospiele sind die Ländergrenzen nicht nur im Hinblick auf die unterschiedlichen Lizenzierungen betroffen, sondern auch bei der Gesetzgebung zum Jugendschutz. Lange Zeit hielten vor allem die Konsolenhersteller Sony, Microsoft und Nintendo am Regionlocking fest, um gegen Piraterie vorzugehen und Raubkopien zu verhindern.

Nicht zuletzt ist der Regionlock auch ein wirksames Mittel zur Preiskontrolle auf dem jeweiligen Markt, denn nur auf diese Weise konnten Anbieter in verschiedenen Ländern auch verschiedene Preise verlangen. Allerdings hatte dies zur Folge, dass immer mehr Nutzer ihre Konsole via Chip modifizieren ließen, um Inhalte aus anderen Ländern abspielen zu können. Zumindest Microsoft und Sony sind nun schon länger von diesem Vorgehen abgerückt und machen die Inhalte aus anderen Ländern auch auf deutschen Konsolen verfügbar.

Wolfenstein: The New Order

Nicht immer liegt die Problematik im Geoblocking allein im Urheberrecht begründet. Ein besonderer Fall ist beispielsweise der Titel Wolfenstein: The New Order. Inhaltlich ist der Ego-Shooter in einem dystopischen Setting angesiedelt, in dem die Nationalsozialisten den Zweiten Weltkrieg mittels überlegener Technologie gewonnen haben.

In seiner originalen Version sind überall im Spiel Hakenkreuze auf Fahnen und Armbinden abgebildet, was in Deutschland als Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und damit als Straftat nach § 86a StGB gilt. Entsprechend war lange Zeit unklar, ob der Titel in Deutschland überhaupt veröffentlicht werden würde, denn als weiteres Problem galt die als extrem eingestufte Gewaltdarstellung des Titels.

Um auch in Deutschland veröffentlicht werden zu können, mussten die Symbole entsprechend entfernt werden, und die Fraktion der Nationalsozialisten wurde umbenannt in "Das Regime". Die deutsche Rechtsprechung behandelt Videospiele in der Hinsicht noch immer anders als Filme. Während in Filmen als Bestandteil der Medienkunst Hakenkreuze und ähnliche Symbole durchaus gezeigt werden dürfen, fallen Videospiele hier in den Bereich des Spielzeugs und dürften entsprechend nicht mit derartigen Symbolen versehen werden. Zudem müssen Videospiele, wenn sie eine Altersfreigabe bekommen sollen, der USK zur Bewertung zugeführt werden. Diese ist aber nicht berechtigt, Spiele zu bewerten, in denen verfassungswidrige Symbolik verwendet wird.

Um zu verhindern, dass deutsche PC-Spieler für die unbearbeitete Fassung einfach eine Version aus dem deutschsprachigen Ausland kaufen, ist nach dem Kauf eine Registrierung notwendig, allerdings kann eine Version von Wolfenstein: The New Order beispielsweise aus Österreich in Deutschland nicht freigeschaltet werden.

Regionalcodes

Regionalcodes sind auch bei Blu-rays und DVDs verbreitet. So wird verhindert, dass beispielsweise in den USA gekaufte DVDs auf europäischen Geräten abgespielt werden können. Publisher wie Time Warner verzichten allerdings vermehrt auf den Einsatz von Regionalcodes.

Insbesondere im Fall des japanischen Konsolenherstellers und Publishers Nintendo wird das Thema Ländersperre immer wieder diskutiert, denn Spiele aus bestimmten Regionen können nur auf Geräten aus derselben Region gespielt werden. Wer also beispielsweise ein Spiel direkt aus Japan importiert, kann es auf seinem europäischen Gerät nicht abspielen. Dieser sogenannte Regionlock stört Nutzer schon seit langem, zumal der Konzern neben Sony und Microsoft der einzige ist, der nach wie vor an diesem Prinzip festhält. Ende 2014 hat sich Nintendo-Chef Iwata Satoru allerdings geäußert, dass in Zukunft diese Vorgehensweise überdacht werden müsse, wie hier bei Gamona nachzulesen ist. Nach wie vor gibt es aber seitens Nintendo keine sicheren Intentionen, den Regionlock abzuschaffen.