Ein Kommentar: Maxwell - der holprige Start

Grafikkarten | HT4U.net | Seite 5

Abschließende Worte


Sturm im Wasserglas ...



Auch mit den nachträglich zu Tage getretenen Einschränkungen ist die GTX 970 eine ausgewogene Karte. Sie hat genug ROPs und genug Speicherbandbreite, um ihre Shader-Leistung auf die Straße zu bringen.

Sogar was das 3,5-GiB-Problem angeht, sind die Auswirkungen eher gering. Auf vielen Systemen benötigt Windows je nach Konfiguration ohnehin bis zu einigen hundert MB Speicherplatz für den hardwarebeschleunigten Desktop-Betrieb. Ein Spiel, das wirklich 4 GiB Videospeicher braucht, muss dann auch auf einer GTX 980 auslagern. Grafikspeicher im PC-RAM abzubilden, ist kein Teufelszeug. Wenn eine 980, 970 oder eine andere moderne GPU Speicher auslagern muss, besteht bei maßvollem Übersteigen noch die Hoffnung, im spielbaren Leistungsbereich zu bleiben.

Nicht alles geht glatt. Unzureichend getesteter Multi-Monitoring-Support, überhastet vorgestellte MFAA-Technologie, mögliches Spulenfiepen bei Board-Partnern: Das trübt den Ersteindruck; aber wo Menschen arbeiten, werden Fehler gemacht. NVIDIA kann hier nachbessern.

... oder echter Aufreger?



Monatelang hat ein GTX-970-Käufer weniger erhalten, als aus den Hersteller-Unterlagen ersehen werden konnte.

Bild: Ein Kommentar: Maxwell – der holprige Start

Es fehlt 1/8 des Level-2-Caches, womit auch 1/8 des Speichers benachteiligt wird. Zudem sind die verbleibenden 7/8 des Speichers auch mit nur 7/8 der Geschwindigkeit angebunden. Die Karte wurde direkt so konstruiert, der Treiber entsprechend ausgelegt. Handelte es sich bei den originalen Unterlagen um einen Copy-&-Paste-Fehler oder um einen Versuch, die 970 gut aussehen zu lassen?

Solange man NVIDIA keine Absicht nachweisen kann, begibt man sich mit Betrugsversuchsvorwürfen aufs Glatteis. Dass diverse Publikationen das auch so sehen, lässt der Vermutung Raum, dass Redakteure an ihre journalistische Sorgfaltspflicht erinnert wurden.

Warum gab es nicht umgehend eine Berichtigung, sondern nach zwei Wochen Funkstille eine Vergleichstabelle, bei der auch die GTX 980 erhebliche Leistungseinbußen zeigt?

Rein formal sind die Angaben zur GTX 970 nicht falsch: Es sind physikalisch 4 GiB Speicher verbaut und 256 Datenleitungen vorhanden. Damit werden Board-Hersteller und NVIDIA vor Rückforderungen wohl geschützt sein.

Es fällt jedoch auf, dass Irrtümer im Marketing immer nur in eine Richtung gehen. Drei Irrtümer gleichzeitig – Anzahl ROPs, Speicherbandbreite, voll nutzbarer Speicherausbau –, die auch nur scheibchenweise an die Öffentlichkeit kommen, stellen NVIDIAs Kompetenz in Frage, die Spezifikationen eines Produkts korrekt niederzuschreiben. Alternativ fehlte dieser Firma der Wille, Kunden realistisch über die GTX 970 zu informieren.

Autor: Arne Seifert – 29. Januar 2015 – publiziert über [pg]
    Der Gastautor arbeitete zwischen 2007 und 2013 bei unterschiedlichen NVIDIA-Board-Partnern im Support und in der Produktentwicklung. Aktuell besitzt er selbst eine GTX 980.