Geoblocking und Ländersperren

Sonstige Reviews | HT4U.net | Seite 6

Kulturgut vs. Bürokratie



Insbesondere die Nutzer selbst, die über das Internet meist sehr gut darüber informiert sind, welche Inhalte in anderen Ländern verfügbar sind, fühlen sich um den Zugriff richtiggehend betrogen, denn sie wissen, dass sie letztlich nur durch einen digitalen Vorhang davon getrennt sind, der sich häufig mit den genannten Methoden leicht umgehen lässt. Entsprechend wird diese Grenze als eine völlig überflüssige wahrgenommen, zumal das Internet in vielerlei Hinsicht noch immer als Raum mit eingeschränkter Gerichtsbarkeit gilt.

Das Problem mit den unterschiedlichen Gesetzgebungen ist nicht zu unterschätzen, denn insbesondere im Hinblick auf den Jugendschutz sind viele Menschen dankbar für feste Regelungen, bei denen vor allem Spiele erst einmal eine Alterseinstufung durchlaufen, bevor sie in den freien Handel gelangen.

Wie sich am Beispiel des Titels Wolfenstein: The New Order auch deutlich zeigt, kann die unterschiedliche Gesetzgebung sich auch auf ganz andere Dinge beziehen, als bloß auf Gewaltdarstellungen. Dass Medien mit verfassungsfeindlichen Symbolen nicht ungefiltert vermarktet werden können, zeugt letztlich von einem bewussten Umgang mit der deutschen Vergangenheit.

Allerdings ist die Grenze zwischen dem Medium Film und dem Medium Videospiel längst nicht mehr so scharf, wie sie vielleicht einmal war. Entsprechend unfair mutet da die unterschiedliche Gesetzgebung an, und schon lange setzen sich Branchenangehörige dafür ein, dass Videospiele einen ähnlichen kulturellen Status bekommen, wie ihn Filme längst haben.

Mediale Inhalte gelten zumindest allgemein betrachtet als eine Form von Kulturgut. Sie tragen zur kulturellen Identität eines Landes bei und spiegeln diese auch wider. In einer derart gut vernetzten Welt wird demgemäß das Bedürfnis größer, diese Güter zu teilen und selbst wiederum an ihnen teilhaben zu können. Viele Nutzer wollen sich nicht mehr damit zufriedengeben, Inhalte ausschließlich für ihr eigenes Land zu konsumieren. Entsprechend wird es immer Versuche geben, anderweitig an das mediale Angebot anderer Länder zu kommen, häufig auf einem nicht ganz legalen Weg.

Dies wird sich auch mit angedrohten Strafen nicht verhindern lassen, denn die Verfolgung solcher Nutzer ist meist aufwendig, und auch der Schaden, der durch Piraterie entsteht, ist nach neueren Erkenntnissen nicht so verheerend, wie die Industrie vorgibt, schreibt heise.de. Die zitierte Studie zeigt auf, dass ein Großteil der Nutzer die illegal konsumierte Musik auch dann nicht gekauft hätte, wenn sie ausschließlich legal verfügbar gewesen wäre. Die Ergebnisse lassen sich natürlich nicht komplett auf alle andere Medien anwenden, dennoch ist der Trend vergleichbar.

Eine einheitliche Regelung mindestens innerhalb der EU ist auf Dauer unabdingbar, denn schließlich führt das Problem schon jetzt dazu, dass zahlende Kunden auf ihre Abos von Video-on-Demand-Diensten nicht zugreifen können, wenn sie sich nicht in ihrem Heimatland befinden, wo sie den Dienst gebucht haben.